Kälte legt Berliner Polizeiwagen lahm Es war die Batterie. Und der Sprit. Und das Wasser

Am Montag musste die Berliner Polizei auf jeden vierten Streifenwagen verzichten: Die Fahrzeuge waren bei der Kälte nicht angesprungen. Die Behörde nannte drei Gründe für die Pannen.

Einsatzwagen der Polizei Berlin: "Hunderte Autos sind ja tadellos angesprungen"
Polizei Berlin

Einsatzwagen der Polizei Berlin: "Hunderte Autos sind ja tadellos angesprungen"


In den vergangen Wochen stand die Stadt Berlin immer wieder wegen chaotischer Zustände in ihren Behörden in der Kritik - und dann kam am Montag auch noch diese Meldung: Jeder vierte Einsatzwagen der Polizei hatte bei Temperaturen von bis zu minus elf Grad schlapp gemacht. 85 Fahrzeuge schienen für Verbrecherjagd in der Kälte einfach nicht geschaffen.

"Ein Desaster!", empörte sich die Deutsche Polizeigewerkschaft Berlin auf ihrem Twitter-Account. Als Grund für die Pannen brachten die Gewerkschafter eingefrorene Dieselfilter ins Spiel, korrigierten sich kurz darauf aber: Demnach waren die Tankstellen der Polizei seit November mit Winterdiesel befüllt, dieser bleibe selbst bei Temperaturen unter 20 Grad minus flüssig. Die Polizeigewerkschaft legte auf Twitter nach: Die "Kältestarre" der Einsatzwagen verlange nach "umfangreicher Aufklärung".

Genau darum bemühte sich die Berliner Polizei am Dienstag.

Schwache Batterie, gefrorenes Kondenswasser, kein Winterdiesel

Als Ursache für die Pannen habe die Fuhrparkleitung demnach drei Möglichkeiten ermittelt: "Einige Autos hatten eine Batterieschwäche", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE, "und bei manchen war offenbar Kondenswasser im Treibstoffsystem gefroren." Außerdem müsse in Betracht gezogen werden, dass ein paar der Autos bei Tankstellen ohne Winterdiesel aufgetankt worden seien.

Dass es sich bei sämtlichen betroffenen Fahrzeugen um das Opel-Modell Zafira handelte, hat laut Angaben des Sprechers einen einfachen Hintergrund: "Unsere Einsatzwagenflotte umfasst insgesamt 344 Autos, sie besteht ausschließlich aus diesen Modellen." Die Probleme seien bei Exemplaren aus den Baujahren 2012 und 2013 aufgetreten. Von Opel habe sich niemand bei der Berliner Polizei gemeldet, so der Sprecher. Konsequenzen aus der Massenpanne wolle die Behörde nicht ziehen: "Hunderte Autos sind ja tadellos angesprungen."

Auch für einen Notfallplan bei einem plötzlichen Kälteeinbruch, der Ausfälle wie am Montag in Zukunft verhindern könnte, sieht die Berliner Polizei keine Notwendigkeit: "Die Einsätze wurden nicht beeinträchtigt", sagte der Sprecher. Es habe keine Engpässe gegeben.

Die betroffenen Autos seien am Montag in eine warme Halle gebracht worden, laut Angaben des Sprechers laufen alle Fahrzeuge wieder. Lediglich sieben Opel seien noch in der Werkstatt, weil bei ihnen ein planmäßiger Servicetermin anstehe.

Polizeigewerkschaft stiftet auf Twitter Verwirrung

Das Behördenchaos von Berlin war damit allerdings noch nicht beendet.

Die Polizeigewerkschaft sorgte am Dienstag noch mal via Twitter für Verwirrung. Ein Eintrag zeigte mehrere Einsatzfahrzeuge vor einem Gebäude, dazu hieß es: "Nicht alle Streifenwagen laufen wieder. Diese Opel müssen in die Werkstatt."

Später folgte eine Korrektur - bei den abgebildeten Fahrzeugen handle es sich um Neuwagen, sagte der Polizeisprecher. Sie seien lediglich mit Funksystemen ausgestattet worden und hätten deshalb in die Werkstatt gemusst.

cst



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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
zick-zack 05.01.2016
1. Nur Opel?
Nur Zafiras? Waren wohl gerade im Sonderangebot? Eigentlich für die DB bestimmt, aber solchen Schrott nimmt die Bahn nicht mehr. Ich fahr privat seit über 20 Jahren Diesel. Mir ist noch nie Kondenswasser eingefroren. Ach so: die w Benziner zwischendurch waren ein Vectra und ein Astra. Da hab ich aber Schwein gehabt!
mats73 05.01.2016
2. Geschäftsschädigung
so was ist ja schon fast Geschäftsschädigung für den Autohersteller ... in den USA wäre die Klage nicht weit weg! die Frage ist doch vielmehr, warum machen reihenweise Batterien bei Kälte schlapp. Bei mir misst die Werkstatt die Batterie beim Service, händigt mir das Messprotokoll aus (meist alles ok) und empfiehlt rechtzeitig vorher einen Austausch ... plötzlich Verreckt die Batterie fast nie. Kein Winterdiesel? Vielleicht standen die Fahrzeuge die letzten Monate so viel, dass noch Diesel aus dem Sommer im Tank war? Kondenswasser in den Kraftstoffleitungen?? Scheint insgesamt eher ein Spar/Wartungsproblem zu sein, als dass das irgendetwas mit dem Hersteller zu tun hat....
andros0813 05.01.2016
3.
da scheinen ja richtige experten am werk zu sein...weiss der eine nicht, was der andere tut? kein techniker weit und breit, der die fehler klar benennt? man kann nur hoffen, das der dienst nicht genau so planlos verläuft...
Wofgang 05.01.2016
4.
Blinder Aktionismus! Wie soll man da noch einer Polizeigewerkschaft glauben, wenn sie von zu wenigen Planstellen spricht, wenn sie noch nicht mal einen planmäßigen Werkstattaufenthalt erkennen kann?
poetnix 05.01.2016
5. Vorbild DB
Alle Jahre wieder. Man ist ja selbst überrascht, dass es immer noch einen Winter gibt. Wie muss es da erst den Menschen bei der Polizei gehen oder der DB? Die hatten doch fast ein ganzes Jahr keinen Winter.
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