Von Andrea Reidl
Hanf, Naturharz, 2,5 Meter Bambus und ein altes Velo als Teilespender - mehr braucht man nicht für ein Bambusrad. Thomas Finger, Student der Luft- und Raumfahrttechnik und Gründer von Berlin Bamboo Bikes, einem Studentenprojekt an der TU Berlin, zeigt seinen Kommilitonen, wie sie die Fahrräder bauen. Sein langfristiges Ziel: Serienreife Räder zu produzieren, die zu über 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen.
Acht Gitterstufen führen in die weißgetünchte Werkstatt in dem Berliner Hinterhof. Die Glastür steht offen, der Raum ist klein, kaum 20 Quadratmeter groß. Aber das reicht den fünf Bastlern. Ruhig hantieren sie hier mit meterlangen Bambusrohren. Während die einen noch mit Schmirgelpapier die Enden aufrauen, stecken die anderen bereits die Rohre auf Tretlager, messen, reden, lachen leise.
Irgendjemand hat Fotos von zwei Bambus-Bikes an die Wand gepinnt. Sie zeigen ein Rennrad und ein Mountainbike - beide perfekt bis ins letzte Detail. Die Räder stammen aus der Edelschmiede des Fahrrad-Gurus Craig Calfee. Direkt unter den Fotos hängt in der selbstgebauten Rahmenlehre ein halbfertiger Bambusrahmen - handgemacht - ein Wort, dass man ernst nimmt in der Werkstatt von "Berlin Bamboo Bikes".
Vorliebe für Dschungel-Style
"Möglichst wenig Strom verbrauchen, möglichst nachwachsende Rohstoffe verwenden und vor allem: Keine Energie verschwenden." So erklärt Thomas Finger, warum die Teilnehmer mit Handsägen die Rahmen zerlegen oder mit Schmirgelpapier den Lack vom Stahlrahmen schrubben.
Finger ist kein Fahrradfetischist. "Die Bambusräder müssen stabil sein und langfristig zu mehr als 90 Prozent aus nachwachsende Rohstoffe bestehen", sagt er. Das Design interessiert ihn vorerst wenig. "Das kommt später." Der Student kennt den skeptischen Blick mit dem die groben Hanfwickel an seinem Fahrradrahmen gemustert werden. Doch er grinst gelassen und kommentiert: "Ich mag Dschungel-Style."
Der Student hat im vergangenen Jahr das erste Berlin-Bamboo-Bike gebaut. Die Anleitung dazu fand er im Internet, den passenden Bambus in einer Gärtnerei in Hessen: 30 Rohre acht bis zehn Meter lang. Die waren noch grün und mussten getrocknet werden.
Einen Abend lang drehte Finger die Bambusrohre in der Garage über einem Spitrituskocher. Das Wasser zischte aus den Enden heraus. Lässt man den Bambus in gut gelüfteten Gestellen trocknen, kann er nach sechs bis zwölf Wochen verarbeitet werden, wird er im Ofen im eigenen Harz geräuchert, dauert es nur zwei bis drei Wochen.
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