Autogramm BMW 435i Tief gesunken

BMW ist so überzeugt vom 4er, dass der Autobauer ihn als wichtigstes Modell des Jahres ankündigt. Dabei ist der Wagen eigentlich nur der Nachfolger des 3er-Coupés. Der Namensschwindel sei ihm aber verziehen - er sorgt nämlich für eine Einzigartigkeit in der BMW-Geschichte.

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Der erste Eindruck: Was für ein Body! Das neue Coupé der 3er-Baureihe, ab sofort 4er genannt, ist der vielleicht schönste aktuelle BMW. Prompt erntete der Wagen bei unserer ersten Testfahrt spontane Beifallsbekundungen von Passanten.

Das sagt der Hersteller: Nicht das Elektroauto i3 oder der neue Edel-SUV X5, sondern der BMW 4er ist nach den Worten von Herbert Diess die wichtigste BMW-Premiere in diesem Jahr. Die Begründung des Entwicklungsvorstands: "Keine andere Neuheit kommt so nahe an den Kern unserer Marke. Das Auto bringt die Freude am Fahren auf den Punkt."

Das ist uns aufgefallen: Welchen Unterschied zwei Zentimeter machen. Denn insgesamt wurde der Schwerpunkt gegenüber dem Vorgängermodell um genau dieses Maß abgesenkt. Damit ist der 4er das erste Auto von BMW, bei dem das Gravitationszentrum weniger als 50 Zentimeter über der Straße liegt. Das klingt nach einer Kleinigkeit - hat aber eine große Wirkung. Denn im Verbund mit der Fünflenker-Hinterachse, der Vorderachse mit zwei neuen Torsionsstreben, einem um fünf Zentimeter längeren Radstand sowie der verbreiterten Spur hat das Coupé eine schier unerschütterliche Straßenlage. Der Wagen ist steif und bretthart und fährt sich damit extrem präzise.

Erst recht, wenn das Coupé so hochgerüstet ist wie der Testwagen für die erste Ausfahrt mit dem 4er. Adaptives Fahrwerk mit verstellbaren Dämpfern, eine Sportlenkung mit variabler Übersetzung und dann noch der Reihensechszylindermotor mit drei Liter Hubraum und 306 PS - da erscheint mancher zweisitzige Sportwagen plötzlich verzichtbar.

Man muss sich deshalb fast zwingen, zwischendurch das Tempo herauszunehmen und die Aufmerksamkeit mehr aufs Auto als auf die Strecke zu richten. Dann fällt einem beispielsweise der im Handschuhfach versteckte Deckel für die Getränkehalter auf, der die Kraterlandschaft der Mittelkonsole in eine hübsche Ablage verwandelt - oder die eleganten Gurtbringer oder die doch recht bequeme Rückbank.

Wer sich zügelt und vom Sport- in den EcoPro-Modus schaltet, kann das Auto sogar mit ruhigem Öko-Gewissen bewegen. Denn während mit Bleifuß der Verbrauch bis weit über zehn Liter steigt, sorgt die EcoPro-Einstellung für Sparsamkeit. Kaum nimmt man den Fuß vom Gas, kuppelt die Automatik den Antrieb ab und lässt den 4er ohne Motorschleppmoment dahinsegeln. Und damit diese Funktion möglichst effektiv genutzt werden kann, gibt es einen neuen Vorausschauassistenten: Der weiß, wo sich enge Kurven, Kreuzungen oder Tempolimits befinden und lädt mit einem dezenten Hinweis rechtzeitig vorher zum spritsparenden Segeltörn ein.

Das muss man wissen: Ab 5. Oktober steht der 4er beim Händler. Und wer Ähnlichkeiten mit dem 3er entdecken will, muss schon ganz genau hinschauen. Außer bei der Motorhaube und der Instrumententafel gibt es beim Design keine offensichtlichen Gemeinsamkeiten.

Unter der Haube ist das anders: Alle 4er-Motoren sind bekannt. Anfangs gibt es den Wagen mit dem hier vorgestellten 306-PS-Benziner sowie einem 245 PS starken Vierzylinder im 428i. Als vorerst einziges Dieselaggregat wird der 420d mit 184 PS zur angeboten. Letzterer ist mit einem Preis von 39.200 Euro zunächst auch das billigste Modell. Für alle drei Motorisierungen ist Allradantrieb verfügbar (Aufpreis gut 2000 Euro).

Folgen sollen noch in diesem Jahr ein Basis-Benziner mit 184 PS (35.750 Euro) sowie zwei Diesel-Varianten mit 258 und 313 PS. Für nächstes Jahr steht dann ein M4 parat. Auch zwei Karosserievarianten hat BMW noch in petto, nämlich ein Cabrio und wohl auch ein viertüriges Grand Coupé.

Der Coupé-Aufpreis fällt beim neuen 4er im Vergleich zu einer identisch motorisierten 3er-Limousine übrigens vergleichsweise moderat aus, er liegt zwischen 2100 und 3300 Euro. Und: In allen 4er-Typen gehört Xenonlicht zur Serienausstattung, bei manchem 3er-Modell hingegen kostet es 980 Euro Aufpreis.

Das werden wir nicht vergessen: Die lang gezogene Senke mit der scharfen Rechtskurve bei der ersten Ausfahrt. Runter, rauf, dazwischen ein Schwenk, und das alles auf holpriger Straße. Und was macht der 4er? Er durchgleitet die Stelle so geschmeidig wie ein warmes Messer die Butter. Erst bei der Vollbremsung auf der Kuppe kommt ganz kurz Unruhe im Gebälk auf. Warum diese Übung? Weil wir die Senke gleich noch einmal aus der anderen Richtung erleben wollten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
nick115 19.07.2013
1.
da fällt mir nur ein: WILL ICH HABEN!
inecht 19.07.2013
2. das falsche Signal...
an alle PS-Anarchos und Raser.
schredder66 19.07.2013
3. Mir gefällt...
...die Seitenline ganz gut. Aber, wie jedem anderen Autobauer, hat BMW der Mut bei Front, Heck und Innenraum verlassen. Dort herrscht, den Controllern sei Dank, das übliche BMW-Einerlei. Es ist nicht schlimm, dass BMW und andere Autobauer Geld verdienen wollen (und müssen), aber ein bisschen mehr Mut und weniger Marketinggeblubber sollte man doch erwarten dürfen. Naja, egal wie ich schimpfe: Dank der 1%-Regelung wird auch dieser BMW ein Erfolg. Ich gönne es ihnen, ihn mir aber nicht.
humpensack 19.07.2013
4. Wahnsinn
Der Wagen ist der Hammer. Würde mir auch gefallen! Aber jetzt freu ich mich erstmal auf die grüne Fraktion :-)
zeitmax 19.07.2013
5. Na ja, optisch
mit leichten Abstrichen ganz gut - aber diese fürchterliche, hängende Spoilerlippe - Lefze - ist ja unerträglich!
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