Mondlicht als Energiequelle Lade, Auto, lade!

Strom aus regenerativen Quellen - ohne ihn ist die Elektromobilität nur grüne Augenwischerei. Der deutsche Architekt André Brößel will die Lösung für dieses Problem gefunden haben: eine Apparatur, durch die sich E-Autos mit Mondlicht betanken lassen.

Von Christian Frahm

Rawlemon

In dieser Glaskugel könnte die Zukunft stecken. Der transparente Ball ist mit destilliertem Wasser gefüllt und bündelt Lichtstrahlen, deren Energie sich in Strom umwandeln lässt. Klingt nicht besonders kompliziert, trotzdem muss man erst einmal darauf kommen. André Brößel, deutscher Architekt mit Sitz in Barcelona, hat daraus das Energiegewinnungssystem Beta.ray entwickelt, das er nun mit seiner Firma Rawlemon vermarkten möchte.

Der Clou von Beta.ray: Das System produziert grünen Strom und zwar Tag und Nacht. Je nach Durchmesser der Glaskugel - es gibt zunächst zwei Größen mit 1 und 1,80 Meter Durchmesser - werden die Strahlen im Brennpunkt bis um das 20.000fache verstärkt. Das so konzentrierte Licht wird dann mittels Photovoltaikzellen und wärmeabsorbierenden Mini-Generatoren in Strom umgewandelt.

Eine Murmel brachte die Idee ins Rollen

Die entscheidende Idee kam Brößel am Frühstückstisch. "Als mich meine Tochter besuchte, legte sie mir eine Glasmurmel in den Eierbecher. Ich konnte beobachten, wie der Brennpunkt im Becher wanderte", berichtet er. Das sei die Geburtsstunde der Firma Rawlemon gewesen.

Deren Produkt Beta.ray ist rund zwei Meter hoch, sieht ebenso dekorativ wie futuristisch aus und soll vor allem sehr effizient arbeiten. Handelsübliche Solarzellen haben einen Wirkungsgrad von 17 bis 20 Prozent, es wird also lediglich ein Fünftel des eingestrahlten Sonnenlichts in Strom umgewandelt. Selbst unter Laborbedingungen liegt der Rekord bislang bei 44,7 Prozent.


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Rawlemon gibt an, mit den Glaskugelkollektoren bereits jetzt einen Wirkungsgrad von mehr als 50 Prozent erreichen zu können. Auf einer 50 mal 50 Zentimeter großen Photovoltaikfläche erzeugen die Prototypen bereits so viel Strom wie herkömmliche Anlagen auf einem Quadratmeter - sie sind also viermal so effektiv.

Funktioniert sogar mit Mondlicht

Ein weiterer Clou von Brößels Erfindung ist das sogenannte Microtracking. Die Technik sorgt dafür, dass die Photovoltaikmodule und Mini-Generatoren schwenkbar sind und so immer im optimalen Winkel zum einfallenden Licht stehen. Dadurch funktionieren die Kollektoren auch bei diffusem Licht und sogar bei Mondschein. Nachts wird aus Solarenergie dann "Lunarenergie". Durch Lichtenergie gewonnener Strom könnte damit auch nachts und somit wesentlich konstanter produziert werden.

Auf Anfrage bei einem großen deutschen Photovoltaikanbieter mochte niemand eine Einschätzung abgeben, inwieweit Beta.ray-Kugel tatsächlich einen Durchbruch bei der Solartechnik bedeuten würde. Allerdings hieß es, die aktuelle Technik biete noch so viel Potential, dass derartige Science-Fiction-Konstruktionen gar nicht nötig seien.

Gleichzeitig ist vor allem die Lademöglichkeit bei Nacht im automobilen Bereich von enormer Bedeutung. Für den Fall, dass gerade kein Auto an der Steckdose hängen sollte, speichert Beta.ray überschüssige Energie in einem Akku. Hinzu kommt, dass sich die Solarkugel relativ einfach und billig produzieren lässt. Aktuell bietet Rawlemon das komplette Kollektorsystem für umgerechnet 4200 Euro an.

"Da wir bereits Gespräche mit zwei großen deutschen Automobilherstellern führen, könnte bei einer Partnerschaft der Verkaufspreis noch weiter nach unten gehen", sagt Brößel. Angeblich ist unter anderem VW an der Technik interessiert. "Falls wir von der Automobilindustrie Unterstützung bekommen sollten, könnten wir noch in diesem Jahr eine E-Auto-Ladestation demonstrieren."

Kollektorkugeln in allen Größenordnungen

Das größere Beta.ray-Modell mit 1,80 Meter Durchmesser produziert nach Angaben von Brößel an einem normalen Tag in Deutschland gut 6 Kilowattstunden elektrische Energie. Zum Vergleich: 8 Quadratmeter Photovoltaikmodule auf einem Garagendach produzieren pro Tag im Jahresdurchschnitt ungefähr 2,5 bis 3 kWh. Also müsste auch bei der großen Beta.ray-Kugel der neue VW E-Golf (Akkukapazität 26,5 kWh) oder der BMW i3 (Akkukapazität 18,8 kWh) mehrere Tage angestöpselt sein, um einen leeren Akku komplett aufzuladen.

Das Crowdfunding für eine Serienproduktion des Kugelkraftwerks wurde trotzdem jüngst abgeschlossen. Und die in Barcelona ansässige Firma plant schon weiter. Künftig könnten beispielsweise ganze Gebäudefronten mit der Technik ausgerüstet werden. Die Kugeln würden einerseits Strom produzieren und das Haus gleichzeitig kühlen, da 75 Prozent der Wärmestrahlung abgefangen würden.

Ab Herbst soll zusätzlich eine Mini-Version des Beta.ray angeboten werden. Der Kollektor ist dann tatsächlich nur noch so groß wie die Kugel eines Wahrsagers und funktioniert wie die große Variante mit Sonnen- und Mondenergie; er kann beispielsweise zum Laden eines Smartphones genutzt werden.

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insgesamt 114 Beiträge
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marthaimschnee 22.03.2014
1.
Zitat von sysopRawlemonStrom aus regenerativen Quellen - ohne ihn ist die Elektromobilität nur grüne Augenwischerei. Der deutsche Architekt André Brößel will die Lösung für dieses Problem gefunden haben: Eine Apparatur, durch die sich E-Autos mit Mondlicht betanken lassen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/beta-ray-elektromobilitaet-tagsueber-solarstrom-nachts-lunarstrom-a-957232.html
Und wieviele Jahrhunderte soll das dauern? Der Mond reflektiert ja überhaupt nur ca 10% des Sonnenlichts und das auch nur bei Vollmond in klarer Nacht. Wirklich helle Nächte gibt es doch nur eine Handvoll pro Jahr, den Rest wird auch diese Technik praktisch kaum Ertrag bringen. Und selbst wenn, ein Solarpanel wiegt etwa 20kg pro m^2. Eine Wasserkugel von 1.8m Durchmesser wiegt etwa 3 Tonnen, ... Punktlast(!) und nicht auf die Fläche verteilt. Die Kugel muß also irgendwo rumstehen, wo sie Nutzfläche verschwendet und braucht auch noch einen stabilen Grund. Im übrigen ist die Technik nicht so neu, es gibt bereits Ansätze, das Licht vor der Solarzelle mit Linsen zu bündeln. Das Problem ist, daß die Solarzelle mit zunehmender Temperatur rapide an Effizienz verliert. Insofern: ein Ansatz, aber kein revolutionärer!
wolfgangm71 22.03.2014
2. klingt erstmal nach Aprilscherz
Die Kugel kann doch nicht mehr Licht buendeln, als auf ihrer Oberflaeche einstrahlt. Und normalerweise wird ja auch maximal die Haelfte der Kugelflaeche bestrahlt und nur ein kleiner Teil davon im optimalen Winkel. Gerade eine Kugel ist aufgrund ihrer geringen Oberflaeche im Vergleich zum Volumen doch wohl denkbar ungeeignet? Klar, wenn man das Licht buendelt, hat eine kleine Solarzelle eine höhere Leistung und bringt mehr Strom pro Flaeche. Dies kann man soweit treiben bis das gebuendelte Licht die Solarzelle ueberhitzt und zerstoert. Ich denke mal das Maximum wurde da schon ausgiebig erforscht. Die hier angegeben Werte klingen aber wenig glaubwuerdig.
deuro 22.03.2014
3. Schusterkugel reloaded
Was soll daran neu und innovativ sein? Jede dünne Linse hätte weniger Verluste und wäre kleiner und leichter.
Eva K. 22.03.2014
4. Nix neues unter Sonne und Mond
Wer schon mal eine Schusterkugel (https://de.wikipedia.org/wiki/Schusterkugel) gesehen hat, weiß dann auch sofort, woher diese unglaublich neue Idee stammt. Meine Glaskugel (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6b/Glaskugel_CrystalBall.jpg) verrät mir, daß demnäxt der Mond auch 24*7 wolkenfrei für die Stromversorgung leuchten wird. Ernsthaft: Praktikable Idee, nur Überschrift und Aufmacher sind mal wieder unter aller Kanone reißerisch uind daneben.
Andalusier 22.03.2014
5. Spielzeugauto oder von Physik keine Ahnung ?
Zitat von sysopRawlemonStrom aus regenerativen Quellen - ohne ihn ist die Elektromobilität nur grüne Augenwischerei. Der deutsche Architekt André Brößel will die Lösung für dieses Problem gefunden haben: Eine Apparatur, durch die sich E-Autos mit Mondlicht betanken lassen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/beta-ray-elektromobilitaet-tagsueber-solarstrom-nachts-lunarstrom-a-957232.html
Auch wenn die Mondlichstrahlung gebündelt wird nützt das nicht viel - auf einer Fläche im Durchmesser von knapp 2 Metern kommt bei Mondlicht fast keine Energie an. Sonnenlicht ist ungefähr 400.000 mal heller und damit 400.000 mal nergiereicher. Auch um den Faktor 20.000 gebündelt wird nur 5 % von der Tageshelligkeit erreicht. Dies dafür aber statt auf 2,5 Quadratmeter nur auf 1 Zehntausendstel qm Fläche - also auf 1 Quadratzentimeter! Wer damit ein Alektroauto aufladen möchte sollte sich ein wenige Zentimeter großes Spielzeugauto zulegen. Bei Tageslicht und 100 % Wirkungsgrad könnten auf 2,5 qm rund 2500 Watt Strom erzeugt werden - im Mondschein sind bei 100 Prozent Wirkungsgrad gerade einmal 6 Tausendstel Watt Stromerzeugung möglich!
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