Kennzeichnung für Dieselautos Umweltministerium zieht Pläne für blaue Plakette zurück

Die Pläne für die blaue Plakette sind vorerst vom Tisch: Mit der Etikettierung für moderne Dieselautos hätte ein Fahrverbot für Dreckschleudern umgesetzt werden sollen - doch jetzt macht das Umweltministerium einen Rückzieher.

Auspuff eines VW Tiguan TDI
DPA

Auspuff eines VW Tiguan TDI


Darüber wird sich die Autolobby freuen: Das Bundesumweltministerium verzichtet vorerst auf die Pläne für eine Kennzeichnung umweltfreundlicher Dieselfahrzeuge. "Wir haben die blaue Plakette für niedrige Stickoxidemissionen jetzt erst einmal auf Eis gelegt", sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Eine Arbeitsgruppe der Verkehrsministerkonferenz werde bis zum Herbst Alternativvorschläge ausarbeiten. Diese warte man erst einmal ab. "Wir sind offen für Alternativen", betonte Flasbarth.

Die blaue Plakette sollten nach den bisherigen Vorstellungen von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) moderne Dieselfahrzeuge mit einem geringen Schadstoffausstoß bekommen. Auf diese Weise sollte es den Kommunen ermöglicht werden,in besonders belasteten Gebieten lokale Fahrverbote für Fahrzeuge ohne die Plakette zu erlassen.

Das Vorhaben war im CSU-geführten Bundesverkehrsministerium von Beginn an auf Widerstand gestoßen. Ressortchef Alexander Dobrindt vertritt die Auffassung, es sei wirkungsvoller, bei Taxen, Bussen oder Behördenfahrzeugen anzusetzen, die sich ständig im Stadtverkehr befänden.

Industrie setzt sich mal wieder durch

Tatsächlich käme eine Auszeichnung besonders schadstoffarmer Fahrzeuge einer Stigmatisierung der restlichen Flotte gleich, gegen die sich die deutsche Autoindustrie traditionell wehrt. Bereits bei der Einführung des Ökolabels 2011 lobbyierten die Hersteller so erfolgreich, dass seitdem wegen kruder Berechnungskriterien selbst SUV-Kolosse mitunter als grüne Umweltengel ausgezeichnet werden.

Ungeachtet des Zugehens auf die Kritiker blieb Staatssekretär Flasbarth nun dabei, dass es notwendig sei, Abgase zu reduzieren. Es gehe "nicht um eine Marotte von Umweltschützern", sondern um die Gesundheit der Menschen in den Innenstädten. "Mindestens 400.000 Menschen in Deutschland sind davon direkt betroffen, weil sie an viel befahrenen Straßen wohnen." In etwa 80 deutschen Städten würden derzeit die Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten.

mhe/dpa



insgesamt 199 Beiträge
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takahe 10.08.2016
1. So ein Quatsch!
"Darüber wird sich die Autolobby freuen: Das Bundesumweltministerium verzichtet vorerst auf die Pläne für eine Kennzeichnung umweltfreundlicher Dieselfahrzeuge." Ich freue mich darüber, denn ich wäre der Leidtragende gewesen. In Berlin ein Auto, dass ich in 2014 für 43 Tsd. Euro gekauft habe, nicht mehr fahren zu dürfen wäre eine Frechheit gewesen. Gerade bei drei Kindern, die zur Schule, in den Kindergarten oder auch zu den Vereinen gebracht werden müssen. Für uns wäre es schlichtweg nicht drin ein neues Auto zu kaufen, denn Familienvans sind nicht gerade günstig.
UluKay 10.08.2016
2. Sieg der Autolobby ?
Was ist mit den vielen Menschen die keinen Goldesel zu Hause haben und sich nur ältere Gebrauchtfahrzeuge leisten können, das Auto aber brauchen um zur Arbeit zu kommen und sich keine Wohnung in der Stadt leisten können ?
franzfritz 10.08.2016
3. Hackt
nicht immer auf dem Diesel rum! Sagt die Wahrheit, benennt ALLE Schadstoffe , und der Benziener schneidet schlechter ab.
udo l 10.08.2016
4. Das CSU geführte
Verkehrsministerium. Ich denke es ist kein Mysterium wieso gerade die bedenken haben. Wegen der Gesundheitsgefährdung eher nicht.
winnie1970 10.08.2016
5. Nur die Autolobby?
Hier freuen sich wohl auch Millionen von Besitzern eines nicht mehr ganz so neuen Dieselfahrzeugs. Über die Einführung einer solchen Plakette kann man diskutieren, wenn ein Großteil der Fahrzeuge, die dadurch nicht mehr hätten in die Innenstädte fahren dürfen, durch saubere Fahrzeuge ersetzt sind und nicht schon dann, wenn 80 Prozent der Diesel diese Anforderungen noch nicht erfüllen. Politischer Aktionismus hinter der Maske des Umweltschutzes zu Lasten der Bürger. Wie immer. Will die Politik wirklich was erreichen, dann sollte sie nicht immer die Nutzer bestrafen, sondern der Industrie klare Vorgaben machen und vor allem deren Fehlverhalten konsequenter bestrafen.
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