Aus Johannesburg berichtet Jochen Vorfelder
Brian Kiely kann extrem hartnäckig sein, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat: "Südafrika, das war mein Traum. Ich wollte mitmachen und mich frei von allem fühlen." Nachdem er bei den Vorausscheidungen im Westen Kanadas nur den dritten Platz belegt hatte, ritt er Wochen später 4000 Kilometer auf seiner GS ab, um dort an der zweiten "Challenge" im äußersten Osten des Landes teilzunehmen. Wieder nur Platz Drei, aber Kiely hat Glück. Der Zweitplatzierte wird disqualifiziert, der Sieger zieht kurzfristig zurück: "Ich hab Go Canada, Go geschrien!"
Der Brite Allistair Allan stolperte über eine kleine Anzeige in einer Motorradzeitung. Und qualifizierte sich. Ein Problem: Hier die einmalige Chance, da die Arbeit. "Eigentlich kann ich meine Farm nicht so lange allein lassen. Aber meine Frau sagte, wenn Du die zehn Tage nicht weg fliegst, hockst Du mir nur monatelang missmutig in der Bude rum."
Die meisten Mannschaften haben sich erst am Flughafen getroffen, die wenigsten sind vor der Trophy zusammen gefahren. Ein wenig Krafttraining hat jeder gemacht, ja, aber Zeit für ein echtes Trainingslager hatten nur die drei jungen Südafrikaner.
Gelungene Symbiose
Auch mir ist heiß, brutal heiß von der Pace, die Christian Pingitzer im zerfurchten Tiefsand in Mosambik an den Tag legt. Der Marketing-Mann von BMW fährt voraus; meine Maschine schlingert und wuchtet hinterher. Es sind noch 30 harte Kilometer bis zu unserem Tagesziel Ponta do Ouro am Indischen Ozean.
Einsame Stunden auf dem Motorrad regen die Gedanken an. Ganz schön clever, diese BMW-Leute: Jedem Länder-Team einen mitfahrenden Journalisten zuzuteilen, ist ein klassischer Fall von "Embedded Journalism Light". Die emotionale Bruderschaft verwischt die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Begeisterung. Erinnert mich an Greenpeace - wo sich man sich als kritischer Berichterstatter nach ein paar Tagen auf hoher See selbst als Aktionist fühlt und Wache halten will.
Sei es drum; Spaß macht das motorisierte Sandsurfen allemal. Und gegen die Symbiose - im Sinne von gegenseitigem Nutzen - ist unter unseren speziellen Umständen auch wenig einzuwenden: Zack, und schon hat es mich wieder auf die Fresse gehauen. Weich gefallen, trotzdem ist beim Anheben von 200 Kilo Leergewicht Pingitzers Power hoch willkommen. Einen Kilometer weiter in der nächsten Düne ist er dran und genauso dankbar für die Hilfe.
Team Deutschland
Auch Thomas Donnecker, Dirk Remmel und Werner Modelmann sind zum Gewinnen der GS Trophy nach Südafrika geflogen. Auch wenn sie es nicht zugeben mögen. Modelmann sagt: "Hey, klar könnten wir das Ding reißen. Aber in erster Linie wollen wir doch unseren Spaß haben und aus dem Alltag rauskommen."
Nach acht Tagen und 20 Sonderprüfungen ist Modelmann bei der Preisverleihung dann doch sichtlich enttäuscht. Im Team hat es gut gepasst, aber es lief nicht gut nach den ersten verheißungsvollen Tagen. Beim Final-Parcours ging gar alles schief; die langen Tage in Afrika haben Tribut gefordert und jegliche Konzentration wie ein trockener Schwamm aufgesaugt. Ein achter Platz. Christian Pingitzer verkündet andere Sieger: "And the winner is Team England."
Tomm Wolf ist jetzt ganz entspannt. Er nimmt mich zur Seite und lacht: "Sag ich doch: This is not a race. Zwei mittelalterliche Farmer und ein stark rauchender Bauunternehmer aus den Midlands. Wenn die die Internationale GS Trophy gewinnen, dann ist es definitiv kein Rennen. Sondern ein echtes Abenteuer."
Wolf kennt sich aus. Alle haben etwas für sich gewonnen. Er, die Fahrer und BMW: dreißig lebenslange Marken-Botschafter.
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