Biosprit-Pleite: Tankstellen reichen E10-Kosten an Kunden weiter

Weil sie zu wenig E10 verkaufen, drohen den Mineralölkonzernen Strafzahlungen von bis zu 400 Millionen Euro. Der genaue Betrag ist zwar noch unklar, doch die Multis kassieren schon vorsorglich beim Kunden ab - indem sie die anderen Spritsorten teurer verkaufen.

E10: Der sogenannte Biosprit an einer Tankstelle in Bamberg Zur Großansicht
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E10: Der sogenannte Biosprit an einer Tankstelle in Bamberg

Berlin - Spätestens seit Freitag wissen die Autofahrer: Sie werden die Strafe für die Verfehlung der neuen Biosprit-Quote bezahlen müssen - in Form höherer Benzinpreise. Doch was BP-Europachef Uwe Franke als Plan für die Zukunft ankündigte, ist längst geübte Praxis. Die Mineralölwirtschaft hat entsprechende Vermutungen von Verbraucherschützern bestätigt, wonach Tankstellen bereits seit dem Frühjahr herkömmliches Superbenzin E5 teurer verkaufen, als es eigentlich angemessen wäre.

"Durch jeden Liter herkömmlichen Superbenzins E5, der bei uns getankt wird, entsteht eine Fehlmenge, die es uns unmöglich macht, die geforderte Biokraftstoffquote zu erreichen", sagte Karin Retzlaff, Sprecherin des Mineralölverbandes MWV, dem Berliner "Tagesspiegel". Daher würden die beteiligten Unternehmen "rund zwei bis drei Cent" auf jeden verkauften Liter Superbenzin (E5) aufschlagen.

Die Mär von der Quote

Die Mineralölbranche ist gesetzlich verpflichtet, den Anteil von Biosprit an der verkauften Kraftstoffmenge auf 6,25 Prozent anzuheben. Weil die Autofahrer das neue E10 aber konsequent ignorieren, fürchten die Multis, die Quote zu verfehlen. Sie rechnen die denkbare Strafzahlung auf 300 bis 400 Millionen Euro hoch. Allerdings liegt die Statistik dazu frühestens im Frühjahr 2012 vor. Erst dann ist klar, ob und in welcher Höhe eine Strafe fällig wird.

Ob die geforderte Quote tatsächlich verfehlt wird, ist ohnehin längst nicht ausgemacht. Schließlich verkaufen die Mineralölkonzerne in großen Mengen Biokraftstoffe zum Beispiel an Speditionen. Nach Angaben des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie werde der Verkauf von Biodiesel (B100) auf die geforderte Quote angerechnet. Praktisch der gesamte B100-Absatz 2010 sei verwendet worden, um die gesetzlich vorgeschriebene Quote zu erfüllen.

Die deutschen Tankstellen-Betreiber haben E10 im Februar eingeführt. Der Kraftstoff enthält mit zehn Prozent doppelt so viel Biokraftstoff wie normales Superbenzin. Auf diese Weise will die Mineralölwirtschaft die vorgeschriebene Quote für die Biosprit-Beimischung erreichen. Rund zehn Prozent der Autos auf deutschen Straßen vertragen das Benzin allerdings nicht. Dies hat zu einer generellen Ablehnung des neuen Benzins geführt; hinzu kommen Zweifel von Umweltschützern am tatsächlichen Nutzen des Biokraftstoffs.

rom/dapd/dpa-afx

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insgesamt 169 Beiträge
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1. Verbrauchermacht!
Kalaharry 29.08.2011
Zitat von sysopWeil die deutschen Autofahrer kein E10 tanken, befürchten die Mineralölkonzerne Strafzahlungen in Höhe von bis zu 400 Millionen Euro. Der genaue Betrag ist zwar noch nicht absehbar, doch die Multis kassieren vorsorglich schon jetzt ab - durch einen Aufschlag auf die anderen Spritsorten. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,783065,00.html
Da hilft nur eines: einen Konzern nach dem anderen durch Tankverweigerung trockenlegen. Freie Tanken braucht das Land. Ich werde z. B. in 2011 nicht mehr bei Aral und BP tanken.
2. Außer Gekläffe nichts gewesen....
marvinw 29.08.2011
---Zitat--- Tankstellen reichen E10-Kosten an Kunden weiter ---Zitatende--- Ich wette dass es wieder alternativlos ist, richtig? Und das obwohl so viele Marktplatznarren Marktwirtschaft propagieren?
3. Dr.
braintainment 29.08.2011
Ohhh, ich kann mir schon der Aufschrei in der Politik vorstellen... Und? Was wird es ändern? Genau: NICHTS!
4. Man könnte leicht den Verbrauch ankurbeln ....
mpigerl 29.08.2011
indem man E10 einfach mal signifikant im Preis senken würde. Sobald E10 10 - 15 ct pro Liter biller wie E5 wäre, würde der Verbrauch steigen! Aber Preissenkung hören die Ölmutlis halt nicht soooo gerne ....
5.
testthewest 29.08.2011
Zitat von sysopWeil die deutschen Autofahrer kein E10 tanken, befürchten die Mineralölkonzerne Strafzahlungen in Höhe von bis zu 400 Millionen Euro. Der genaue Betrag ist zwar noch nicht absehbar, doch die Multis kassieren vorsorglich schon jetzt ab - durch einen Aufschlag auf die anderen Spritsorten. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,783065,00.html
Das ist doch krank. Was können die Mineralölkonzerne dafür, wenn die Menschen kein E10 kaufen wollen? Strafzahlungen für Konsumverzicht - spinnen die in Berlin/Brüssel?
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Alle Informationen zum neuen E10-Benzin
Was ist E10 und warum wird es eingeführt?
Das "E" steht für Ethanol, die "10" für den künftig zehnprozentigen Anteil von Bioethanol im Benzin. Mit Erhöhung der Beimischung von fünf auf zehn Prozent setzt die Bundesregierung EU-Vorgaben um. Hintergrund ist das Ziel, den CO2-Ausstoß von Autos zu senken.
Das neue, E10 genannte Benzin vertragen allerdings nicht alle Autos.
Fahrer sollten sich also informieren, ob ihr Wagen betroffen ist.
Warum kann E10 für ein Auto gefährlich sein?
Laut ADAC kann E10 aggressiv mit Metall- und Kunststoffteilen reagieren. Im schlimmsten Fall sind auch Motorschäden denkbar. Der Alkohol kann Aluminium zersetzen, das auch in Motoren oder in Benzinpumpen verwendet wird. Daneben kann E10 den Kunststoff von Kraftstoffschläuchen oder Dichtungen angreifen. Werden Leitungen löchrig, kann sich Benzin an heißen Motorbauteilen entzünden.
Welche Autos vertragen E10 - und welche nicht?
Laut Bundesumweltministerium (BMU) können 90 Prozent der Autos mit Benzinmotor "ohne Einschränkungen" E10 tanken. Über vier Millionen der in Deutschland zugelassenen Autos vertragen den Sprit demnach nicht. Informationen zur Verträglichkeit geben Händler und Hersteller. Aus dem Alter eines Autos lässt sich dies nicht ableiten, teils ist E10 auch für neuere Modelle ungeeignet. Eine Liste mit Autos, die den neuen Sprit nicht tanken sollten, hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Informationen gibt es auch beim ADAC.
Was tanken künftig Autos, die kein E10 vertragen?
Für die gibt es an allen Tankstellen auch weiter E5 mit fünf Prozent Bioethanol - laut BMU "zeitlich unbefristet". E10 selbst wird künftig als "Super E10" an den Zapfsäulen gekennzeichnet sein, E5 wie bisher als "Super".
Wie viel kostet E10?
Das BMU schließt nicht aus, dass Benzin durch die Einführung von E10 teurer wird. Auf die Ölkonzerne kämen zusätzliche Kosten etwa für die Herstellung von Ethanol zu. Zudem steigt demnach auch der Benzinverbrauch durch E10 um knapp zwei Prozent wegen des geringeren Energiegehalts von Alkohol im Vergleich zu Benzin.
Weitere Informationen im Internet


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