Benzingespräch mit Smudo "Aus der Testosteronphase bin ich raus, nun kommen Geländewagen"

Smudo von den Fantastischen Vier bringt sein drei Monate altes Töchterchen Amy mit zum Interview. Die Kleine schläft seelenruhig an Papas Brust - und wird auch nicht wach, als der einen John-Fogerty-Hit ansingt, seinen Rennwagen imitiert und einen Niki-Lauda-Rap vorträgt.


SPIEGEL ONLINE: Singen Sie eigentlich beim Autofahren?

Smudo: Manchmal ja. So richtig schön laut, wenn ein gutes Stück im Radio läuft. Neulich zum Beispiel bei "Lookin' out my backdoor" von John Fogerty, uhuhhh! (Smudo singt) Danach habe ich mir das Lied sofort bei iTunes gekauft. Meine Tochter mag es übrigens auch.

SPIEGEL ONLINE: Was fahren Sie für ein Auto, jetzt als Familienvater?

Smudo: Auf der Rennstrecke fährt der Mann von den Fantastischen Vier einen mit Biodiesel angetriebenen Ford Mustang
Bernd Roselieb

Smudo: Auf der Rennstrecke fährt der Mann von den Fantastischen Vier einen mit Biodiesel angetriebenen Ford Mustang

Smudo: Einen VW Touareg. Ich mag große Autos. Meine Karriere als Autofahrer begann mit großen Gebrauchtwagen, einem phantastischen Audi 100, einem VW Passat Kombi, später Mercedes Kombi und danach ein echtes Popstar-Modell, nämlich Audi TT. Aus der Testosteronphase bin ich jetzt heraus, nun kommen die Geländewagen.

SPIEGEL ONLINE: Mit einer besonderen Musikanlage an Bord?

Smudo: Nein, das ganz normale Serienteil. Die sind mittlerweile so gut, dass es gar nicht mehr nötig ist, selbst eine Soundanlage ins Auto zu fummeln. Das war in den Neunzigern noch wichtig, jetzt nicht mehr.

SPIEGEL ONLINE: Und was läuft auf der serienmäßigen Musikanlage?

Smudo: In der Stadt meist Radio. Auf mittellangen Fahrten höre ich in letzter Zeit gerne Hörbücher, zur Zeit zum Beispiel "QQ" von Max Goldt. Wenn längere Autofahrten anstehen, dann ist Countrymusik eine ganz gute Autofahrmusik, Johnny Cash zum Beispiel. Aber ich höre auch gern Soul, Reggae oder Funk. Nur Radio geht gar nicht. Ich werde wahnsinnig, wenn ich ständig geduzt werde und irgendwelche Jingles um die Ohren gehauen bekommen. Aber längere Strecken lege ich am liebsten mit Bahn oder Flugzeug zurück.

SPIEGEL ONLINE: Sie fliegen ja auch selbst, hören Sie dabei auch Musik?

Smudo: Ja, ich kann meinen iPod ans Funksystem anschließen und dann habe ich Musik auf dem Kopfhörer. Die wird aber sofort unterbrochen, wenn Funkverkehr einsetzt. Beim Fliegen höre ich am liebsten was Ausgeflipptes. Neulich schwebe ich in Berlin ein, schön langsam über dem Teltower Kanal, und höre "Legalize it" von Peter Tosh – einfach großartig.

SPIEGEL ONLINE: Hören Sie auch Musik, wenn sie Rennen fahren?

Smudo: Nein, da nicht. Aber mit dem Rennauto unterwegs zu sein, hat etwas Musikalisches. Ein gutes Rhythmusgefühl hilft dabei, die Abläufe – anbremsen, schalten, lenken, beschleunigen und so weiter – exakt hinzubekommen. Und ich höre, wie mein Rennauto, ein Ford Mustang, der mit Biodiesel fährt, dreht. Ich brauch keinen Drehzahlmesser, um präzise zu schalten. Und man hört auch, wenn irgendwas nicht stimmt; mit der Kupplung, mit dem Getriebe, mit dem Motor.

SPIEGEL ONLINE: Was ist denn das schönste Geräusch, das ein Auto machen kann?

Smudo: Wenn man am Limit fährt und das Auto so eben an der Grenze zum Abheben ist, dann ist ein ganz spezielles Geräusch zu hören. Man könnte das als leichtes, windiges, zischendes Flattern beschreiben. Die Reifen heulen dann schon ein bisschen, so als habe man sie am Schlafittchen gepackt und sie würden leise wimmern. Und was sich auch toll anhört, ist, wenn Sportwagen mit großem Motor sauber heruntergeschaltet werden. Mit Zwischengas und allem drum und dran.

SPIEGEL ONLINE: Kommen Ihnen im Auto auch Ideen für Texte, für Songs?

Smudo: Sehr oft, und ich glaube, dass es daran liegt, dass man beim Autofahren auf längeren Strecken in einen Flow gerät. Man ist sehr konzentriert und limitiert zugleich. Und im Kopf passiert etwas. Gute Ideen spreche ich sofort auf mein Diktiergerät. Man sollte immer ein Diktiergerät oder etwas zum Aufschreiben im Auto dabei haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist das denn auf Tournee, im Tourbus der Fantastischen Vier, welche Musik läuft da?

Smudo: Seit wir nicht mehr zusammen in einer WG wohnen, nutzen wir die Zeit im Tourbus zum gegenseitigen Updaten, was wir gerade so hören. Thomas D spielt uns meist was aus der Rock- oder Psychedelic-Ecke vor, Michi Beck eher Clubmusik, Andi hat oft was aus dem Elektronikbereich dabei und ich bin der Mann fürs Kuriose, Funkige.

SPIEGEL ONLINE: In der amerikanischen Rapper-Szene gelten extrem aufgemotzte Autos als Statussymbole. Ist das auch Ihre Welt?

Smudo: Überhaupt nicht, denn für mich ist ein Auto in erster Linie ein Transportmittel. Ich mag aber durchaus große und sportliche Autos. Im Moment aber sagt mir der Vaterinstinkt, dass ein großes Auto sinnvoll ist, und mein Faible für Motorsport lebe ich auf der Rennstrecke aus.

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