Die Blitzer-Bilanz der Bundesländer Saarländer und Sachsen sind die schlimmsten Raser

Wo wurde der höchste Geschwindigkeitsverstoß gemessen, wo sind die Fahrer am langsamsten unterwegs? Die Karte mit allen Zahlen und Fakten zum Blitz-Marathon.

DPA

Hamburg - Deutschlands Autofahrer waren vorgewarnt. Monate im Voraus stand fest, dass am 18. und 19. September der Blitz-Marathon stattfindet, sogar die meisten Standorte der Geschwindigkeitskontrollen waren vorab bekannt gegeben worden. Und trotzdem: In 93.000 Fällen hat alles nichts genutzt. Das ist die offizielle Temposünder-Bilanz, die das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen am Freitag bekannt gegeben hat.

Die Zahlen im Überblick:

  • Drei Millionen Autofahrer wurden insgesamt kontrolliert.

  • 93.000 waren zu schnell unterwegs, das entspricht einer Quote von rund drei Prozent. Jeder 32. Fahrer hielt sich nicht an das Tempolimit und wurde dabei erwischt.

  • Mehr als 13.000 Polizisten waren im Einsatz. An fast 7500 Stellen im gesamten Bundesgebiet wurde 24 Stunden lang geblitzt und gelasert. Die Großaktion endete am Freitagmorgen um 6 Uhr.

  • Im Vergleich zum Vorjahr zeigten die Autofahrer damit weniger Disziplin: Die Quote lag 2013 bei 2,8 Prozent, nur jeder 36. Fahrer war zu schnell. Dabei waren bei der zweiten Ausgabe jetzt rund 2000 Polizisten weniger im Einsatz, und die Zahl der Blitzer-Standorte war um rund tausend geringer.

Wie im vergangenen Jahr fällt die Bilanz in den einzelnen Bundesländern ziemlich unterschiedlich aus. Die geringste Raser-Quote wurde wie bereits 2013 in Hamburg erzielt, in der Hansestadt lag sie bei 0,9 Prozent. Die schlechteste Quote lag dagegen mit jeweils 5,8 Prozent im Saarland und in Sachsen vor.

Ein Ranking der Bundesländer finden Sie hier. Diese Karte bietet einen Überblick über die Zahlen in allen Bundesländern:

Interaktive Karte: Der Blitzmarathon in Zahlen

Schlechte Vorbilder und ein Auto ohne Tacho

Schlimmster Temposünder war vermutlich ein Fahrer in Reutlingen in Baden-Württemberg, der am Donnerstag mit Tempo 238 statt der erlaubten 100 Kilometer pro Stunde unterwegs war. In Brandenburg wurde auf der A2 zwischen Netzen und Lehnin ein Autofahrer mit 219 statt der erlaubten 120 Stundenkilometer gemessen. In der Nacht zum Freitag wurde auf der A4 bei Köln ein Fahrer mit Tempo 185 statt 80 gemessen - nach Abzug der Toleranz.

In Nordrhein-Westfalen waren erstmals auch Kinder bei den Kontrollen im Einsatz. Sie hatten Kontrollstellen vorschlagen dürfen. An einer Schule in Düsseldorf ertappte ein Junge dabei seine eigene Mutter, die zu schnell im verkehrsberuhigten Bereich unterwegs war. Auch eine Lehrerin durfte sich von ihren Schülern wegen zu schnellen Fahrens Kritik anhören.

Einen kuriosen Fall gab es in Rheinland-Pfalz: Dort blitzten die Beamten im Ort Brohl-Lützing einen Autofahrer ohne Tacho. Nach Angaben der Polizei fuhr er durch eine Tempo-50-Zone mit 68 Stundenkilometern. Als Grund für die zu hohe Geschwindigkeit gab der Fahrer an, er könne nicht wissen, wie schnell er unterwegs sei.

Datenvergleich mit den Vortagen

Die diesjährige Quote von drei Prozent bedeutet im Umkehrschluss, dass sich 97 Prozent der kontrollierten Autofahrer an die Regeln gehalten haben. Dass ein Großteil der Verkehrsteilnehmer am Donnerstag vorsichtig unterwegs war, belegen auch Daten von Inrix, einem Anbieter von Verkehrsinformationen.

Anhand einer Analyse von 500 Millionen Datenpunkten (unter anderem Handy-Apps und Navigationsgeräte) stellte das Unternehmen fest, dass Autofahrer am Donnerstag im Schnitt rund zehn Prozent mehr Zeit für ihre jeweiligen Strecken benötigten als am Dienstag und Mittwoch. "Das dichtere Verkehrsaufkommen am Donnerstag könnte durchaus daran liegen, dass die Verkehrsteilnehmer langsamer gefahren sind, um nicht geblitzt zu werden", sagt Greg Hallsworth, ein Verkehrsexperte bei Inrix.

"Die Köpfe der Menschen erreichen, nicht ihr Portemonnaie"

Unter Experten und Politikern ist die Wirksamkeit der personalintensiven Aktion umstritten. Auch die Polizeigewerkschaften und die Automobilverbände sind uneins darüber, ob vom Blitz-Marathon, einer Idee der nordrhein-westfälischen Polizei, ein positiver Effekt für die Verkehrssicherheit ausgeht oder es sich um Effekthascherei handelt.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, zeigte sich dagegen "sehr zufrieden" mit den Ergebnissen des zweiten Blitz-Marathons. "Wir wollen die Köpfe der Menschen erreichen und nicht ihr Portemonnaie", erklärte er. Ein Ministeriumssprecher sagte, die Zahl der besonders gravierenden Tempoverstöße sei deutlich gesunken. So müssten etwa in Nordrhein-Westfalen nur 181 Fahrer mit Fahrverboten rechnen - nach 322 im vergangenen Jahr.


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cst/mhu/smh/dpa

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
FairPlay 19.09.2014
1.
Das dies nicht funktioniert weiß man doch zur Genüge. Zur letzten Erinnerung. Wieviele Apelle gab es während dem Fahren nicht mit dem Handy zu telefonieren. Es hat nichts genutzt. Ein Gesetz musste her. Apelle tun nicht weh. Ein Griff ins Portemonnaie dagegen schon. Bedauerlich und zugleich unerträglich ist, dass auch Autofahrer die sich an die Verkehrsregeln halten und keine Schäden verursachen jährlich mit erhöhten Beitragsrechnungen ihrer Autoversicherer zur Kasse gebeten werden. Das ist einfach unfair.
twws04 19.09.2014
2. Gesetze und Verordnungen
Zum Beitrag 1. von FairPlay: Die Vorschrift, nicht mit dem Handy am Ohr während der Fahrt telefonieren zu dürfen, wird ebenso oft ignoriert wie Tempolimits. Ich sehe jeden Tag mindestens 5 Autofahrer/Innen, die während der Fahrt ihr Handy ohne Freisprecheinrichtung benutzen. Merkwürdiger Weise auch in solchen Autos, die eine Freisprecheinrichtung serienmäßig haben. Vermutlich sind die Fahrer/Innen nicht in der Lage, das Handy damit zu koppeln. Wenn die Polizei bei der Streife mal darauf gezielt achten würde, wäre das ein gezielterer Beitrag zur Verkehrssicherheit, als Fahrer, die 5 km/h schneller fahren als erlaubt, abzukassieren.
whitemouse 19.09.2014
3. Fair Play
Ermahnungen sind gut, Bußgelder braucht es nur bei jungen Fahrern und im Übrigen nur bei extremen Überschreitungen. Es sollte stärker auf wirklich gefährliche Verstöße geachtet werden. Überholen ist grundsätzlich gefährlich, und bei Verstößen gegen jegliche Regeln hierzu, etwa zur Sichtweite, sollte es regelmäßig Fahrverbote geben. Unverständlich ist im Übrigen für mich, dass Handyverstöße kaum geahndet werden. Da fährt eine junge Frau mit Kind im Auto, das sie ohnehin schon ablenkt, mit dem Handy am Ohr im Stadtverkehr um die Kurve. Man kann nur von Glück reden, dass die Radfahrer das überleben.
catweezle 19.09.2014
4. Es gibt hier nichts zu diskutieren.
Die Presse verwendet gerne das Wort "Raser". Die Politiker haben nur die Verkehrssicherheit im Auge. Die "vorsichtigen" Linksfahrer fühlen sich ständig bedrängt. Sachlich kann dieses Thema scheinbar nicht diskutiert werden. Und die plakativen Einzelfälle rechtfertigen das Thema nicht. Oder kam dieser spezielle Fall etwa in einem Unfall zu Tode? Wenn die allgemeine Volksmeinung stimmt müsste da ja mindestens ein Todesopfer zu beklagen sein. Das Thema ist nicht diskutabel. Mögen die öffentliche Hand sich weiter mit "Verkehrssicherheit" refinanzieren ...
syfer 19.09.2014
5. Wattebäuschchen
Da wird wochenlang vorgewarnt, jede Messstelle im Internet plakatiert und die Deppen rasten in die Falle und die Raser fuhren zehn km langsamer als erlaubt. Wie wurden denn die Messgeräte eingestellt? Blitz > 10 % zu schnell, wie bei den LKW toleriert? - Die eintägige Tempokontrolle untermauert die Erkenntnis, dass Geschwindigkeit mit dem Unfallrisiko und dessen Folgen korreliert. Amen. Leider wollen/können das nicht alle 60 Mio. guten Autofahrer (ich manchmal eingeschlossen) auf verschiedenste Fahrsituationen herunterbrechen. - Ich pauschaliere: Uns täten die Verkehrs- und Strafregeln wie in den Nachbarländern gut, für uns und für unsere Nachbarn, wenn sie hier herumrasen...
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