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Teurer Treibstoff: Rauf mit dem Spritpreis

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Rekordpreis für Benzin: Der Fahrer ist das Problem

Der Benzinpreis eilt von Rekord zu Rekord, die Autofahrer fühlen sich von Staat und Ölmultis gegängelt. Dabei kann man jeden Tag im Straßenverkehr erkennen, warum die ganze Debatte zutiefst verlogen ist - und Benzin noch viel zu billig.

Wenn man die immer wiederkehrende Debatte um den Spritpreis verfolgt, könnte man meinen, es gäbe ein Grundrecht aufs Autofahren. Die Argumentation geht nämlich meist so: Die Bürger sind aus verschiedensten Gründen (Beruf, Kinder, Einkäufe) auf ein Auto angewiesen und werden vom Staat und den Ölmultis durch horrend hohe Preise an den Zapfsäulen in ihrer Fahrfreiheit eingeschränkt.

Diese Argumentation ist aber falsch. Und die Frage, ob der Staat oder die Ölkonzerne schuld an der Benzinpreis-Rallye sind, vollkommen nebensächlich. Keine Frage, Tanken ist zur Zeit kein Vergnügen, der Spritpreis jagt von Rekord zu Rekord und daran wird sich - bitte schnallen Sie sich jetzt an - wohl auch nichts mehr ändern. Das aber ist kein Problem. Im Gegenteil, das ist gut so. Benzin ist noch viel zu billig.

Und zu dieser Ansicht kann man nicht nur kommen, wenn man ein fundamentalistisch verstrahlter Öko-Weltenretter ist. Es reicht vollkommen, sich im alltäglichen Straßenverkehr zu bewegen. Da sieht man ständig, wie viele Menschen noch mal beherzt aufs Gas latschen, obwohl die Ampel ein paar hundert Meter weiter vorne gerade auf rot gesprungen ist. Man wird Zeuge von sinnfreien Überholmanövern, bei denen unter lautem Aufheulen des Motors, also maximalem Spritverbrauch, minimaler Raum- und Zeitgewinn erreicht wird.

Das Problem sitzt hinter dem Steuer

Es ist so ähnlich wie bei Computern. Da sitzt der Fehler meist auch nicht im Gehäuse, sondern vor dem Bildschirm. Beim Auto sitzt er hinter dem Steuer. Selbst die Hersteller verzweifeln an den Fahrgewohnheiten ihrer Kunden, denn die können alle Bemühungen (und es gibt ja glücklicherweise inzwischen viele Spritspar-Technologien), den Durst von Autos in den Griff zu bekommen, mit einem Fußtritt pulverisieren.

Dass man aber selbst mit handelsüblichen Autos verbrauchsarm fahren kann, haben erst kürzlich John und Helen Taylor unter Beweis gestellt: 2617 Kilometer war das australische Ehepaar mit einer Tankfüllung gefahren und hatte damit einen Durchschnittsverbrauch von 2,8 Litern auf 100 Kilometer erzielt. Dabei waren sie nicht mit einem ausgeklügelten Technologieträger unterwegs, sondern mit einem serienmäßigen VW Passat TDI SE, Baujahr 2012. Sie erreichten diesen Verbrauchsfabelwert neben einer lupenreinen Wartung vor allem mit vorausschauender und defensiver Fahrweise.

Dabei wäre theoretisch noch viel mehr drin, in einer Tankfüllung - wenn die Autos nicht von Modell zu Modell immer schwerer würden. Der Fairness halber sei an dieser Stelle gesagt, dass immer schärfere Crash-Vorschriften, die wiederum zu weniger Verkehrstoten führen, ihren Teil zur Gewichtszunahme beitragen.

Gewicht ist Gift - Basta

Doch ein Großteil der automobilen Fettsucht ist hausgemacht. Und es ist fast schon beängstigend zu sehen, in was für einem unauflöslichen Widerspruch die Hersteller gefangen scheinen und wie wenig Mut sie offenbar haben, daraus auszubrechen. Einerseits investieren sie Milliarden in neue Leichtbautechnologien, mit deren Hilfe die Autos abspecken sollen.

Gleichzeitig machen sie ihre Bemühungen im Handstreich wieder zunichte, in dem sie die mühevoll erleichterten Karosserien hinterher wieder mit Luxus-Plunder vollstopfen. Erst jüngst hat beispielsweise Audi stolz bekanntgegeben, statt eines Rückspiegels in manchen Modellen künftig eine Kamera und ein kleines Display zum Einsatz zu bringen. Was war falsch am Rückspiegel? Ganz einfach: Im Gegensatz zur neuen Digitaltechnologie kann man für den Old-School-Ausguck nach hinten keinen Aufpreis verlangen.

Und das ist nur ein Beispiel. Elektrische Sitzverstellung, automatisch einklappende Außenspiegel, Einpark-Assistent, Abstandsradar - in gut ausgestatteten Limousinen werkeln heute bis zu hundert Elektromotoren und zig Sensoren und erleichtern den Insassen das Leben. Jedes einzelne dieser Extras mag, für sich gesehen, kein Problem sein. In der Summe aber führen sie dazu, dass die Autos immer schwerer werden. Und Gewicht ist Gift für die Verbrauchsbilanz, das ist harte Physik, keine ausgeflippte Meinung.

Trotzdem bleiben kleine, verbrauchsgünstig motorisierte und effizient ausgestattete Modelle oft Ladenhüter. Stattdessen schießen die Verkaufszahlen von SUVs in die Höhe. Und die sind, wie der Sprint vor der roten Ampel, ziemlich sinnfrei, weil sie bei gleichem Platzangebot wie eine vergleichbare Limousine in der Regel deutlich schwerer sind.

Und genau deswegen ist die Debatte um den Spritpreis so verlogen. Denn jeder kann schließlich fahren, was und wie er möchte. Jeder kann in der Extraliste so viele Kreuze machen, wie er mag. Nur eines darf er dann nicht: sich über den Spritpreis beschweren. Also Leute, hört einfach auf zu jammern.

Der Autor dieses Textes ist kein Auto-Verächter. Im Gegenteil. Er fährt leidenschaftlich gerne Auto und besitzt zwei alte, aber gut motorisierte Fahrzeuge, von denen keines weniger als 12 Liter auf 100 Kilometer verbraucht.

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insgesamt 593 Beiträge
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1. Ich jammere auch nicht !
iffel1 20.08.2012
Mein BMW-SUV verbraucht 8 Liter im Berliner Stadtverkehr - eine Tankfüllung kostet heute aktuell über 100€. Ich hätte ja nicht 64.000€ für diesen Wagen ausgegeben, wenn ich anschließend den Hunni nicht habe. Und morgens im Berufsverkehr hier in Berlin, da stehen hunderte andere Autos mit mir auf der Stadtautobahn und es standen mit mir vor einem Jahr, als das Benzin bedeutend billiger war, die gleichen mit mir im Stau. Und das bei unserem doch recht umfangreichen Öffentlichen Personennahverkehrsangebot. Ich stimme dem Auto völlig zu !
2. ja ganz genau
grc_king 20.08.2012
Vielen Dank, dem ist aber auch gar nix hinzuzufügen. Ich kann dieses Gejaule von zB ADAC etc auch nicht mehr hören.
3. Keine Ahnung hat der Autor
ebberat 20.08.2012
Jeder kann fahen wie und was er möchte. Was er möchte, na klar. Wer kann sich schon alle paar Jahre ein neues sparsames Auto leisten. In diesem Land auf jeden Fall immer weniger Menschen.
4.
interceptor144 20.08.2012
... und der Autor sollte mal auf die Qualität seiner Texte achten ... Merkwürdige Argumentationskette.
5. Vollkommen korrekt!
jackson22 20.08.2012
Ein sehr gelungener Artikel. Auch, wenn so etwas keiner "hören" will und es auch keiner zugibt. Es ist erschreckend wie die Masse mit den Kraftstoffen umgeht. Das Beispiel mit der roten Ampel ist wirklich perfekt. Das sehe ich zig mal am Tag und kann nur mit dem Kopf schütteln. Solange die Masse es nicht lernt vernünftig zu fahren, sind die Spritpreise VIEL zu niedrig.
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Mit diesen Tipps sparen Sie Sprit
Motor ausschalten
Machen Sie öfter mal den Motor aus. Das lohnt sich oft schon ab einer Standzeit von zehn Sekunden. Bei älteren Autos sollte sie jedoch eine halbe Minute betragen. Außerdem muss die Maschine die Betriebstemperatur erreicht haben und die Batterie voll aufgeladen sein.
Beim erneuten Anlassen des Aggregats sollten Sie auf keinen Fall das Gaspedal drücken, weil sonst der Einspareffekt ausbleibt.
Stromverbraucher ausschalten
Je mehr elektrische Verbraucher die Lichtmaschine belasten, desto höher ist der Verbrauch. Schalten Sie also Geräte wie Klimaanlage, Sitz- oder Heckscheibenheizung aus, wenn sie nicht gebraucht werden.
Niedrigtourig fahren
Mit geringer Motordrehzahl zu fahren, kann nach Angaben des Verkehrsclub Deutschland (VCD) bis zu 30 Prozent Kraftstoff sparen. Das gilt für alle Autos, die in den vergangenen 20 Jahren gebaut wurden. Der VCD berichtet, dass zum Beispiel ein Porsche 911 Carrera bei 50 km/h im zweiten Gang 15,1 Liter, im sechsten Gang jedoch nur 6,2 Liter Benzin verbraucht.
Fahren Sie ohne Ballast
Das Gesamtgewicht des Autos beeinflusst den Verbrauch enorm. 100 Kilogramm weniger auf der Waage bedeuten im Schnitt etwa 0,3 bis 0,5 Liter weniger Verbrauch. Fahren Sie also nicht mit leeren Getränkekisten, alten Reifen und sonstigen überflüssigen Gegenständen umher.
Auch einen unnötigen Dachgepäckträger sollten Sie demontieren. Das reduziert zusätzlich noch den Luftwiderstand. Wer zum Beispiel mit drei Fährrädern auf dem Dach unterwegs ist, muss mit einem Mehrverbrauch von bis zu vier Litern auf 100 Kilometern rechnen.
Vorausschauend fahren
Vor allem Anfahren und Beschleunigen verbraucht viel Kraftstoff. Fahren Sie zum Beispiel auf eine rote Ampel zu, nehmen Sie deshalb den Fuß vom Gas und rollen einfach auf den Haltepunkt zu. Im Idealfall kommen Sie also gar nicht erst zum Stehen, sondern das Signal schaltet vorher schon auf Grün. Allerdings sollten Sie darauf achten, den nachfolgenden Verkehr nicht zu behindern.
Früh schalten
Wenn Sie mit einem Auto mit manuellem Getriebe unterwegs sind, nutzen Sie den ersten Gang nur zum Anfahren. Bereits nach wenigen Metern sollte der Fahrer in den zweiten Gang schalten. Dann sollte mit viel Gas beschleunigt und bei 2000 Umdrehungen pro Minute in die nächsten Gänge gewechselt werden. Haben Sie die gewünschte Geschwindigkeit erreicht, fahren Sie am besten im höchsten Gang.
Reifendruck
Ein leicht erhöhter Reifendruck um maximal 0,2 bar über der Empfehlung des Hersteller bringt laut ADAC bei gemäßigter Fahrweise eine Spritersparnis von bis zu drei Prozent. Fahrer sollten aber nachschauen, ob dies laut der Bedienungsanleitung bei ihrem Wagen zulässig ist.

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