24-Stunden-Kontrollen am Dienstag Hier wird in NRW und Niedersachsen geblitzt

Blitz-Marathon in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen: 24 Stunden lang wird an mehreren tausend Stellen die Geschwindigkeit gemessen. Wo geblitzt wird, verrät die Polizei vorab.

Kontrolle beim Blitz-Marathon: Geschwindigkeitsmessung an Tausenden Stellen
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Kontrolle beim Blitz-Marathon: Geschwindigkeitsmessung an Tausenden Stellen


Hamburg - Am 8. April um 6 Uhr startet in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen die nächste Großoffensive gegen Raser: An mehreren tausend Stellen kontrolliert die Polizei, ob sich die Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsvorgaben halten. Der sogenannte Blitz-Marathon läuft 24 Stunden. Wie bei den vorangegangenen Aktionen veröffentlichen sowohl Niedersachsen als auch NRW die Standorte der Kontrollen im Voraus:

In NRW macht die Polizei laut Angaben des Innenministeriums mit rund 3800 Beamten an mehr als 5100 Kontrollstellen Jagd auf Verkehrssünder, in Niedersachsen sind rund 900 Polizisten an 425 Orten im Einsatz.

Eine Woche nach den Kontrollen wird immer noch langsamer gefahren

Der Nutzen der umfangreichen Blitz-Aktionen wird kritisch betrachtet: Einige Verkehrsexperten sehen sie als ein Strohfeuer - potentielle Raser würden sich zwar während des Blitz-Marathons zurückhalten, anschließend aber wieder rücksichtsloser fahren. Dirk Kemper vom Institut für Straßenwesen der RWTH Aachen ist dagegen anderer Ansicht - und legte dazu bei einer Pressekonferenz in Köln die Ergebnisse einer Master-Arbeit vor, in der ein vergangener Blitz-Marathon analysiert wurde.

Bei der Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, wurde an vier Standorten in Köln und Leverkusen (drei Tempo-30-Zonen und eine Tempo-50-Zone) jeweils eine Woche vor und nach dem Blitz-Marathon die Zahl der Tempoverstöße gemessen. In der Zeit nach der Aktion "wurde an allen überprüften Standorten im Durchschnitt langsamer gefahren", sagte Kemper. Seinen Angaben zufolge sank vor allem die Zahl der hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen mit mehr als 20 km/h. "Dieses Zahl reduzierte sich zum Teil um bis zu zehn Prozentpunkte", erklärte Kemper SPIEGEL ONLINE.

Der Wissenschaftler räumte jedoch ein, dass aus den Ergebnissen lediglich "eine Tendenz" abzulesen sei. Um die Wirkung eines Blitz-Marathons genauer zu erforschen, müsste ihm zufolge über einen längeren Zeitraum und vor allem an Orten gemessen werden, an denen während der Aktion nicht geblitzt wird. Somit könne festgestellt werden, ob die Autofahrer wirklich sensibilisiert werden. Solche Studien sind Kemper zufolge bereits geplant.

Bürger wählen die Blitzer-Standorte

Im Vorfeld des Blitz-Marathons durften die Bürger mitbestimmen, an welchen Stellen in NRW Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden sollen: Die Polizeibehörden des Landes veröffentlichten dazu eine Liste mit möglichen Standpunkten, über die via Internet und per Telefon abgestimmt werden konnte.

In Niedersachsen sieht das Innenministerium besonderen Handlungsbedarf zu verstärkten Kontrollen. Von Januar bis März 2014 seien 86 Menschen auf den Straßen des Bundeslandes tödlich verunglückt - rund 25 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zudem sei auch die Zahl der Schwerverletzten um rund 15 Prozent angestiegen. Die Ursachen dafür werden laut Behördenangaben analysiert, vermutet wird unter anderem ein Zusammenhang mit dem milden Winter und den frühzeitig einsetzenden frühlingshaften Temperaturen. Im vergangenen Jahr herrschte ein raueres Klima, dadurch ist in der Regel weniger Verkehr auf den Straßen.

In NRW findet der Blitz-Marathon bereits zum sechsten Mal innerhalb von zwei Jahren statt. 2013 wurde erstmals auch bundesweit eine solche Aktion veranstaltet. Dabei wurden in ganz Deutschland 83.000 Tempoverstöße registriert.

cst



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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
hf01587 07.04.2014
1. Ablenkung des NRW Innenministers...
...vom krassen Versagen in der Innen- und Sicherheitspolitik. Thema Loveparade und Parallelstrukturen in der Justitz(Friedensrichter), hilflose Polizei usw....Aber auf den Normalo kann man ja noch einprügeln, und ihn wegen banalster Übertretungen zum Verbrecher abstempeln.
hors-ansgar 07.04.2014
2. Ich würde mich freuen...
...wenn die Polizei mit der gleichen Verve Einbrecherbanden gegenübertreten würde.
scxy 07.04.2014
3. Der Link für Niedersachsen fehlt
aber hier ist er: http://www.mi.niedersachsen.de/download/86108
orthos 07.04.2014
4. Was willste machen,
wenn dein Land pleite ist? Anstatt zu sparen oder wenigstens auf Nachhaltigkeit zu achten (Früher hielt eine neue Straße länger als ein Jahr...), Verfaäät man zurück in die alten Sitten des Raubrittertums und der Wegelagerei!
IronSky 07.04.2014
5.
absolut lächerlich. wer ist für so einen schmarrn verantwortlich? wehrt euch bürger! lasst nicht alles mit euch machen! wir haben dringendere probleme, als unterbezahlte leiharbeiter die mit 120 statt 100 über die autobahnen brausen damit sie ihren job nicht verlieren. lieber mal die ganzen lkw auf die schiene verlagern
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