Berg- und Talstraßen in Nordportugal Durch den Garten kurven

Weinberge, Kastanienwälder, Bergseen: Die Region Minho im Norden Portugals gilt als Geheimtipp in Südeuropa. An den Hängen der Täler schlängeln sich verwunschene Sträßchen entlang. Wer Kurven mag, fährt hier goldrichtig, und hinter jeder Biegung wartet ein herrlicher Ausblick.

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Lissabon und die Algarve kennt jeder, aber in die nördlichen Berggebiete Portugals verirren sich nur wenige ausländische Besucher. Dabei braucht die Gegend den Vergleich mit den schönsten Regionen Südeuropas nicht zu scheuen. Vor allem der Minho, der sich nördlich von Porto bis zur spanischen Grenze erstreckt, ist ein wahres Schmuckkästchen der Natur: Dutzende von Flüssen durchziehen grüne Täler, an deren Hängen Weinberge in der Sonne leuchten. Von hier stammen die Trauben für den berühmten Portwein und den Vinho Verde.

Unter den imposanten Gipfeln der Granitberge wechseln sich Wälder aus Eichen, Kastanien, Pinien, Ölbäumen und vereinzelt auch Palmen mit kleinen Ortschaften ab, deren typisches Erkennungsmerkmal aufgeschichtete Steinmauern sind. Bauernhöfe produzieren Käse wie vor Jahrhunderten, und auf manchen Feldern trotten die Bauern noch am Pflug hinterm Gaul her. Aufgrund ihrer üppigen Vegetation rühmt sich die Region, die trotz ihrer Schönheit als arm gilt, als grüner Garten Portugals.

Durchzogen wird dieser Garten von zahlreichen Sträßchen, die weniger zum schnellen Vorankommen als eher zum Genießen taugen. Eine der schönsten Strecken führt wie eine liegende Acht durch das Hinterland der Kleinstadt Braga, an der Grenze des Nationalparks Peneda Gerês vorbei und wieder zurück nach Braga. Die rund 140 Kilometer sind entspannt an einem Tag zu bewältigen, doch bietet die Route so viele verlockende Zwischenstationen, dass man sie problemlos auf zwei oder drei Tage ausdehnen kann.

Wir beginnen die Tour in Braga und fahren zunächst auf der Schnellstraße N101 ortsauswärts Richtung Villa Verde. Wer sein Auto immer schon mal bis an die Schmerzgrenze treten wollte, kann auf der nach Voranmeldung zugänglichen Rennstrecke bei Palmeira einige gepfefferte Runden drehen (Ausschilderung hinter dem Flughafen von Braga als "Kartodromo", Telefon 00351-253-607560). Bei Kilometer 13 hinter Braga biegt die Landstraße N205 Richtung Terras de Bouro und Amares ab. Nach etwa einem Kilometer treffen wir auf den ersten Straßenkreisel – diese runden Verkehrsleiter werden uns fortan nicht mehr verlassen, da noch die kleinsten Kreuzungen im Norden Portugals auf diese Weise organisiert sind. Wir nehmen die Ausfahrt nach links und halten uns nun bis Terras de Bouro immer auf dieser Straße.

Süße Trauben und grandiose Ausblicke

Und dabei genießen wir die Landschaft, die uns zunächst in der Gestalt von Gärten rund um die Ortschaften begegnet. Terras de Bouro durchfahren wir ohne Zwischenstopp, um genug Zeit für die schönsten Streckenabschnitte zu haben: Hinter dem Ort windet sich die Straße N304 durch die Mischwälder am Rande des Nationalparks, zwischen den Bäumen erhaschen wir Ausblicke auf beschauliche Täler. Immer wieder laden Haltebuchten zu einem kurzen Fotostopp ein.

Der Höhepunkt ist jedoch der Moment, in dem man unter den grünen Wipfeln hervorrollt – und plötzlich linkerhand der lang gezogene Bergsee Barragem da Canicada im Sonnenlicht blinkt. In einem Ausfluglokal in Rio Caldo oder Valdosende am Seeufer trinken wir unter bunten Sonnenschirmen einen Kaffee oder kosten die süßen Trauben der Region – als Fahrer natürlich als Früchte, nicht gekeltert. Über das enge, kurvige Sträßchen N308 gondeln wir dann weiter nach Bouro. Die Ausblicke auf Weinhänge, tief eingeschnittene Täler und unbewaldete Gipfel sind so eindrucksvoll, dass wir einen Gang zurückschalten, um genug sehen zu können.

Region Minho: Der grüne Garten Portugals
Fremdenverkehrsamt Portugal

Region Minho: Der grüne Garten Portugals

Nach rund 60 Kilometern ab Braga erreichen wir Bouro (nicht zu verwechseln mit dem nahe gelegenen Bouro Santa Maria). Hier legen wir nun eine zweite Pause ein und überlegen uns bei einem kleinen Rundgang durch das verschlafene Dorf, ob wir bleiben oder weiterfahren wollen. Gründe zum Verweilen gibt es genug: die alten Männer, die auf dem Kirchplatz Boccia spielen, die lauschigen Gässchen am Hang, vor allem aber eines: die Pousada Santa Maria Bouro.

In diesem Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert, einem der imposantesten Bauwerke in ganz Nordportugal, wurde vor wenigen Jahren ein herrliches Hotel eingerichtet: Große Zimmer mit weiten Ausblicken, spartanische, aber geschmackvolle Einrichtung, sehr freundliches Personal und im ehemaligen Klostergarten ein runder Pool (Telefon 00351-253-371970). Wer sich dafür entscheidet, hier eine Nacht zu verbringen, wird auf keinen Fall das Abendessen in der ehemaligen Klosterküche verpassen, wo Spezialitäten wie Dorsch in Paprika-Sahnesauce an großen runden Tafeln serviert werden.

Von Bouro fahren wir weiter Richtung Amares, biegen aber kurz vor der Ortschaft in Richtung Vieira do Minho ab. Wir passieren A. Santas und Monsul und treffen nach etwa zwölf Kilometern auf die Straße N103, die uns nun in größeren Bögen bis fünf Kilometer vor Vieira do Minho führt, ab dort heißt sie N204. Was nun folgt, ist ein weiterer Höhepunkt der Tour: In unzähligen Kurven schlängelt sich das Sträßchen durch eine abgelegene, stille und traumhaft schöne Natur, vorbei an Pinienwäldern, Flüsschen, den Seen Barragem de Guilhofrei und Barragem das Andorinhas. Hier kommen wir aus dem Lenkrad-Kurbeln gar nicht mehr heraus. Aufpassen müssen wir nur einmal zehn Kilometer hinter Vieira do Minho: Am dortigen Kreisel nehmen wir die N205 Richtung Braga.

Über Povoa de Lanhoso kurven wir weiter durch grüne Täler, immer wieder von Dächern aus Eichen-, Kastanien- und Pinienzweigen beschirmt. Etwa zwei Kilometer hinter Povoa de Lanhoso treffen wir wieder auf die N103 und rollen nun die restlichen 13 Kilometer zurück bis Braga. In der 120.000-Einwohner-Stadt angekommen, besichtigen wir noch rasch die Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert oder stellen den Wagen für heute ab und gönnen uns endlich auch als Fahrer einige schöne Gläschen Portwein.

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