Elektromobilität Ministerien beschweren sich über Hybrid-Dienstwagen

Staatssekretäre im Bundesverkehrs- und Finanzministerium klagen über ihre Plug-in-Hybride von BMW. Die Limousinen mit teilweisem Elektrobetrieb entpuppen sich als Spritfresser.

BMW-Hybridlimousinen am Münchner Flughafen
Rainer Häckl / BMW

BMW-Hybridlimousinen am Münchner Flughafen

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Wer als Ministerialer in Berlin dieser Tage mit seinem Dienstwagen vorfährt, sollte auf seinem Kennzeichen ein E stehen haben, E für Elektro. Das gilt als umweltfreundlich, schick und modern. Vor allem wird es dann nicht so peinlich, wenn Umweltverbände, wie sie es fast jedes Jahr tun, nach dem Flottenverbrauch des Ministerium-Fuhrparks fragen. Besonders beliebt sind deswegen in Berlin sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl einen Verbrennungs- als auch Elektromotoren besitzen. Sie sind groß, komfortabel und trotzdem sparsam. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 46/2017
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Zumindest auf dem Papier. Denn offenbar sind die Spitzenbeamten aus den Bundesministerien, die sich darin chauffieren lassen, zunehmend frustriert über ihre neuen Dienstwagen mit Hybridantrieb. Ihre Fahrer klagen nach Informationen des SPIEGEL darüber, dass die Autos nur sehr kurze Strecken elektrisch zurücklegen, statt die vom Werk angegebenen Reichweiten zu erfüllen.

Dann aber, wenn der Verbrennungsmotor anspringt, seien die Verbräuche exorbitant hoch, zumal die Wagen wegen der Elektromotoren schwerer sind. Wegen kleinerer Tanks müssten die Chauffeure ständig nachtanken, heißt es. Zwei Staatssekretären aus Bundesfinanz- und Verkehrsministerium reicht es nun: Sie haben sich beim Hersteller BMW über ihren Dienstwagen vom Modell 740e iPerformance beschwert.

Falsche Förderung?

Die Irritation in der Bundesregierung ist auch deshalb so groß, weil man die Plug-in-Hybride mit in die Elektromobilitätsförderung aufgenommen hatte, was den Kunden einen Umweltbonus von 3000 Euro sichert. Der Zuschuss scheint mit Blick auf den wahren CO2-Ausstoß nicht wirklich gerechtfertigt zu sein.

Um in den Genuss der Elektro-Privilegierung zu kommen, müssen die Plug-in-Hybride weniger als 50 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. In die Berechnung dieser Werte bei den Zulassungstests fließen Anteile ein, die der Elektromotor bei überwiegend geringen Geschwindigkeiten fährt, und jene, die der Verbrennungsmotor übernimmt. Die Bemessung ist derart günstig für den Elektrobetrieb gewählt, dass bei normalem Fahrverhalten der Durchschnittsverbrauch bei Plug-In-Hybriden noch realitätsferner ist als bei normalen Autos. (Lesen Sie hier alles über "Die Verbrauchslüge").

BMW bestätigt die "Rückmeldungen aus dem Fuhrpark" der Ministerien, verweist darauf, dass die Diskrepanz zwischen angegebenem und realem Verbrauch "nicht nur von BMW-Kunden beobachtet wird". Das stundenlange Warten auf die Ministerialen mit Standheizung würde die "verfügbare Reichweite für das elektrische Fahren reduzieren", erklärte BMW auf Nachfrage des SPIEGEL.

Das Eingeständnis derart starker Abweichungen von angegebenem und realen Verbrauch könnte die Hersteller in Bedrängnis bringen, weil sie sich Plug-in-Hybride in der künftigen Regelung der CO2-Grenzwerte anrechnen lassen wollen. Wenn sie im Jahre 2025 mindestens 15 Prozent elektrischer Autos oder Hybridfahrzeuge verkaufen, dann bekommen sie Abschläge beim CO2-Grenzwert ihrer Autoflotte. Umweltverbände kritisieren diese Regelung.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Donnerstagmorgen. Die neue Ausgabe des digitalen SPIEGEL können Sie diese Woche bereits am Mittwoch ab 16 Uhr herunterladen.

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insgesamt 377 Beiträge
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Benjowi 10.11.2017
1. Trickserei und Volksverdummung.
Die Sache mit diesen speziellen Hybridfahrzeugen ist letztlich nur ein Taschenspielertrick und stellt die nächste Volksverdummung dar. Diese zusätzlichen Mini Elektroantriebe sind nur ein Feigenblatt, mit dem etwas vorgegaukelt wird, das es nicht gibt in der Realität. Dass man in der Politik diese Trickserei mitmacht, zeigt nur, dass man aus der Dieselbetrügerei nichts lernen wollte und mal wieder nur so tut als ob.
Freedom of Seech 10.11.2017
2. Hybrid Spritfresser: das war doch doch klar
Hatte mich selbst mit dem Gedanken getragen einen Hybrid anzuschaffen. Bei ca. 40.000km/Jahr wurde mir aber rasch klar, dass das keine Option ist. Das Auto wird dadurch deutlich schwerer und die Batterie (Strom) verabschiedet sich nach 50-100km.
ruhepuls 10.11.2017
3. Theorie und Praxis..
Dies zeigt vor allem wieder eines: Die Vorgaben für die Ermittlung von Verbräuchen und Abgaswerten sind unrealistisch. Die Hersteller bauen ihre Autos um die Vorgaben herum. Im Alltag zeigen sie dann aber ganz andere Eigenschaften. Hier wäre eine realistische Verbrauchsermittlung unbedingt notwendig.
lukapp 10.11.2017
4. Schon recht
Auch die Toyota-Hybriden sind auf längeren Strecken reine Spritfresser, nämlich Verbrenner mit Akku-Unterstützung. Das klappt im reinen Stadtverkehr ganz gut (Rekuperation), ist aber auf längeren Strecken einfach nur: Ein durstiger Verbrenner. Wundert das jemanden?
tulius-rex 10.11.2017
5. Plug-in-Hybride sind Totgeburten
Was beim Klein-Toyota schon nicht funktioniert soll beim 220+ PS-BMW funktionieren? Die Energiebilanz ist verheerend weil die Dienstlimousinen ja rasen und nicht mit 100 auf der Autobahn daherzuckeln wollen; und wenn dann noch Sitzheizung, on bord-WLAN und Klimaanlage hinzukommen ist schnell Ende mit Elektro. Eine Lachnummer ohne Ende. Warum fahren die Herrschaften nicht mit der Bahn? Die funktioniert elektrisch.
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