Abgebrochene Auto-Versteigerung Ebay-Anbieter muss über 5000 Euro Schadensersatz zahlen

Wer sein Auto bei Ebay anbietet, darf die Auktion nicht vorzeitig beenden. Das hat jetzt der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden - zum Leidwesen eines VW-Passat-Besitzers.

Autoverkauf via Ebay-Auktion: Wer sein Auto anbietet, muss es auch verkaufen
DPA

Autoverkauf via Ebay-Auktion: Wer sein Auto anbietet, muss es auch verkaufen


Karlsruhe - Im Streit über ein zurückgezogenes Auto-Angebot auf der Online-Auktionsplattform Ebay hat nun der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden. Demnach muss derjenige, der sein Auto bei Ebay in einer Auktion anbietet, das Fahrzeug auch dort verkaufen. Der Anbieter darf die Auktion nicht vorzeitig beenden und das Fahrzeug anderweitig verkaufen - ansonsten hat der Bieter Recht auf Schadensersatz in Höhe des Sachwerts. So die Entscheidung des Gerichts (Aktenzeichen VIII ZR 42/14).

Der Besitzer eines VW Passat wollte seinen Wagen während der schon laufenden Versteigerung plötzlich nicht mehr verkaufen. Er hatte für das Fahrzeug zunächst ein Mindestgebot von einem Euro festgelegt. Einige Stunden später zog der Anbieter sein Internetangebot zurück.

Zu dem Zeitpunkt hatte jedoch der Kläger bei der Versteigerung bereits einen Euro auf den Pkw geboten und eine Preisobergrenze von 555,55 Euro festgesetzt. Das bis dahin höchste Gebot.

Per E-Mail teilte der Verkäufer dem Bieter mit, er habe außerhalb der Auktion einen Käufer gefunden, der bereit sei, 4200 Euro zu zahlen. Der Bieter klagte daraufhin auf Schadensersatz wegen Nichterfüllung des nach seiner Ansicht geschlossenen Kaufvertrags von einem Euro.

Schnäppchen gehören zur Ebay-Auktion

Der Wert des Wagens wurde auf 5250 Euro beziffert. Diese Summe muss der Ebay-Verkäufer nun an den potenziellen Käufer als Schadensersatz zahlen, abzüglich des gebotenen Euro.

Das Thüringer Oberlandesgericht in Jena hatte dem Kläger recht gegeben: Er habe den Wagen wirksam für einen Euro erworben, hieß es. Der Start der Auktion stelle ein Angebot im Sinne des § 145 BGB (Bindung an den Antrag) dar, das der Kläger durch sein Gebot angenommen habe.

Es sei gerade typisch für Ebay-Versteigerungen, dass beide Seiten die Chance hätten, ein Schnäppchen zu machen. Der Verkäufer könne sich durch ein Mindestgebot schützen. Versäume er dies, sei das kein Grund, dem Kaufvertrag die Wirksamkeit zu versagen.

Dieses Urteil bestätigte der BGH am Mittwoch zunächst ohne Angaben von Gründen. Die Karlsruher Richter wiesen damit die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Oberlandesgerichts in Jena vom 15. Januar 2014 zurück. Damit muss der Beklagte nicht nur den Schadensersatz in Höhe von 5249 Euro zahlen, sondern auch die Gerichtskosten.

smh/dpa

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insgesamt 519 Beiträge
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Seite 1
WwdW 12.11.2014
1. Strange
Gibt es da nicht eine andere Lösung die man als verhältnismäßig einstufen würde? Eine Entschädigung von 1000 Euro würde ich mir noch als verhältnismäßig gefallen lassen, aber über 5000? Puh.
derigel3000 12.11.2014
2.
Junge, Junge, Junge... In was für einer Bananenrepublik leben wir eigentlich? Selbst wenn der Bieter den Zuschlag bekommt, bleibt das Objekt immer so lange Eigentum des Besitzers, bis dieser sein Geld bekommen hat. Außerdem kann ein Verkäufer sich IMMER entschließen, sein Produkt anderweitig zu verhökern, schließlich ist es SEIN EIGENTUM. Das hier die Richter so abstrus urteilten, lässt imho schon sehr tief blicken, was man in Deutschlands Amtsstuben noch von Privatbesitz hält. Was kommt als nächstes? Kann ich künftig kein Auto mehr bei Autoscout anbieten, weil ich Angst haben muss, dass ein Richter mich zwingt, es dem "Was letzte Angebot?"-Anrufer zu verkaufen?
deichgraffe 12.11.2014
3. Endlich!
Das war längst überfällig. Zwar halte ich die Schadensersatzzahlung für überzogen, denn es kann nicht Sache des Verkäufers sein, einen Schaden für ein entgangenes Schnäppchen zu begleichen, allerdings wurde die Verbindlichkeit eines Verkäufers zu seinem Angebot viel zu häufig ausgeblendet. Viel zu oft habe ich auf Angbote geboten, die dann vorzeitig beendet wurden. Das hätte ebay schon lange unterbinden müssen.
Bernd.Brincken 12.11.2014
4. Bedingung im Angebot
Und wenn, wie häufig, im Ebay-Angebot steht - "Ich behalte mir den Verkauf ausserhalb Ebay vor"? Ist das nun eine ungültige Klausel? Es muss nun auch Ebay darüber nachdenken, wie sie Anbieter klipp und klar über den verbindlichen Charakter deren Angebots aufklären, d.h. auch einen Auktions-Abbruch technisch gar nicht mehr zu ermöglichen.
observer2014 12.11.2014
5. Mindestgebot
Das Urteil ist für den Anbieter des Passat sicher schmerzhaft aber letztlich konsequent. Als mündiger Mensch sollte mach sich über die Rechtsfolgen bei Auktionen kundig machen. Die Auktionsplattform eBay bietet ja für Verkäufer die Möglichkeit, für ihre angebotenen Waren ein Mindestgebot vorzugeben.
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