BMW 7er High Security: Neuer Gleiter für die Kanzlerin?

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Deutschland wählt einen neuen Bundestag. Auf den Sieger warten nicht nur große Aufgaben, sondern auch ein großes neues Auto. Pünktlich zur Wahl zeigt BMW die gepanzerte Version des neuen Siebeners, die bald durch jeden Bericht aus Berlin fahren könnte.

BMW 7er High Security: Limousine mit Lkw-Führerschein Fotos

Ist das der neue Kanzlerwagen? Ganz so deutlich möchten Michael Gallmann und Wilfredo Rohwedder das nicht gesagt haben. Schließlich lebt das Geschäft der beiden BMW-Manager vor allem von Diskretion: Weltweit vertrauen Hunderte von Prominenten, Blaublütern und Wirtschaftsbossen den Chefverkäufern für die Sonderschutzfahrzeuge der Bayern buchstäblich Leib und Leben an. Da ist Publicity nicht immer von Vorteil. Doch ihren jüngsten Coup können die beiden Bayern kaum verheimlichen: Pünktlich zur Bundestagswahl zeigen sie den aktuellen Siebener jetzt erstmals als Panzerlimousine der höchsten Schutzklasse und sprechen relativ offen über die ersten Bestellungen aus Berlin.

Damit die Dienstfahrten in der künftigen Kanzlerlimousine sicherer sind als der Wahlausgang am kommenden Sonntag, haben die Bayern den Siebener zu einer Trutzburg aufgerüstet. Die schusssicheren Scheiben fast so dick wie ein Telefonbuch, die zentnerschweren Türen wirken mächtig wie Schleusentore, und unter dem Blech gibt es einen mehr als fingerdicken Schutzkäfig aus Stahl und Kevlar-Matten, der Kugeln und Sprengstoffen widerstehen kann. Damit steigt allerdings das Gewicht auf vier Tonnen und zwingt die Entwickler nicht nur zu einem neuen Fahrwerk sowie einer neuen Bremsanlage, sondern auch zum Lkw-Führerschein.

Zur Panzerung gibt es schusssichere Reifen, einen Spezialtank, der sich nach Einschüssen selbst wieder abdichtet und ein Instrumentarium, wie man es sonst fast nur aus dem Kino kennt: Über ein spezielles Schaltpult in der Mittelkonsole kann der Fahrer Blaulicht und Stroboskop-Blitzer anschalten, den Wagen bei einem Giftgasangriff mit Frischluft füllen oder automatisch Feuer löschen. Und für die Kommunikation mit der Außenwelt gibt es eine Wechselsprechanlage. Denn um die Insassen nicht zu gefährden, lassen sich die Fenster in der Regel nicht öffnen. Einzig die Frontscheibe kann als Notausstieg auf Knopfdruck herausgesprengt werden. Dennoch sieht sich Rohwedder nicht in der Rolle des James-Bond-Ausstatters "Q": "Wir wollen unseren Kunden nur höchstmöglichen Schutz bieten. Mittel zur aktiven Gegenwehr bieten wir deshalb nicht an", sagt der Cheftechniker und überlässt das Geschäft mit Flammen- oder Nebelwerfern, elektrisierten Türgriffen und anderen Gemeinheiten lieber den Nachrüstern.

Mehr Sicherheit gibt es nur im Panzer

Weil in dieser Branche zwar Vertrauen gut aber Kontrolle besser ist, gibt es auf die Sicherheit Brief und Siegel eines staatlichen Beschussamtes: Erst wenn dessen Experten solche Panzerlimousinen hundertfach aufs Korn genommen haben, ohne dass der Innenraum beschädigt wurde, bekommen sie das begehrte Zertifikat. Dabei erfüllt der Siebener die Schutzklasse 7 und markiert unter den zivilen Fahrzeugen das aktuelle Optimum: "Wer mehr will, muss Panzer fahren", sagt Rohwedder und warnt vor den dann spürbaren Komforteinbußen.

So allerdings fährt man in des Kanzlers neuem Gleiter ausgesprochen entspannt. Die neu justierte Federung tilgt alle lästigen Schwingungen aus der rollenden Regierungsbank, und das armdicke Glas schluckt alle Außengeräusche. Leiser als im Fond dieser Limousine ist es deshalb in wohl kaum einem anderen Auto.

Unter der Haube dieses ganz besonderen Testwagens steckt der neue Zwölfzylinder der Bayern, der aus sechs Litern Hubraum 544 PS holt. "Privatkunden, die so ein Auto bestellen, müssen schließlich selten sparen", sagt Rohwedder. Für Behörden und Regierungen, die in dieser Klasse immerhin die Hälfte der Kunden ausmachen, gibt es deshalb auch den 407 PS starken V8-Motor.

Doppelt so schwer wie das Serienmodell

Völlig mühelos beschleunigt der Motor das Dickschiff kaum langsamer als einen normalen Siebener in 6,2 Sekunden auf Tempo 100. Vom Fahrer erfordert es eine gewisse Weitsicht: Denn bei allem Feinschliff an Fahrwerk, Lenkung und Bremsen braucht ein Viertonner einfach mehr Auslauf als das halb so schwere Serienmodell. Auch deshalb und vor allem mit Rücksicht auf die Spezialreifen ist das Tempo auf 210 km/h limitiert.

Zwar klettert mit der Panzerung der Preis schnell über 400.000 Euro. Doch bei einem Montageaufwand von zwei Monaten kann man damit wahrscheinlich trotzdem kaum Geld verdienen - zumal Audi, Mercedes und BMW laut Gallmann zusammen nur eine Zahl im mittleren dreistelligen Bereich verkaufen. Doch hängen an einem Auto wie dem Hochsicherheits-Siebener in der Regel ganze Flotten von kleineren Begleitfahrzeugen, mit denen die Kalkulation schon ganz anders aussieht. Und dann ist da ja auch noch die Werbewirkung, die Gallmann und Rohwedder bei aller Verschwiegenheit ganz lieb ist: "Wenn die richtigen Leute darin fahren, sieht man die Autos jeden Abend in den Nachrichten."

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1. Gleiches Recht für alle
Mikko, 24.09.2009
Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit solcher Fahrzeuge für höchste Amts- und Würdenträger und deren bestmöglicher Schutz, ich würde mir wünschen, daß unsere Jungens am Hindukush auch von ihren Fahrzeugen sagen könnten, daß diese den bestmöglichen Schutz bieten und state of the art sind.
2. ö?
QuixX, 24.09.2009
Zitat von MikkoBei allem Verständnis für die Notwendigkeit solcher Fahrzeuge für höchste Amts- und Würdenträger und deren bestmöglicher Schutz, ich würde mir wünschen, daß unsere Jungens am Hindukush auch von ihren Fahrzeugen sagen könnten, daß diese den bestmöglichen Schutz bieten und state of the art sind.
Äusserst bedauerliche Zwischenfälle. Welcher Berufssoldat konnte schon ahnen, dass sein Beruf etwas mit Schusswaffen zu tun hat?
3. Verbrauch auch wie ein Panzer?!
tyler2020 24.09.2009
Vier Tonnen von 0 auf 100 km/h in 6,2 sec. ... Ist da die Tankstelle schon im Preis dabei?
4. :]
QuixX, 24.09.2009
Zitat von tyler2020Vier Tonnen von 0 auf 100 km/h in 6,2 sec. ... Ist da die Tankstelle schon im Preis dabei?
Nicht mal das! Dafür aber jede Menge neidisches Gemecker des Prekariats. Ich würde mir für das Geld ein paar andere Auto kaufen. Da gehen dann die Fenster auch richtig auf. Ich bin mir sicher, dass ich nicht Kanzlerin werden möchte. Ich brauch auch kein Neid auf den fettesten Weiß-Wurst-Bomber. Ich stecke Ihnen nochwas: Das Auto hätte gut verschenkt sein können, wenn man dann Angie nicht Vorteilsannahme unterstellen könnte (nein, würde). Bessere Werbung kann die Turbine kaum bekommen. Im TV-Bericht kann oft nur die aus dem Auto steigende Kanzlerin gezeigt werden. Da ließe sich vermutlich noch das eine oder andere (Dutzend) Fahrzeug(e) als kostenloses Extra aushandeln. Jeden dritten Tag ein dreieckes BMW-Rücktür-Fenster auf der Mattscheibe. Freude am Vertrieb. Wenn der Kanzler Siebener fährt, wollen alle.
5. Vorbild?
science123 24.09.2009
Schade, dass die Elektroautos noch nicht so weit sind. Bis dahin hat die Politik natürlich "wenig" Chancen sich dementsprechend als Vorbild zu zeigen... IAA ist ja eher enttäuschend.
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