BMW GS Trophy 2010: Große Jungs im afrikanischen Buddelkasten

Aus Johannesburg berichtet Jochen Vorfelder

2. Teil: Abenteuer für Amateure

GS Trophy 2010: Anstrengendes Abenteuer Fotos
BMW / Beck

Brian Kiely kann extrem hartnäckig sein, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat: "Südafrika, das war mein Traum. Ich wollte mitmachen und mich frei von allem fühlen." Nachdem er bei den Vorausscheidungen im Westen Kanadas nur den dritten Platz belegt hatte, ritt er Wochen später 4000 Kilometer auf seiner GS ab, um dort an der zweiten "Challenge" im äußersten Osten des Landes teilzunehmen. Wieder nur Platz Drei, aber Kiely hat Glück. Der Zweitplatzierte wird disqualifiziert, der Sieger zieht kurzfristig zurück: "Ich hab Go Canada, Go geschrien!"

Der Brite Allistair Allan stolperte über eine kleine Anzeige in einer Motorradzeitung. Und qualifizierte sich. Ein Problem: Hier die einmalige Chance, da die Arbeit. "Eigentlich kann ich meine Farm nicht so lange allein lassen. Aber meine Frau sagte, wenn Du die zehn Tage nicht weg fliegst, hockst Du mir nur monatelang missmutig in der Bude rum."

Die meisten Mannschaften haben sich erst am Flughafen getroffen, die wenigsten sind vor der Trophy zusammen gefahren. Ein wenig Krafttraining hat jeder gemacht, ja, aber Zeit für ein echtes Trainingslager hatten nur die drei jungen Südafrikaner.

Gelungene Symbiose

Auch mir ist heiß, brutal heiß von der Pace, die Christian Pingitzer im zerfurchten Tiefsand in Mosambik an den Tag legt. Der Marketing-Mann von BMW fährt voraus; meine Maschine schlingert und wuchtet hinterher. Es sind noch 30 harte Kilometer bis zu unserem Tagesziel Ponta do Ouro am Indischen Ozean.

Einsame Stunden auf dem Motorrad regen die Gedanken an. Ganz schön clever, diese BMW-Leute: Jedem Länder-Team einen mitfahrenden Journalisten zuzuteilen, ist ein klassischer Fall von "Embedded Journalism Light". Die emotionale Bruderschaft verwischt die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Begeisterung. Erinnert mich an Greenpeace - wo sich man sich als kritischer Berichterstatter nach ein paar Tagen auf hoher See selbst als Aktionist fühlt und Wache halten will.

Sei es drum; Spaß macht das motorisierte Sandsurfen allemal. Und gegen die Symbiose - im Sinne von gegenseitigem Nutzen - ist unter unseren speziellen Umständen auch wenig einzuwenden: Zack, und schon hat es mich wieder auf die Fresse gehauen. Weich gefallen, trotzdem ist beim Anheben von 200 Kilo Leergewicht Pingitzers Power hoch willkommen. Einen Kilometer weiter in der nächsten Düne ist er dran und genauso dankbar für die Hilfe.

Team Deutschland

Auch Thomas Donnecker, Dirk Remmel und Werner Modelmann sind zum Gewinnen der GS Trophy nach Südafrika geflogen. Auch wenn sie es nicht zugeben mögen. Modelmann sagt: "Hey, klar könnten wir das Ding reißen. Aber in erster Linie wollen wir doch unseren Spaß haben und aus dem Alltag rauskommen."

Nach acht Tagen und 20 Sonderprüfungen ist Modelmann bei der Preisverleihung dann doch sichtlich enttäuscht. Im Team hat es gut gepasst, aber es lief nicht gut nach den ersten verheißungsvollen Tagen. Beim Final-Parcours ging gar alles schief; die langen Tage in Afrika haben Tribut gefordert und jegliche Konzentration wie ein trockener Schwamm aufgesaugt. Ein achter Platz. Christian Pingitzer verkündet andere Sieger: "And the winner is Team England."

Tomm Wolf ist jetzt ganz entspannt. Er nimmt mich zur Seite und lacht: "Sag ich doch: This is not a race. Zwei mittelalterliche Farmer und ein stark rauchender Bauunternehmer aus den Midlands. Wenn die die Internationale GS Trophy gewinnen, dann ist es definitiv kein Rennen. Sondern ein echtes Abenteuer."

Wolf kennt sich aus. Alle haben etwas für sich gewonnen. Er, die Fahrer und BMW: dreißig lebenslange Marken-Botschafter.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. BMW gegen die Welt
mischaman 28.11.2010
Ich bin Anfang der 70er kreuz und quer mit einer BMW 750 (damals das schwerste Moto)durch Europa und zweimal nach Afrika gefahren. Gutes, zuverlässiges Motorrad! Daß ich inzwischen seit vielen Jahren 'ne 600derter Honda fahre hat mehrere Gründe: ist viel billiger in Allem (Anschaffung, Unterhalt, Ersatzteile, etc.) - aber macht genauso viel Spaß!
2. Es war einmal...
mainzelmännchen 1 28.11.2010
...die Zeit der tollen GS und der Abenteuer: Vor mehr als zwanzig Jahren, als man noch allein mit einer R80GS (oder einer ölkühlerverschandelten R100GS) hinter den eisernen Vorhang touren konnte - ohne riesige Begleittrosse. Vielleicht kommt sie wieder.
3. Pr
plattenputzer 29.11.2010
Alles in allem eine Riesen-PR-Scheiße, die BMW da aufzieht. Die GS ist wirklich ein Mopped, mit dem man um die Welt kommt. Aber dieses betreute Kindergarten-Sandbuddelspiel? Da war es doch ein ganz anderes Kaliber, mit ner 30 Jahre alten XT 500 an der echten Paris-Dakar teilzunehmen und sogar anzukommen, wie es tatsächlich vor'n paar Jahren ein paar Hobbyschrauber hinbekommen haben. Das ist der Stoff, aus dem Legenden gestrickt werden.
4. ...
gummiball2 29.11.2010
Das Geld sollte BMW vielleicht in die Dakar-Rally stecken. Aber die wissen wohl, dass die gegen die KTMs keine Chance haben. Dann doch lieber solche Rennen, wo mit Sicherheit eine BMW als erste durchs Ziel kommt. Denkt sich einer.
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Zum Autor
Jochen Vorfelder ist passionierter Motorradfahrer. Er berichtet seit Jahren über die Bike-Szene und betreibt das Blog Moto1203. In der Rubrik Schräglage berichtet er für SPIEGEL ONLINE regelmäßig über die neuesten Zweirad-Entwicklungen. Alle bisher erschienen Schräglage-Folgen

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