Biosprit: Greenpeace fordert sofortiges Verbot von E10

Ernteausfälle weltweit haben die Preise für Getreide nach oben getrieben - die Bewirtschaftung von Feldern nur für Biosprit gerät auch deshalb mehr und mehr in die Kritik. Nun sprechen sich selbst Umweltorganisationen gegen einen Weiterverkauf von E10 aus.

Biokraftstoff: Umweltorganisationen finden E10 gar nicht super Zur Großansicht
dapd

Biokraftstoff: Umweltorganisationen finden E10 gar nicht super

Hamburg - Die Umweltorganisation Greenpeace fordert wegen der hohen Getreidepreise ein sofortiges Aus für den Biosprit E10 in Deutschland. "Angesichts der weltweiten Getreideknappheit macht so ein Schritt Sinn", sagte der Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) ist für einen E10-Stopp.

Hofstetter betonte, in Deutschland werde jährlich aus etwa 1,5 Millionen Tonnen Getreide Ethanol hergestellt. Zusätzlich importiere Deutschland rund die Hälfte des eingesetzten Ethanols aus dem Ausland. "Insofern entlastet tatsächlich ein E10-Verbot den Getreidemarkt", sagte Hofstetter.

Die Diskussion über einen E10-Stopp war von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) ausgelöst worden. "Gerade bei steigenden Lebensmittelpreisen kann Biosprit zu stärkerem Hunger in der Welt beitragen", hatte Niebel gesagt. Er fordert einen Verkaufsstopp an deutschen Tankstellen.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring äußerte sich ebenfalls kritisch zum massiven Anbau von Energiepflanzen. "Dass wir wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebauen, aus denen Biosprit und Biogas hergestellt werden, ist weder sinnvoll noch nachhaltig." Für ihn habe das auch eine ethische Dimension.

Döring fügte hinzu: "Wenn ganze Landstriche zu Maisanbaugebieten werden, ist das nicht die Kulturlandschaft, die wir in Deutschland historisch haben."

Der Europa-Chef des Mineralölkonzerns BP, Michael Schmidt, hatte E10 dagegen vor kurzem verteidigt. "Ich bin mir sicher, dass sich E10 durchsetzen wird", sagte er. Es sei davon auszugehen, "dass E10 in absehbarer Zeit der am häufigsten getankte Otto-Kraftstoff sein wird".

Die Dürre in den USA und Indien hatte zuletzt zu enormen Ernteausfällen geführt, die beispielsweise die Preise für Getreide in die Höhe getrieben haben. Die Vereinten Nationen warnten kürzlich vor einer Lebensmittelkrise. Bioethanol wird in Deutschland aus Getreide und vor allem aus sogenannten Industrierüben gewonnen, die zum Verzehr ungeeignet sind.

bim/dpa

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insgesamt 190 Beiträge
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1. Dann aber bitte konsequent
michaelXXLF 19.08.2012
auch E5 und E85 verbieten!
2. optional
kannwas 19.08.2012
hmm, man muß ja keine Industrierüben anbauen, die kommen ja nicht von alleine dahin. Wir haben Sprit, die anderen nichts zu essen, überspitzt gesehen zwar, aber unethisch zumindest unappetitlich in jedem Fall, weg mit dem Zeugs, zumindest bis man aus echten Abfällen und nicht dafür gezüchteten Sprit herstellen kann...
3. Aber ...
rodelaax 19.08.2012
Aber, es soll jetzt niemand glauben, dass das "normale" Super jetzt wieder billiger wird. Auch wenn der Grund, die Subventionierung des teureren E10s jetzt vielleicht wegfällt, darf keiner glauben, dass die Ölmultis diese Nötigung jetzt einstellen werden.
4. Alles Quatsch!
the_rover 19.08.2012
E10 enthält bis zu 10% Ethanol, Super 95 bis zu 5%. Der Marktanateil von E10 beträgt derzeit ca. 15%. Das heisst, dass in 100 l verkauftem Kraftstoff 5,75 l Ethanol enthalten sind, und zwar 1,5 l in den 15 l E10 und 4,25 l in den 85 l Super 95. Wird E10 abgeschafft und stattdessen Super 95 getankt, werden 0,75 l E10 gespart. das sind 13%. Auch bei Greenpeace können sie offenbar nnicht rechnen. Abgeschafft gehöt die Beimischungspflicht, und nicht E10.
5. Wetten, dass dann die Benzinpreise wieder steigen?
lupenreinerdemokrat 19.08.2012
Zitat von sysopdapdErnteausfälle weltweit haben die Preise für Getreide nach oben getrieben - die Bewirtschaftung von Feldern nur für Biosprit gerät auch deshalb mehr und mehr in die Kritik. Nun sprechen sich selbst Umweltorganisationen gegen einen Weiterverkauf von E10 aus. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,850837,00.html
Davon abgesehen, dass ich von Anfang an gegen den Unsinn E10 war, würde ich folgende Vorhersage treffen: zur Einführung von E10 wurden ja die Preise für die E5-Sorten erhöht, da ja angeblich E10 teuer in der Herstellung wäre und somit etwas teurer als E5 verkauft werden müsse. Da aber der Autofahrer mehr oder weniger genötigt werden musste, das nicht gewollte E10 zu tanken, mussten daraufhin natürlich die Preise von E5 noch teurer werden, als E10, um einen "Kaufanreiz" zu generieren. Nun, was würde nun passieren, wenn das E10 wieder aus dem Angebot verschwinden würde? Ganz einfach: es müssten abermals die Preise angehoben werden und dieses mal würden uns die Ölkonzerne das mitleidserregende Schauermärchen als Begründung verkünden, da nun die Ethanolmenge im Benzin verringert werden muss und somit mehr an Rohöl eingekauft werden muss, um den Bedarf zu decken, würde die erhöhte Nachfrage nach Rohöl zu Preisanhebungen auf den Rohölmärkten führen... Witzig, gell? ;-)
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Alle Informationen zum E10-Benzin
Was ist E10 und warum wurde es eingeführt?
Das "E" steht für Ethanol, die "10" für zehnprozentigen Anteil von Bioethanol im Benzin. Mit Erhöhung der Beimischung von fünf auf zehn Prozent setzt die Bundesregierung EU-Vorgaben um. Hintergrund ist das Ziel, den CO2-Ausstoß von Autos zu senken.
Das E10 genannte Benzin vertragen allerdings nicht alle Autos.
Fahrer sollten sich also informieren, ob ihr Wagen betroffen ist.
Warum kann E10 für ein Auto gefährlich sein?
Laut ADAC kann E10 aggressiv mit Metall- und Kunststoffteilen reagieren. Im schlimmsten Fall sind auch Motorschäden denkbar. Der Alkohol kann Aluminium zersetzen, das auch in Motoren oder in Benzinpumpen verwendet wird. Daneben kann E10 den Kunststoff von Kraftstoffschläuchen oder Dichtungen angreifen. Werden Leitungen löchrig, kann sich Benzin an heißen Motorbauteilen entzünden.
Welche Autos vertragen E10 - und welche nicht?
Laut Bundesumweltministerium (BMU) können 90 Prozent der Autos mit Benzinmotor "ohne Einschränkungen" E10 tanken. Über vier Millionen der in Deutschland zugelassenen Autos vertragen den Sprit demnach nicht. Informationen zur Verträglichkeit geben Händler und Hersteller. Aus dem Alter eines Autos lässt sich dies nicht ableiten, teils ist E10 auch für neuere Modelle ungeeignet. Eine Liste mit Autos, die den neuen Sprit nicht tanken sollten, hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Informationen gibt es auch beim ADAC.
Was tanken Autos, die kein E10 vertragen?
Für die gibt es an einigen Tankstellen auch weiter E5 mit fünf Prozent Bioethanol - laut BMU "zeitlich unbefristet". E10 selbst wird als "Super E10" an den Zapfsäulen gekennzeichnet sein, E5 wie zuvor als "Super".
Weitere Informationen im Internet

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