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07. Dezember 2010, 14:17 Uhr

Bildband "Traumgaragen"

Blick in die Schatzkammer

Von Tom Grünweg

Einige der schönsten Oldtimer stehen nicht in Museen, sondern in privaten Garagen. Anklopfen ist zwecklos, aber ein neuer Bildband hilft: Einige der sonst äußerst scheuen Top-Autosammler öffneten den Fotografen für dieses Buch ihre Schatzkammern.

Garagen haben meist den Charakter einer Abstellkammer mit breiter Zufahrt. An den Wänden stapeln sich Reifen, in den Ecken stehen Skier, Surfbretter, Gartengeräte oder Sperrmüll. "Es gibt aber auch ganz andere Garagen", sagt Fritz Schmidt jr., der enge Kontakte zu diversen Autosammlern pflegt. "In deren Garagen beginnt hinter dem meist unscheinbaren Tor eine eigene Welt." Schmidt hat solche Menschen aufgestöbert und um Einlass gebeten. Entstanden ist aus diesen Besuchen der Bildband "Traumgaragen Deutschland 1.0", der 15 Sammlerporträts enthält.

Dafür haben Auto-Afficionados zum Teil erstmals und exklusiv für das Buchprojekt die Pforten geöffnet und ihre mobilen Schmuckstücke ins Rampenlicht gerückt. Der Betrachter ist beispielsweise zu Gast bei einem Werkzeugmaschinenhändler, der ganz nebenbei eine der größten Rolls-Royce-Sammlungen der Welt aufgebaut hat; schlendert durch das private Museum eines berühmten Werbefotografen, gewinnt Einblicke in vollgestellte Scheunen und Industriehallen, und lernt beim Gang durch die Hallen der Opel-Händlerin Heidi Hetzer aus Berlin, dass auch Frauen der Oldtimer-Sammelei zugetan sein können.

Viele der Porträtierten geben Auskunft über ihre Leidenschaft und gewähren so mehr als nur einen Blick auf ihre Autos. Andere bleiben im Hintergrund, wie etwa der "Bentley-Flüsterer". Er lebt irgendwo in Süddeutschland, und hat im Vorgarten einer Stadtvilla die vielleicht spektakulärste Traumgarage Deutschlands gebaut. Um in sein 400 Quadratmeter großes Privatmuseum zu gelangen, müssen Autos und Gäste einen speziellen Aufzug nutzen, der gut getarnt in die Auffahrt integriert wurde.

Auf 212 Seiten zeigen mehr als 300 Fotos vor allem die üblichen Klassiker: Mercedes, Bentley, Porsche, Rolls-Royce, Opel und BMW. Doch hat Schmidt jr. nicht nur den Auto-Adel besucht. In einigen Traumgaragen finden sich Kleinwagen wie Mini, Ente oder Renault R4 - und sogar einen Lkw-Sammler hat der Autor besucht. Dessen Garage allerdings hat beinahe Fabrikformat.

Chaotische Werkstätten und klinisch reine Präsentationshallen

Was man zu sehen bekommt, sind allerdings nicht nur die erwartbaren Hochglanzfotos und Benzin-Biografien. Sondern man lernt vom konstruktiven Chaos bis hin zum fast klinisch reinen Präsentationsraum alle Facetten des PS-Perfektionismus kennen, erlebt originelle Architektur, erfährt unterhaltsame Anekdoten und sieht Hunderte liebevoller Details.

Der Autor weiß, wovon er schreibt. Er ist selbst leidenschaftlicher Sammler und hat eine eigene Traumgarage: In der ehemaligen Backstube seines Elternhauses in Rüsselsheim parken unter anderem ein Opel GT, ein Opel Kapitän und das Fahrzeug, mit dem alles begann. Denn Schmidt bekam von seinen Eltern kein Fahrrad geschenkt, sondern ein heruntergekommenes Moped vom Typ Honda Monkey, das er wieder flottmachte.

Die Idee zum Bildband entstand nicht nur aus der eigenen Sammel- und Autoleidenschaft, sondern war auch eine Art Rechtfertigung gegenüber seiner Frau. Schmidt: "Ich wollte ihr in Wort und Bild beweisen, dass es da draußen weitaus verrücktere Sammler gibt als mich."

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