Diese Lektüre macht fassungslos. Denn die Autos, die im Bildband "70s Concept Cars" zu sehen sind, wirken so komplett anders als alles, was man sonst so auf vier Rädern kennt. So flach, schlank und filigran sind diese Prototypen, dass sie noch heute, rund 40 Jahre nach ihrem Entstehen, wie kühne Visionen aus der Zukunft erscheinen.
Noch einmal fassungslos wird man dann, wenn man angesichts dieser Entwürfe an die gegenwärtige Realität des Autodesigns denkt, in der sich die Karosserien immer plumper und unverschämter ausbreiten; und in der eine möglichst hohe Sitzposition das wichtigste aller Ziele zu sein scheint.
Es müssen ja nicht gleich alle Autos auf eine Höhe von 96 Zentimeter geplättet werden, so wie der knallgelbe Ferrari 512 S Berlinetta Speciale, den Pininfarina im Jahr 1969 auf dem Turiner Salon vorstellte und der aus allen anderen Autos, die dort noch zu sehen waren, Statisten machte.
Zehn Jahre später, 1979 also, ließ der deutsche Fotograf Rainer W. Schlegelmilch den ultraflachen Ferrari-Keil in einen italienischen Steinbruch bringen und fotografierte den Wagen dort zusammen mit dem Model Elvira Netzer, die für die Fotos in einen hautengen Raubkatzen-Body schlüpfte.
Schlegelmilch, vor allem bekannt für seine Formel-1-Fotografie, setzte zahlreiche spektakuläre Studien aus der Hochzeit der italienischen Designstudios in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren in Szene. Die besten Bilder der 20 irrsten Konzeptautos der Keil-Ära versammelte er jetzt in seinem Bildband "70s Concept Car. Yesterdays Dreams of the Future". Der Autojournalist Heinrich Lingner steuerte kurze, ebenso launige wie informative Texte bei.
Das Blättern durch den großformatigen Band gleicht einem Schwelgen in automobilen Phantasien. Kein einziges der gezeigten Konzeptfahrzeuge wurde später in Serie produziert. Wohl aber wurden etliche Ideen aus den Konzeptautos von den Herstellern übernommen, um neue Autotypen schöner, schlauer oder sicherer zu machen. Eigentlich sollte das Buch in allen Designabteilungen der Autohersteller zur Ansicht ausliegen. Vielleicht würden künftige Fahrzeuge dann wenigstens manchmal auch wieder begeisterte Fassungslosigkeit hervorrufen.

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch.
teNeues Verlag; 216 Seiten; 180 farbige Abbildungen; 79,90 Euro.
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