Reparatur von Unfallwagen BGH stoppt Trickserei bei Totalschäden

Autobesitzer müssen Unfallwagen mit Totalschaden genau so reparieren lassen, wie die Sachverständigen vorschreiben. So urteilt der Bundesgerichtshof. In dem verhandelten Fall hatte eine Frau unter anderem auf Zierleisten verzichtet.

Mechaniker in einer KfZ-Werkstatt: Alles nach Gutachten
DPA

Mechaniker in einer KfZ-Werkstatt: Alles nach Gutachten


Der Bundesgerichtshof (BGH) hat Tricksereien bei Reparaturkosten von alten Autos nach einem Unfall mit Totalschaden gestoppt. Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil darf bei der Reparatur nicht von den Vorgaben des Sachverständigengutachtens abgewichen werden. Um Reparaturkosten unter die Grenze von 130 Prozent des Wiederbeschaffungswerts zu drücken, kommt dies immer wieder vor.

Hintergrund dieses Vorgehens: Versicherungen lassen nach einem Autounfall die Reparaturkosten durch einen Sachverständigen ermitteln. Liegen diese Kosten um 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert, gilt eine Reparatur als unwirtschaftlich. Der Geschädigte bekommt dann lediglich den Wiederbeschaffungswert ausbezahlt.

Nach diesem Muster wollte eine Versicherung im nun vor dem BGH verhandelten Fall auch den Schaden an einem alten Mercedes 200 D regeln. Die voraussichtlichen Reparaturkosten bei dem Wagen sollten einem Gutachter zufolge 186 Prozent des Wiederbeschaffungswertes betragen. Weil die Autobesitzerin jedoch unter anderem eine gebrauchte Fahrertür einbauen ließ und auf den Austausch von Zierleisten und eines Kniestücks verzichtete, drückte sie die Reparaturkosten.

Die Verwendung gebrauchter Ersatzteile ist gestattet

Schlussendlich entsprachen die Kosten für die Reparatur weniger als 130 Prozent des Wiederbeschaffungswerts. Die Versicherung beharrte jedoch auf den Angaben aus dem Sachverständigengutachten. Da die Kosten der bereits erfolgten Reparatur immer noch höher als der Wiederbeschaffungswert waren, zog die Frau vor Gericht. Die Klägerin wollte von der Versicherung die offenen Reparaturkosten sowie Mietwagenkosten erstreiten. Nachdem sie vor einem Amtsgericht erfolgreich geklagt hatte, kassierte der BGH in der Revision nun die Entscheidung.

In der Begründung des Bundesgerichtshofs heißt es, dass Reparaturen nach einem Totalschaden immer nach den Vorgaben des Sachverständigen durchgeführt werden müssen. Geschädigte dürften dann zwar auch altersentsprechende Gebrauchtteile einbauen, um Kosten zu sparen. Teile weglassen dürften sie aber nicht, weil ansonsten die Berechnungsgrundlage des Gutachtens unterlaufen werde. Zudem droht nach Ansicht des BGH eine Manipulationsgefahr seitens der Werkstatt durch eine versteckte Rabattgewährung, zum Beispiel durch Herunterrechnen von Arbeitszeiten und nicht auf der Rechnung ausgewiesene Positionen.

cst/Afp

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insgesamt 181 Beiträge
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Seite 1
infonetz 20.08.2015
1.
Wann stoppt der BGH die Tricksereien der Versicherungen?
moneysac123 20.08.2015
2.
Was ist mit Leihwagenkosten bis zur Wiederbeschaffung einer Fahrzeugs? Der Dumme ist letztendlich der Geschädigte und umgekehrt.
maniaccop 20.08.2015
3. Drunter....drüber?
"Schlussendlich entsprachen die Kosten für die Reparatur zwar weniger als 130 Prozent des Wiederbeschaffungswerts, lagen aber immer noch darüber" Verstehe nur ich diesen Satz nicht? Entweder sind die Kosten unter den mag. 130% oder eben nicht. Nur hier scheint beides möglich zu sein. Oder ist es doch ein Beitrag zur Quantenphysik?
kuac 20.08.2015
4.
Es ist wie immer, zu Gunsten der Versicherung und zu Lasten des Kundes.
reifenexperte 20.08.2015
5. Die Versicherungen
zahlen doch immer so schöne Fortbildungen mit den Richtern als Dozenten. Und diese Urteil nützt den Autoherstellern, die nun mehr verkaufen.
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