Umstrittener Biosprit EU-Parlament stimmt für Sieben-Prozent-Begrenzung

Nur noch sieben Prozent am E10 sollen Staaten künftig für das Erreichen ihrer Klimaziele anrechnen können. So will die EU verhindern, dass vermehrt Pflanzen für Treibstoffe statt als Lebensmittel angebaut werden.


Die Europäische Union setzt verstärkt auf Biosprit aus Algen, Stroh oder Klärschlamm. Dies soll das Klima entlasten und den Konflikt zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen-Anbau entschärfen. Um das zu erreichen, hat das EU-Parlament am Dienstag in Straßburg für eine Begrenzung von Produkten, die aus Nahrungspflanzen wie Raps, Mais oder Soja gewonnen werden, gestimmt.

Seit die Kraftstoffsorte E10 vor vier Jahren in Deutschland eingeführt wurde, ist sie umstritten. Dem Superbenzin wurde bisher zehn Prozent Ethanol aus Agrarprodukten beigemischt, weshalb der sogenannte Biosprit umweltfreundlicher als herkömmliches Benzin sein soll. Jedoch widersprechen Umweltexperten dieser Ansicht.

Das Parlament fordert eine Umstellung schon seit Jahren, mit dem Argument, dass durch den Anbau von Pflanzen für die Spritproduktion Flächen für den Anbau von Nahrung wegfallen. Für die Produktion von Biosprit wird an manchen Orten sogar Wald gerodet, was zusätzlich schlecht für das Klima ist.

Für Klimaziele muss ein Biospritanteil von sieben Prozent reichen

Die EU hat sich das Ziel gesetzt, dass insgesamt zehn Prozent der Energie im Transportbereich im Jahr 2020 aus Biosprit der ersten Generation kommen sollen. In Zukunft sollen jedoch nur sieben Prozent der Energie im Verkehr auf Biosprit aus konventionellen Nahrungspflanzen entfallen. Nur bis zu dieser Grenze können sich Staaten den Biosprit auf die Erreichung ihrer Klimaziele anrechnen lassen.

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist das nicht ausreichend. "Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und die Weltbank haben sogar den Ausstieg aus der Agrosprit-Förderung gefordert. Da dies auf EU-Ebene unterbleibt, muss Deutschland jetzt vorangehen und die Beimischungsquote für Agrarkraftstoff auf eigene Faust herabsetzen", sagte die BUND-Agrarexpertin Katrin Wenz in einer Mitteilung.

smh/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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rkinfo 28.04.2015
1. Ohne Biosprit geht es der Landwirtschaft mies
Beim Erdbeben in Nepal wird auch über schwach entwickelte Landwirtschaft berichtet. Bauer sind dort bettelarm weil es wenig Geld gibt für ihre hart erwirtschafteten Ernten ... die nun teils zerstört sind. Weltweit liegt die Nachfrage nach Lebensmitteln unter dem Potential der Böden und die Erzeugerpreise sind am Boden - und günstiger als Ölprodukte. Die EU will/muss Freihandel einführen was gerade die europäischen Bauern in Nöte bringt. Selbst die Zuckerrübe wird zum wirtschaftlichen Risiko obwohl bestens für E10 statt Ketchup geeignet. Wie man dauerhaft die Welt und selbst Industrienationen mit Nahrung versorgen kann wenn Absatzmärkte starr werden und Erlöse unsicher ist für Agrarexperten ein Rätsel. Was in Brasilien den Zuckermarkt stabilisierte wird bei uns gerade kaputt gemacht - Südzucker AG in der Krise. Für Europa nur lästige Preisschwankungen und Firmen-/Bauernsterben aber für arme Länder und Menschen geht es um fehlendes Brot wenn ihre Bauern leiden. Es ist betriebswirtschaftlich Peanuts wie die Getreidepreise sind. Was wirklich zählt ist eine stabile Versorgungsstruktur und stabile Preise. Wer die Welt vor Hunger retten will weil er Biosprit verhindert erzeugt nun gerade das Elend. Im Mittelalter war die Energieerzeugung für Pferde und Ochsen wichtige Stabilisierung für die Bauern was heute durch Öl für LKWs den Bauern weltweit fehlt.
ratio84 28.04.2015
2. Schon besser aber immernoch nicht genug!
Jetzt fehlt noch dass die Besteuerung von diesem unfassbar hohen Maß, von derzeit ca. 60% des Spritpreises, auf ein erträgliches Maß reduziert wird. Ich finde 60% wirklich krass.
Erwan 28.04.2015
3. Ein recht oberflächlicher Artikel ist das hier. Keine genauen
Hintergründe werden erörtert, als ob man nicht Alkohol auch aus Nichtnahrungspflanzen in großem Stil erzeigen könnte und als ob in der EU Hungersnot herrschen würde. Was vielleicht andersort zutrifft, muss noh lange nicht für hiesige Gefilde gelten, sonst kommt man zu dem sehr einseitigen Ergebnis wie der Regenwaldverein. Der mag ja auch in Teilen richtig liegen, aber in anderen eben nicht. Insgesamt sind die Bestrebungen HIER bei uns Treibstoff zu erzeugen möglichst aus Nichtnahrungpflanzen und da gibt es ja schon so langsam Fortschritte zu begrüßen. Man muss nicht jeden Treibstoff aus der Erde holen.
don.redhorse 28.04.2015
4.
@rkinfo genau, einerseits wird vom Landwirt verlangt das er kostendeckend erzeugt, dass geht nur mit stabiler Abnahme bei vernünftigen Preisen. Wenn es mehr Geld bring BioSprit herzustellen ist die Entscheidung doch wohl klar, jeder andere Industriezweig handelt nicht anders. Landwirtschaft wie sie sein sollte ist nicht möglich bei den jetzigen Preisen. Guckt man jetzt ins Land sieht man je denke "Resthöfe" und seit dem Ende der Quote kommen da noch ganz viele hinzu. Die Ländereien werden dann von "den Großen" aufgekauft/gepachtet, die gehen dann pleite und werden von Investoren übernommen. Ab dann zählt Nachhaltigkeit genau gar nichts mehr und da diese Gruppen über ihre Lobby die Politik in der Tasche haben wird es alles, aber garantiert nicht besser. @ratio84 Die Steuern auf Sprit finde ich nicht schlimm, schlimm finde ich das weder der Weg zur Arbeit, noch die nötigen Fahrten zum Leben absetzbar sind. Wenn ich für die Arbeit 10.000 km im Jahr fahren muss bringen mir 30 Cent je km nichts, da davon max. 15 Cent je km zurückgezahlt werden. Genauso Einkaufen etc. Die km die die Fahrer zurücklegen um am Sonntag mit ihrem Cabrio rumzujuckeln, oder den Sprit die ein 3l SUV extra verbraucht im vgl. eines PKW für Otto N, die sollten viel stärker besteuert werden, vor allem nicht absetzbar, sondern direkt gezahlt vom Fahrer (damit die Firma nicht auch noch diesen Sprit zahlen muss).
philisra 28.04.2015
5. Wieder ein Schildbürgerstreich
Die ganze "Öko" Sprit und Subventionspolitik, auch im Biogas, ist ein Schildbürgerstreich.
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