Benzingespräch mit Mattias Ekström: "Uns Schweden juckt wenig"

Am Sonntag startet in Hockenheim die Deutsche Tourenwagen Masters, Titelverteidiger ist der schwedische Audi-Werksfahrer Mattias Ekström. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der 29jährige Inhaber eines Bettengeschäfts über DTM-Neuling Ralf Schumacher und sein ausgeprägtes Schlafbedürfnis.

SPIEGEL ONLINE: Herr Ekström, wenn man als Champion in die neue Saison startet, bedeutet das Extra-Stress oder Extra-Motivation?

Mattias Ekström: Der amtierende DTM-Champion startet ausgeschlafen in die neue Saison
DDP

Mattias Ekström: Der amtierende DTM-Champion startet ausgeschlafen in die neue Saison

Ekström: Schwer zu sagen, es ist wohl ein bisschen beides. Natürlich spüre ich den Erfolgsdruck und die Erwartungen, auf der anderen Seite freue ich mich auf die neue Herausforderung. Ich bin aber Realist genug um zu wissen, dass der Titel des vergangenen Jahres eigentlich nur bedeutet, dass mein Auto die Startnummer 1 trägt. Ansonsten fängt alles wieder bei null an.

SPIEGEL ONLINE: Unmittelbar nach dem Saisonfinale im vergangenen Herbst gaben Sie Ihr erstes Interview als neuer DTM-Meister im Sitzen, weil Sie so erschöpft waren. Wie haben Sie sich über die Winterpause erholt?

Ekström: Ja, ich musste mich damals zum Interview auf den Boden setzen, weil mein Körper völlig leer war. Aber jetzt ist er wieder voller Energie. Ich habe viele schöne Sachen gemacht, Urlaub, eine PR-Tournee, eine Auszeit in Schweden genommen und mir beim Joggen, Langlaufen und am Rudergerät frische Kondition antrainiert...

SPIEGEL ONLINE: …und sicher auch viel geschlafen. Sie sind ja übrigens Mitinhaber eines Bettengeschäftes in Zürich…

Ekström: …das stimmt. Schlaf ist einfach die allerbeste Erholung. Ich kann überall schlafen, wenn ich erst mal müde bin. Aber richtig gut schlafe ich, wenn ich auf dem Bauch liegen kann und mein kleiner Jack-Russel-Terrier Moss am Fußende mit im Bett liegt.

SPIEGEL ONLINE: Innere Ruhe halten viele Beobachter für Ihr Erfolgsgeheimnis auf der Rennstrecke. Sehen Sie das auch so?

Ekström: Also wenn es da ein Geheimnis gibt, dann soll das auch geheim bleiben. Was ich sagen kann ist, dass ich inzwischen ganz gut einschätzen kann, wann sich welches Risiko lohnt und wann nicht. Manche sagen, ich sei besonders analytisch oder fahre sehr strategisch. Ich denke, dass ich einfach etwas ruhiger bleibe, wenn es richtig stressig wird.

SPIEGEL ONLINE: Also entsprechen Sie dem Klischee, dass skandinavische Rennfahrer besonders cool sind?

Ekström: Ich glaube tatsächlich, dass die Kultur in Schweden, Norwegen oder Finnland eine Rolle für den Stil auf der Rennpiste spielt. Vielleicht sind wir wirklich cooler als andere. Jedenfalls juckt uns wenig, was wohl daran liegt, dass wir selbst schon so hohe Erwartungen an uns stellen. Da kommt es auf den Druck von außen dann auch nicht mehr an.

SPIEGEL ONLINE: Dieser Druck wird jetzt wieder ansteigen. Wie verändert sich Ihr Leben während der Saison?

Ekström: Die größte Umstellung ist eigentlich die, dass ein Großteil des Privatlebens jetzt wieder für Monate ausfällt. Freunde treffen fällt in den nächsten Monaten fast völlig flach. Das ist während der Winterpause ganz anders. Da vergesse ich vor lauter Freizeit manchmal sogar, welcher Wochentag gerade ist. Aber ab sofort lebe ich wieder von Rennen zu Rennen. Was zählt, ist Sonntag ab 14 Uhr.

SPIEGEL ONLINE: Was ändert sich denn für Sie in dieser Saison?

Ekström: Vor allem der neue Rennwagen, der neue Audi A4 DTM. Der hat jetzt ein paar PS mehr, beim Auto im vergangenen Jahr waren es rund 470 PS. Allerdings ist das kein vollkommen neues Fahren. In der DTM ist es so, dass viele kleine Dinge weiterentwickelt werden, es geht auf Grund des sehr engen Reglements nur noch um Details – aber das können eben die entscheidenden Details sein. Beim Motor beispielsweise ist es nicht die pure Leistung, sondern das Drehmoment, Ansprechverhalten und die Fahrbarkeit.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihr persönliches Saisonziel?

Ekström: Na ja, ich will meinen Titel verteidigen. Und dann möchte ich unbedingt unser Heimrennen auf dem Norisring gewinnen. Wenn ich es recht bedenke, würde mir das schon reichen.

SPIEGEL ONLINE: In der DTM fährt im Prinzip Mercedes gegen Audi, und für Nicht-Eingeweihte wirkt das langweilig. Wie würden Sie einem Neuling den Reiz dieser Rennserie erklären?

Ekström: Erklären lässt sich das in einem Satz nur schwer. Ich würde einem DTM-Neuling sagen, er soll einfach zu einem Rennen kommen, am besten das ganze Wochenende. Ein bisschen im Fahrerlager bummeln, die Atmosphäre aufsaugen, das Rennen genießen. Entweder, man lässt sich davon anstecken, oder eben nicht. Aber den Reiz mit Worten zu beschreiben, das ist sehr schwer. Bei uns gibt es Spannung, Emotionen, Motorsport pur und hautnah.

SPIEGEL ONLINE: In diesem Jahr soll wieder mal ein ehemaliger Formel-1-Fahrer für einen Extra-Kick sorgen. Ralf Schumacher startet für Mercedes. Welche Chance geben Sie ihm?

Ekström: Natürlich gebe ich ihm eine Chance. Aber klar ist auch, dass wir alle ihn schlagen wollen. Er soll und muss zeigen, was er drauf hat. Aber wenn er gewinnen will, dann muss er sich wirklich außerordentlich gut vorbereitet haben. In der DTM ist auch die Erfahrung sehr wesentlich. Es wird auf jeden Fall spannend.

SPIEGEL ONLINE: Wissen Sie schon, wie Sie sich nach dem Rennen in Hockenheim entspannen werden?

Ekström: Ach, da ist nichts Besonderes geplant. Meine Eltern werden da sein, sie kommen fast zu jedem Rennen, und wir werden am Abend wohl gemütlich was essen gehen. Ich will danach einfach meine Ruhe haben…

SPIEGEL ONLINE: …und ein bisschen schlafen…

Ekström: …genau, schön lange schlafen. Und dabei vielleicht wieder vom Titel träumen.

Das Gespräch führte Jürgen Pander.

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