Datenbrille für Autofahrer Von BMW gibt's was auf die Nase

BMW will seiner Kundschaft mehr Durchblick verschaffen: Der Fahrzeugbauer macht IT-Unternehmen wie Google Konkurrenz und hat eine Datenbrille entwickelt - speziell für Autofahrer. Ein wichtiges Detail ist allerdings noch unklar.

BMW

Die verbesserte Sicherheit vieler moderner Autos hat mitunter ihre Tücken: die Fahrzeugsäulen - heute oft dreimal so dick und stabil wie bei älteren Modellen - behindern die Rundumsicht. Damit Autofahrer nicht den Überblick verlieren, hat BMW jetzt eine Sehhilfe entwickelt: Eine Datenbrille, mit der man zum Beispiel durch die A-Säule hindurchschauen kann. Dazu projiziert die Brille den verdeckten Bereich über ein Kamerabild ins Blickfeld und sorgt so für digitale Transparenz.

Das Gestell kann noch mehr; unter anderem lassen sich laut BMW während der Fahrt Informationen ins Blickfeld des Fahrers einblenden, wie zum Beispiel Navigationsbefehle und Angaben zu Geschwindigkeiten oder Verkehrszeichen. Außerdem wird der Fahrer auf eingehende Kurznachrichten hingewiesen, die er sich dann vom Auto vorlesen lassen kann.

Ein Blick durch die BMW-Brille
BMW

Ein Blick durch die BMW-Brille

Der bayerische Autobauer wird das Gerät namens Augmented Vision auf der Motorshow in Shanghai (22. bis 29. April) präsentieren, das Forschungsprojekt läuft zunächst unter dem Markenamen des Tochterunternehmens Mini. Die Brille ist laut Hersteller mit dem Elektronikkonzern Qualcomm entwickelt worden, es handle sich noch um einen Prototyp. Ob und wann sie in Serie gehen könnte, gab Mini noch nicht bekannt.

Sogenannte Smartglasses - ein Pendant zum Smartphone - bieten bereits mehrere IT-Unternehmen wie zum Beispiel Sony oder Microsoft an. Die wohl bekannteste Computerbrille ist die Google Glass. Diese Modelle entsprächen bislang aber nicht den Vorstellungen von BMW, sagte ein Sprecher des Konzerns. Unter anderem bemängele man, dass die Informationen am Brillenrand angezeigt werden und der Autofahrer zum Lesen den Blick von der Straße abwenden müsse.

Laut Versuchsergebnissen der University of Central Florida werden Autofahrer von Google Glass am Steuer genau so stark abgelenkt, als würden sie ein Handy benutzen. Die Nutzung der Smartglasses während der Fahrt ist dementsprechend verboten. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte BMW mit, für dieses Problem ebenfalls noch keine Lösung gefunden zu haben. Sollte sich der Prototyp bewähren, wolle man aber "einen Vorstoß" beim Gesetzgeber wagen.

cst/dpa/Afp



insgesamt 28 Beiträge
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Bin_der_Neue 10.04.2015
1. Dringend notwendiges Accessoire..
..hat doch so mancher Autofahrer ein Brett vorm Kopf. Die Datenbrille widerum lässt sich geschickt vor diesem platzieren. Für's "Überholimage" sollten die Designer der Brille aber noch ein wenig den "Bösen Blick" verpassen..
podracer 10.04.2015
2. Was eine geile Idee!
Ich bin zwar eingefleischter Mercedes- Fahrer - aber das hier find ich ja mal richtig gut! Super und sinnvoll!
tgu 10.04.2015
3. Design!
Was opfert man nicht alles für das Design! Zum Beispiel eine gute Übersichtlichkeit beim Autofahren. Und mit diesem aufpreispflichtigen Gadget kann man dann der designverschuldeten Unübersichtlichkeit wieder Herr werden. Wann fängt man denn endlich wieder an übersichtlichere Autos zu bauen. Mein 9er Volvo war riesig, 2 Meter Ladefläche, aber ein Blick nach hinten und ich wusste wo das Auto aufhört und die Mauer anfängt. Ok er war ein Kasten mit großen Fenstern. Heute hat man schnittige Autos mit Sehschlitzen statt Fenstern. Allerdings werden auch einige Unübersichtlichkeiten durch die Sicherheit verschuldet, die breiten A-Säulen z.B. für die Jaguar Displays ausprobiert, zum Durchgucken, finde ich technisch eleganter, weil man nichts zusätzlich aufsetzen muss.
Crom 10.04.2015
4.
So eine Brille finde ich sehr sinnvoll. Beispiel Navigation, man muss dann nicht mehr seinen Blick von der Straße aufs Navi lenken sondern es wird einem alles direkt angezeigt. Ich kann das nur gut heißen und hoffe andere Autobauer ziehen nach.
Bin_der_Neue 10.04.2015
5. Hirn vs. Hightech
Wer zum (sicheren) Autofahren Headup-Display oder gar Datenbrille benötigt, in denen Fahrspuren, Verkehrszeichen bzw. deren Bedeutung, Abstand zum Vordermann und andere grundlegende Parameter angezeigt werden, der sollte sich ernshaft fragen, ob er zum Führen eines Kraftfahrzeugs überhaupt geeignet ist. Sich gänzlich auf die Technik zu verlassen ist jedenfalls nicht der richtige Ansatz.
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