BMW 760 Li Sterling Auto voll Silber, Taschen voll Gold

Die Zahl der Superreichen wächst - und die wollen Karossen, mit denen sie sich von der automobilen Plebs abgrenzen können. Wie solche fahrbaren Sozialbarrieren aussehen können, hat BMW jüngst gezeigt: Mit einem 7er, in dem zwölf Kilo massives Silber verbaut wurden.

BMW

Aus Flensburg berichtet Jürgen Pander


Auf keinen Fall soll es protzig wirken. Das möchte BMW nicht, und schon gar nicht Oliver Berking, in fünfter Generation Inhaber der Flensburger Silberschmiede Robbe & Berking, dem Weltmarktführer für Tafelsilber. Jetzt macht das Traditionshaus auch in fahrendes Silber. Zusammen mit BMWs hauseigenem Tuner und Veredler, der M-GmbH, haben die Flensburger den "wertvollsten BMW, der bislang bei uns entstanden ist", gebaut, wie Friedrich Nitschke es formuliert, der Chef der BMW M GmbH.

Vor der Enthüllung wird ein bisschen geplaudert. Thomas Gottschalk moderiert die Gesprächsrunde unter dem Titel "Luxury for Individuals". Außer den Gastgebern Berking und Nitschke sitzen noch BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk und Spitzenköchin Cornelia Poletto auf dem Podium. Es geht um Luxus und darum, wie man ihn möglichst stilvoll kaschiert. "Statt klassischer Spaghetti Carbonara mache ich Teigtaschen mit Carbonara-Füllung und serviere sie mit Kaviar", sagt Frau Poletto, um ein Beispiel zu nennen.

Im Prinzip verhält es sich ganz ähnlich mit dem Auto, um das es eigentlich geht und das mit vollem Namen "BMW Individual 760 Li Sterling inspired by Robbe & Berking" heißt. Silberschmied Berking wurde vor gut eineinhalb Jahren bei BMW vorstellig, um über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen. Man ging Mittag essen, "und schon beim Kaffee waren wir uns einig, dass wir gemeinsam ein Auto bauen wollen", berichtet der Unternehmer.

Autos für die Superreichen

Weltweit wächst die Zahl der Superreichen, und damit die Nachfrage nach Exklusivität, der Möglichkeit, auch in Gebrauchsgegenständen möglichst viel Geld unterzubringen. Befriedigt werden diese Bedürfnisse von manufakturartigen Marken wie Rolls-Royce, Bentley oder Bugatti oder von Tuningfirmen wie Brabus oder Mansory, die vor allem Bling-Bling-Boliden bauen.

Um diesen Kunden auch etwas bieten zu können, unterhalten BMW, Audi und Mercedes Abteilungen, in denen vermögende Kunden vor diesem Hintergrund wie Allerweltslimousinen wirkende Autos wie die S-Klasse, den 7er oder den A8 aufpimpen lassen können. Bei Mercedes tut dies das AMG Performance Studio, bei Audi ist es die Sparte Exclusive und bei BMW kümmert sich die Individual Manufaktur der hauseigenen M-GmbH darum. Und im Wettbewerb um diese extrem konsumfreudige Klientel macht sich ein Auto, das mit zwölf Kilogramm Silber (Kilopreis derzeit rund 520 Euro) veredelt wurde, ganz ausgezeichnet.

Am Firmensitz in Garching beim München entstand in den vergangenen eineinhalb Jahren das BMW-Top-Modell mit Zwölfzylindermotor im Lackton "Singapur Grau". Unspektakulär, denkt man zuerst, doch dann sieht man das Glitzern. Es sind die zahlreichen Details aus Sterling-Silber, mit denen von Robbe & Berking den Wagen ausstaffierte. Beispielsweise sind die Türgriffe, die Einstiegsleisten, die Plaketten am Lenkrad, die Zierleisten im Interieur und das Becher-Karaffe-Set im Fond aus massivem Silber gefertigt, ebenso die emaillierten BMW-Embleme an Front und Heck. Außendetails wie BMW-Niere, Karosseriezierleisten oder Auspuffblende sind - aus Gründen der Fußgängersicherheit - mit einer Massivversilberung überzogen.

Verliebt in ein Auto

"Ich finde das sehr subtil", sagt BMW-Designer van Hooydonk ganz verliebt, und tatsächlich: Im Vergleich dazu, was man sonst für viel Geld kaufen kann, wirkt das Auto nicht aufgedonnert oder protzig. Unwissende könnte die glänzenden Bauteile für Chrom oder poliertes Aluminium halten. Es ist eine Art doppelter Distinktion, die von diesen Autos ausgeht: Sie sind nicht nur irre teuer, sie sind auch nur von Kennern aus dem gleichen sozialen Milieu überhaupt als besonders wertvoll zu identifizieren.

Warum überhaupt baut BMW so ein Auto? "Wir wollen damit auf das Leistungsspektrum der Individual-Manufaktur aufmerksam machen", sagt Christian Humele, oberster Kundenberater der Individual-Manufaktur bei BMW. Während gut 20.000 Kunden pro Jahr ein Fahrzeug aus der vorkonfektionierten BMW-M-Kollektion bestellen, wenden sich jedes Jahr rund 400 Interessenten mit ausgefallenen Sonderwünschen an Humele. Gut die Hälfte von ihnen stammt aus Europa und den USA, die anderen aus Russland, der Golfregion sowie China - "mit wachsender Tendenz", wie Humele sagt.

Er muss es wissen, denn sie landen allesamt zuerst einmal bei ihm. "Es gibt Kunden, bei denen ist nach einem dreistündigen Gespräch die Ausstattung des Autos klar. Und es gibt Kunden, die fliegen zwei- oder dreimal mit dem Lear-Jet ein, bis endlich alle Details geklärt sind", berichtet der 41-jährige. Geld spiele in den allermeisten Fällen keine Rolle, es gehe vor allem darum, ob ein Wunsch überhaupt zu erfüllen ist. "Oft bewegen sich die Sonderwünsche in einem Preisrahmen von 20 bis 30 Prozent Aufschlag auf den normalen Verkaufspreis. Es gibt aber auch Fälle, da wird das Auto doppelt so teuer."

Lachse im Innenraum

Humele nimmt eine Interieurverkleidung in die Hand. "Diese Leiste ist mit Lachsleder überzogen, also mit Fischhaut. Es war der Wunsch eines deutschen Fischfabrikanten", berichtet er. Andere Kunden wünschten Oberflächen aus Muschelschalen, Zierelemente aus Echtgold, Verzierungen aus Swarovski-Kristallen oder einen zum Rest des aus Straußenleder gefertigten Interieurs passenden Hundekorb fürs Auto. Einer brachte sogar sein eigenes Makassar-Ebenholz mit, aus dem dann die Innenraumverkleidung gefertigt wurde.

Künftig wird Humele seinen Klienten auch den Sterling-Schlitten vorstellen, als Beispiel dafür, was alles machbar ist, wenn man für Silber schwärmt und eine goldene Kreditkarte zur Hand hat. "So, wie er hier steht, hat der Wagen einen Wert von rund 320.000 Euro", sagt er. Sein Chef Friedrich Nitschke fügt an, dass der Wagen "ein Einzelstück ist und auch bleibt". Das war bei der letzten Zusammenarbeit von BMW mit einer branchenfremden Manufaktur noch anders: Vom Sondermodell, das 2010 mit dem Hamburger Konzertflügelhersteller Steinway & Sons entstand, wurde eine Kleinserie von hundert Exemplaren aufgelegt und verkauft - der Aufpreis betrug 59.090 Euro.

Beim Dinner im Anschluss an die Autopräsentation in Flensburg gab es Köstlichkeiten von Frau Poletto, und neben den Tellern vor den rund hundert Gästen lag silbernes Menübesteck von Robbe & Berking aus der Serie "Riva", die vierteilige Garnitur zu 661 Euro. Wer so etwas täglich zur Hand nimmt, kommt logischerweise auch auf den Gedanken, ein Auto mit Silber einzukleiden.

Das Kalkül, mit einem derartigen BMW-Modell bislang noch nicht vorhandene Wünsche zu wecken, geht offenbar auf. Kaum hatte BMW-Mann Nitschke verkündet, der 7er Sterling bleibe ein Unikat, meldete sich Oliver Berking fröhlich zu Wort und verkündete: "Mindestens einen zweiten müssen Sie noch bauen, Herr Nitschke, denn ein Auto habe ich schon verkauft."

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Seite 1
susiwolf 25.10.2013
1. Bewegungslos ...
Und dann sitzt der Fahrer in seinem Protz-Silber-Luxus-Straussenleder- Super-Bling_Bling-Steinway-Schlitten und fährt und fährt und fährt. A-b-e-r ... er bewegt sich nicht. Überhaupt nicht. Was muss das für eine Freude sein, die Kiste wieder in der sicheren Garage zu haben, sich auf's Fahrrad zu setzen und der Angst adé zu sagen, dass dem Liebling etwas passieren könnte ... Merke: Je mehr Du hast, je mehr Ängste muss Du ausstehen.
susiwolf 25.10.2013
2. V-o-l-l ... bis oben hin !
Auto voller Silber ? Taschen voller Gold ? Herr von und zu BMW. oder Auto voll von Silber ? Taschen voll von Gold ? Herr von und zu BMW ... Ich verbeuge mich untertänigst vor Ihnen und küsse Ihre Felgen ... Kann mir 'mal jemand das Wort D-e-k-a-d-e-n-z erklären ?
olsen59 25.10.2013
3. Ich empfehle ....
... den distinguiert angebrachten Schriftzug oberhalb der BMW-Doppelniere: "Eure Armut kotzt mich an!" Von solchen ekelerregenden Berichten werden wir in Zukunft allerdings noch weit mehr zu lesen bekommen, fürchte ich.
Clausibel 25.10.2013
4. Spätrömische Dekadenz
Zitat von sysopBMWDie Zahl der Superreichen wächst - und die wollen Karossen, mit denen sie sich vom automobilen Plebs abgrenzen können. Wie solche fahrbaren Sozialbarrieren aussehen können, hat BMW jüngst gezeigt: Mit einem 7er, in dem zwölf Kilo massives Silber verbaut wurden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/bmw-760-li-sterling-zierrat-und-extras-aus-zwoelf-kilogramm-silber-a-929459.html
Stilvoll geht die Welt zugrunde!
mischamai 25.10.2013
5. Lachs im Innenraum,Vakuum im Hirn
Wie pervers und rücksichtslos können Menschen sein?Was denkt ein Lenker einer solchen Protzkarre wenn er an normalen Menschen vorbeifährt,an Leuten denen der Mindestlohn von 8,50 Euro nicht gegönnt sei?Was sind das nur für arme Kreaturen die sich bereichern an der Perversion unserer Gesellschaft und sich noch damit schmücken möchten,einfach nur pervers.
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