Energiewende für Elektroautos: Tauschen statt Tanken

Aus Amsterdam berichtet Benjamin Dürr

Benjamin Dürr

Das Unternehmen Better Place will die Probleme von Elektroautos lösen. Statt den Akku stundenlang aufzuladen, wird er an Wechselstationen in wenigen Minuten vollautomatisch ausgetauscht - der Fahrer muss dafür nicht einmal aussteigen. Taugt das Verfahren wirklich? Der Test.

Mit einem Ruck wird das Auto weitergeschoben. Es wackelt leicht, vibriert und ruckelt ein bisschen. Wie in einer Waschanlage. Dass unter dem Fahrzeug Hightech-Roboter erst die Bodenplatte abgenommen und dann die Hunderte Kilo schwere Batterie des Elektroautos ausgetauscht haben, davon merken die Insassen kaum etwas. Nach knapp fünf Minuten öffnet sich das Tor zum Ausfahren.

Manche sagen, so sehe die Zukunft des Tankens aus. Am Flughafen in Amsterdam steht die neuste Wechselstation, wo Elektroautos vollautomatisch einen neuen Akku bekommen. Better Place, ein Unternehmen aus den USA, will damit die heutigen Tankstellen überflüssig machen und der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen.

"Bisher kämpften Fahrer von Elektroautos gegen drei Probleme", erklärt Paul Harm, Chef von Better Place in den Niederlanden: "Ladezeit, Reichweite und ein fehlendes Netz an Ladestationen. Wir glauben, dass wir für alle drei Probleme eine Lösung haben", sagt Harms.

Wie beim Spielzeugauto - nur in Groß

Die Idee ist simpel: Statt wie bisher den Akku stundenlang aufzuladen, wird die leere Batterie einfach durch eine volle ausgetauscht. Wie bei einem Spielzeugauto. Normalerweise dauert ein Ladevorgang sechs bis acht Stunden, das Auto hängt dann eine Nacht an der Steckdose. Der Akku-Tausch dagegen dauert nur wenige Minuten.

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Akku-Tankstelle Better Place: Energiewende in Amsterdam
Das zweite Problem, die meist geringe Reichweite, will Better Place mit Hunderten Wechselstationen lösen. Wie bei herkömmlichen Tankstellen soll es in Zukunft ein flächendeckendes Netz aus Tauschstationen geben, wo Autofahrer in fünf Minuten einen geladenen Akku bekommen. In Dänemark, dem ersten Markt von Better Place in Europa, gibt es bereits 17 Wechselstationen.

In Amsterdam wird das System mit derzeit zehn Taxis erprobt. Vor vier Jahren begann das Unternehmen in Israel, dort stehen inzwischen 38 Stationen. Das dritte Problem, die Verfügbarkeit von Ladestationen, scheint damit in beiden Ländern schon gelöst: Der Fahrer kann bei jeder beliebigen Wechselstation den Akku austauschen lassen.

Alles funktioniert dabei vollautomatisch: Das Auto wird an der Einfahrt erkannt. Man fährt auf eine Spur wie in einer Waschanlage, dann wird, wenn es nötig ist, der Unterboden gesäubert, danach öffnet sich eine Luke unter dem Fahrzeug. Ein Roboter entfernt die Bodenplatte und zieht den Akku heraus, der etwa auf Höhe der Hinterachse, zwischen Rückbank und Kofferraum, eingebaut ist.

Gott, gib uns einen Standard

Dann holt der Roboter eine aufgeladene Batterie und setzt sie ein. Der ganze Austausch dauert weniger als fünf Minuten, der Fahrer braucht nicht einmal auszusteigen. Acht Batterien lagern in jeder Wechselstation, mindestens eine davon ist mit einer speziellen Technik immer zu 100 Prozent geladen.

Ob Better Place der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen kann, ist schwer zu sagen, meint Christian Buric vom ADAC. "Aber die Methode ist sehr innovativ." Besonders in Städten oder für Taxis sieht er Einsatzmöglichkeiten. Ein Nachteil allerdings: "Sowohl Batterien als auch Unterböden müssen gewissen Standards entsprechen, damit ein reibungsloser Austausch möglich ist", erklärt Buric. Standards durchzusetzen sei aber ein schwieriger Prozess. "Das sieht man derzeit auch bei den Steckern für E-Autos."

Joe Paluska, Pressesprecher des US-Unternehmens mit Sitz im Silicon Valley, sagt, die Roboter könnten mit mehreren Akku-Typen umgehen. Bisher baut in Europa nur Renault Elektroautos mit austauschbaren Akkus. Der Autobauer kooperiert mit Better Place und bietet das Modell Fluence Z.E. mit Wechselbatterie an. Autofahrer zahlen allerdings nur das Fahrzeug, der Akku dazu wird von Better Place bereitgestellt. "Man hat also keinen persönlichen Akku, weil ja sowieso immer wieder getauscht wird", erklärt Paluska.

Ähnlich wie beim Handy wird ein Vertrag geschlossen: Es gibt Tarife mit wöchentlichen Kosten oder jährlichen Zahlungen. In Dänemark beispielsweise kostet, abhängig vom Automodell, der günstigste Tarif mit 10.000 Kilometern inklusive umgerechnet rund 200 Euro im Monat. Für die Besuche der Tauschstationen fallen keine extra Kosten an.

Etwa 750 Autos mit Wechselbatterien sind nach Angaben von Better Place zurzeit in Dänemark und Israel unterwegs. In ein paar Jahren sollen es mehrere tausend sein.

Pläne gibt es genug: Neue Kooperationen mit Autoherstellern sollen angestoßen werden, weitere Wechselstationen entstehen. Es gibt Partnerschaften und Projekte in China, Frankreich und Japan. "Kritiker sagen, das Konzept funktioniere nur in kleinen Ländern", sagt Joe Paluska. "Dieses Argument wollen wir widerlegen." Der nächste Markt von Better Place ist deshalb Australien.

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1. Die Lösung, wenn man Elektromobilität nachhaltig angehen will!
gfischer82 24.02.2013
Zitat von sysopBenjamin DürrDas Unternehmen Better Place will die Probleme von Elektroautos lösen. Statt den Akku stundenlang aufzuladen, wird er an Wechselstationen in wenigen Minuten vollautomatisch ausgetauscht - der Fahrer muss dafür nicht einmal aussteigen. Taugt das Verfahren wirklich? Der Test. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/better-place-schneller-akkutausch-in-fuenf-minuten-a-883105.html
Ich halte das Konzept für die optimale Lösung, wenn man das Thema Elektromobilität und erneuerbare Energien nachhaltig und bestimmt angehen will. Viele derzeitige Probleme, wie zum Beispiel Abfangen von Lastspitzen, Ladezeiten, Kundenakzeptanz, sind auf einen einen Schlag gelöst. Endlich lassen sich unbeständige Energieformen wie Wind oder Sonne sinnvoll und bedarfsgerecht speichern. Die Grundlast könnte wie bisher über Großkraftwerke bereitgestellt werden und das leidige Thema der Lastregelung zugunsten der erneuerbaren Energien und zum Nachteil eines vernünftigen Wirkunsgrades wäre endlich beendet. Die gesamte überschüssige Energie aus Windkraft, Sonne usw. geht dann in solche Ladestationen, wann die Akkus geladen werden, ist ja quasi egal. Aber sicher wird die Automobilindustrie wieder einen Weg finden, sich gegen eine Standardisierung zu sträuben. Eigentlich komisch, wenn es doch immer heißt, dass alle Autos gleich aussehen würden. Dem Kunden ist es sicher vollkommen wurscht, wie sein Auto von unten aussieht. Ein Vorschlag noch an die Macher dieses Konzeptes: Gestaltet die Größen/Akkupacks doch modular aus kleineren Einheiten, so können je nach Fahrzeugröße/gewünschte Reichweite unterschiedliche Akkugrößen eingesetzt werden.
2. Wenn ich richtig rechne ...
energieinfo 24.02.2013
Zitat von sysopBenjamin DürrDas Unternehmen Better Place will die Probleme von Elektroautos lösen. Statt den Akku stundenlang aufzuladen, wird er an Wechselstationen in wenigen Minuten vollautomatisch ausgetauscht - der Fahrer muss dafür nicht einmal aussteigen. Taugt das Verfahren wirklich? Der Test. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/better-place-schneller-akkutausch-in-fuenf-minuten-a-883105.html
10000 km inklusive (wohl für ein Jahr?) - 200 Euro pro Monat macht 240000 ct für 10000 km oder 24 ct pro km. Oder wie muss man das rechnen?
3.
wakaba 24.02.2013
Nein das Verfahren taugt nicht - die Idee ist eine künstliche Verknappung der Batterien um den Konsumenten abzocken zu können. Mangelnde Investitionen werden dazuführen das immer aeltere und schlechtere Batterien verwendet werden. Die werden sich hüten eine Kapazitätsgarantie zu geben. Sehr leichte, aerodynamische Autos, grosse Batterien, starke Ladestationen. Sowas mit Stecker wär ideal: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/87/Lotus_Europa_at_Barber_2010_01.jpg 500kg, cw 0.23, Kofferaum vorne und hinten, 80 PS reichen für 220.
4. Problem des hohen Preises ist damit nicht gelöst
MtSchiara 24.02.2013
---Zitat von Artikel--- "Bisher kämpften Fahrer von Elektroautos gegen drei Probleme", erklärt Paul Harm, Chef von Better Place in den Niederlanden: "Ladezeit, Reichweite und ein fehlendes Netz an Ladestationen. Wir glauben, dass wir für alle drei Probleme eine Lösung haben", sagt Harms. ---Zitatende--- Harms war in seiner Analyse nicht vollständig, denn Fahrer kämpfen bisher gegen vier Probleme. Das vierte Problem ist der konkurrenzlos hohe Preis für Elektroautos: ---Zitat von Artikel--- In Dänemark beispielsweise kostet, abhängig vom Automodell, der günstigste Tarif mit 10.000 Kilometern inklusive umgerechnet rund 200 Euro im Monat. Für die Besuche der Tausch-Stationen fallen keine extra Kosten an. ---Zitatende--- Diese 200 Euro pro Monat und 10.000 KM entstehen - wie dem Artikel allerdings nicht explizit zu entnehmen ist - *allein für die Batteriemiete*. Die Anschaffungs- und Unterhaltskosten des Autos (die beim Elektrofahrzeug bisher auch nicht gerade billig sind) sind darin garnicht enthalten. Für 200 Euro im Monat an Treibstoffkosten fährt man mit einem Diesel im Jahr nicht 10.000, sondern 50.000 Kilometer. Somit lohnen sich derartige Elektroautos nur bei starker staatlicher Subventionierung, indem zum Beispiel Innenstädte für Verbrenner gesperrt werden.
5.
Beorn 24.02.2013
Gefällt mir gut. Ich denke, zuerst werden Taxiunternehmen diese Technik mit einigen, wenigen Batterieausführungen nutzten und wer mag, kann diese Stationen mitnutzten. Bevor man sich ein Auto kauft, informiert man sich, welche Batterien unterstützt werden und es bildet sich so eine Art Standard heraus. Mein Traum wäre noch eine Art Leichtbau E-Auto, was nicht unbedingt für die Autobahn gedacht ist, aber für die Stadt und die Umgebung ausreicht. Dürfte auch für Dorfbewohner interessant sein, die nur mal in die nächste Stadt zum Einkauf wollen. Und wenn immer mehr Leicht-PKW genutzt werden, dann kommt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen, damit die Leichten bei Unfällen nicht total zerknautscht werden. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt.
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera
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Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine


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