Bildband "70s Concept Cars": Einfach Keil

Von Jürgen Pander

Bildband "70s Concept Cars": Keilomat Fotos
Rainer W. Schlegelmilch

Plötzlich waren Mondreisen möglich, auf der Erde rüttelte die Jugend an den Grundfesten des Systems - kein Wunder, dass in den sechziger und siebziger Jahren auch die Autodesigner ausflippten. Ein Bildband zeigt die radikalsten Entwürfe der Keil-Design-Ära.

Diese Lektüre macht fassungslos. Denn die Autos, die im Bildband "70s Concept Cars" zu sehen sind, wirken so komplett anders als alles, was man sonst so auf vier Rädern kennt. So flach, schlank und filigran sind diese Prototypen, dass sie noch heute, rund 40 Jahre nach ihrem Entstehen, wie kühne Visionen aus der Zukunft erscheinen.

Noch einmal fassungslos wird man dann, wenn man angesichts dieser Entwürfe an die gegenwärtige Realität des Autodesigns denkt, in der sich die Karosserien immer plumper und unverschämter ausbreiten; und in der eine möglichst hohe Sitzposition das wichtigste aller Ziele zu sein scheint.

Es müssen ja nicht gleich alle Autos auf eine Höhe von 96 Zentimeter geplättet werden, so wie der knallgelbe Ferrari 512 S Berlinetta Speciale, den Pininfarina im Jahr 1969 auf dem Turiner Salon vorstellte und der aus allen anderen Autos, die dort noch zu sehen waren, Statisten machte.

Zehn Jahre später, 1979 also, ließ der deutsche Fotograf Rainer W. Schlegelmilch den ultraflachen Ferrari-Keil in einen italienischen Steinbruch bringen und fotografierte den Wagen dort zusammen mit dem Model Elvira Netzer, die für die Fotos in einen hautengen Raubkatzen-Body schlüpfte.

Schlegelmilch, vor allem bekannt für seine Formel-1-Fotografie, setzte zahlreiche spektakuläre Studien aus der Hochzeit der italienischen Designstudios in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren in Szene. Die besten Bilder der 20 irrsten Konzeptautos der Keil-Ära versammelte er jetzt in seinem Bildband "70s Concept Car. Yesterdays Dreams of the Future". Der Autojournalist Heinrich Lingner steuerte kurze, ebenso launige wie informative Texte bei.

Das Blättern durch den großformatigen Band gleicht einem Schwelgen in automobilen Phantasien. Kein einziges der gezeigten Konzeptfahrzeuge wurde später in Serie produziert. Wohl aber wurden etliche Ideen aus den Konzeptautos von den Herstellern übernommen, um neue Autotypen schöner, schlauer oder sicherer zu machen. Eigentlich sollte das Buch in allen Designabteilungen der Autohersteller zur Ansicht ausliegen. Vielleicht würden künftige Fahrzeuge dann wenigstens manchmal auch wieder begeisterte Fassungslosigkeit hervorrufen.

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Einfach schön
debabba 25.10.2012
die Teile waren (sind) immer noch schön anzusehen
2.
matscho 25.10.2012
Zitat von sysopEin Bildband zeigt die radikalsten Entwürfe der Keil-Design-Ära.
Die irgendwie alle gleich aussehen. Diese Lektüre macht vermutlich deshalb fassungslos. Na wenn das alles ist.
3. Wunderschön und 007 lässt grüßen
loonix 25.10.2012
Ja das waren die 70er und wenn ich da an meine Matchbox (nee nicht Matchbox, Siku!) Autos denke, da kommt mir vieles bekannt vor. Vor allem an den Unterwasser-Lotus muss ich da denken, den ich auch als Modell hatte und natürlich an die IAA. Dort standen dann teilweise diese Autos. Am meisten hatte mir in den 70ern auf der IAA der Citröen Stand imponiert. Deren Concept Cars waren schon immer sehr futuristisch. Man muss zugeben, dass die Bilder hier futuristischer und vor allem Puristischer wirken, als das was wir heute fahren. Zumal mir die dicken Kisten wie Q7 (welcher noch am ehesten geht) und X5 total auf die nerven gehen. Erst recht wenn Hausfrauen damit nicht Parken können und sich so dicht an andere Autos stellen, dass man nicht mehr aussteigen kann. Viva la 70s
4. Autos und Frauen
whiterussian 25.10.2012
Es muss ja einer sagen: Am keilsten sind die weiblichen Werbeträger auf den Bildern:) So jetzt ist die Niveaulatte gerissen.
5. Fast alles aus Italien
jorgos 25.10.2012
Zu der Zeit haben wir in Deutschland nur langweiligen Kram gebaut. Der einzige deutsche Kandidat, NSU, war kurz danach pleite und wurde von dem damaligen Schnarchladen Audi geschluckt. Die wurden erst mit der NSU-Technik attraktiver.
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