BMW Concept X1 Goldiges Kerlchen

"Meridiangold metallic" heißt der Farbton, in dem BMW seine Studie für den Autosalon in Paris lackiert hat. Das Auto heißt offiziell Concept X1, doch das ist nur Show. Ab Herbst 2009 soll der Wagen gebaut werden und die Marke im Segment der Kompakt-SUVs vertreten sein.

Von Jürgen Pander


Bullige SUVs als Alltagsfahrzeuge mögen unvernünftig, verschwenderisch, überflüssig sein - doch die Garde der sogenannten Sport Utility Vehicles, kurz SUV, ist noch immer die große, aktuelle Erfolgsstory der Automobilindustrie. BMW zum Beispiel brachte 1999 mit dem X5 das erste weiß-blaue Modell nach der SUV-Rezeptur auf den Markt. Wenige Jahre später schoben die Bayern den etwas kleineren X3 nach, erst vor wenigen Monaten den klobigen X6 - und alle X-Varianten insgesamt summierten sich auf bislang mehr als 1,2 Millionen verkaufte Autos.

Verständlich, dass die BMW-Strategen die große Nachfrage nach Fahrzeugen im Geländewagen-Look weiter bedienen wollen. Und zwar so, wie es der Zeitgeist verlangt: ein bisschen bescheidener, etwas sparsamer, geringfügig umweltverträglicher. Der "Es geht auch eine Nummer kleiner"-Trend hat nun das SUV-Segment erfasst, und fast alle Hersteller arbeiten derzeit an einem Allradmodell im 4,40-Meter-Format. Das sind immer noch stattliche Autos, wie der VW Tiguan mit 4,42 Metern Länge belegt. Genau der gilt übrigens als Aushängeschild der neuen SUV-Downsizing-Bewegung, denn das Auto aus Wolfsburg verkauft sich trotz seiner unscheinbar glatten Form wie geschnitten Brot, die Lieferfristen betragen für einige Modelle rund ein Jahr.

Das Interieur bleibt vorläufig noch geheim

BMW eifert dem nun nach und zeigt auf dem Autosalon in Paris (4. bis 19. Oktober) das Concept X1, aus dem bis zum nächsten Herbst der BMW X1 werden soll, der dann in Leipzig vom Band laufen wird. Wer das Auto sieht, erkennt auf den ersten Blick, dass sich bis zur Serienfertigung kaum noch etwas an dem Auto ändern wird. Obwohl BMW noch ein wenig Geheimniskrämerei betreibt und das Messemobil mit komplett abgedunkelten Scheiben aufs Podium stellt - zumindest die Inneneinrichtung soll noch nicht hergezeigt werden.

Fürs erste hat der Betrachter genug damit zu tun, die "kunstvoll modellierten Flächen" (BMW-Pressetext) der Karosserie zu studieren. Wieder einmal, so der erste Eindruck, will das BMW-Design etwas zu viel und verpasst so, einen wirklich elegante, homogenen Autokörper hinzustellen. Linien, Schwünge, Wellen, Lichtreflexe und übertrieben große Radhäuser sowie eine fast schon grotesk angeschwollene BMW-Niere am Bug machen das Auto optisch ziemlich hibbelig.

Eine Handbreit kürzer als der BMW X3

Aber das ist nunmal der gegenwärtige BMW-Stil, und daher braucht man sich um den X1 auch keine Sorgen machen. Der Allradler wird in der Kompakt-SUV-Klasse wohl ordentlich abräumen. Die Studie ist 4,46 Meter lang und damit elf Zentimeter kürzer als der BMW X3. Der Wagen wird Allradantrieb erhalten und die Motorenpalette wird voraussichtlich bei rund 170 PS beginnen. Auch hier also keine grundlegende Änderung an der BMW-Strategie, die Freude am Fahren noch immer vornehmlich an der Motorleistung bemisst. Immerhin sind die Aggregate der Bayern dank diverser Spritspartechniken, die als "Efficient Dynamics" vermarktet werden, vergleichsweise sparsam.

Wenn innerhalb der SUV-Klasse der Größenwahn abnimmt, kann das ja nicht schaden, denn Modelle wie Mercedes GL oder Audi Q7 sind nun wirklich überdimensioniert. In Stuttgart und Ingolstadt wird daher auch reagiert. Audi hat ja bereits auf der Automesse in Shanghai mit der Studie Cross Coupé Quattro (Länge 4,38 Meter) einen Ausblick auf den Q3 gegeben, der voraussichtlich 2010 auf den Markt kommen und dem BMW X1 Konkurrenz machen soll. Und von Mercedes hört man, dass die nächsten Generationen der A- und B-Klasse vollends neu konzipiert werden und dabei wohl auch ein kompakter SUV herauskommen wird. Langfristig setzt sich ja vielleicht doch die Vernunft durch.

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