BMW GS Trophy 2010: Große Jungs im afrikanischen Buddelkasten

Aus Johannesburg berichtet

Alle zwei Jahre schickt BMW Motorrad 30 Amateure auf die GS Trophy. 2010 ging es für die Teilnehmer durch den Süden Afrikas.  Eine Vergnügungsfahrt ist die Tour nicht. Wer mitmacht, muss mit anstrengenden Etappen, diversen Stürzen und bitteren Enttäuschungen rechnen.

GS Trophy 2010: Anstrengendes Abenteuer Fotos
BMW / Beck

Auf einem sandigen, tief gefurchten Waldpfad kurz hinter der Grenze zwischen Mosambik und Südafrika schießen Shigechika Aikawa die Tränen in die Augen. Es sind Tränen des Schmerzes und des Zorns auf sich selbst. Aikawa, der Toyota-Ingenieur aus Nagoya, ist völlig erschöpft. Sein Motorrad hat sich auf die Seite gelegt und ihn unter sich begraben. Die linke Fußraste hat ihm wohl durch den Stiefel hindurch einen Zeh gebrochen.

Doch diese Verletzung spürt er im Moment nicht, was ihn schmerzt, ist die Gewissheit: Er liegt hilflos im Sand und das ist unwiderruflich das Aus. Die GS Trophy 2010 ist für ihn gelaufen, sein Team Japan muss ohne ihn weiter fahren. Das Abenteuer, auf das er sich monatelang gefreut und vorbereitet hat, und von dessen erfolgreichem Ende er noch seinen Enkeln erzählen wollte, ist vorbei.

Aikawa ist einer der 30 Freizeitfahrer, die BMW zu einer Motorrad-Rallye durch Südafrika, Swasiland und Mosambik eingeladen hat. Die GS Trophy 2010 - die erste führte vor zwei Jahren durch Tunesien - ist ein symbiotisches Event. Alle Beteiligten geben und nehmen viel. Die Teilnehmer aus zwölf Nationen haben sich bei lokalen Vorausscheidungen für die Drei-Mann-Teams qualifiziert; für die meisten Fahrer ist die Woche im November, die BMW ihnen schenkt, die Motorrad-Tour ihres Lebens. Für BMW Motorrad Marketing ist die Veranstaltung zum 30jährigen Jubiläum der GS-Modellreihe ein weiterer Baustein, die Marktführerschaft ihrer Modelle in der Klasse der Groß-Enduros zu festigen.

Der Mastermind

Tomm Wolf ist ein raumgreifender Mensch mit einer riesigen Aura. Der sympathische Münchener strahlt Liebe zum Motorrad und Abenteuer aus. Der alt gediente BMW-Mann und Offroader ist der König im Fahrerlager; Wolf hat die Veranstaltung erfunden und vor Ort organisiert. Während der GS Trophy läuft der Film ab, den er ersonnen hat. "Ich bin mit meinen Leuten schon fast zwei Jahre dran. Ich schätze, wir haben 10.000 Kilometer Strecke durch Farmland, durch die Berge in Swasiland und die Sandstriche an der mosambikanischen Küste abgefahren, bis wir die Route beisammen hatten."

Die Drei-Länder-Rallye ist für die Auserwählten ein rauschhaftes Erlebnis, für BMW eine aberwitzige Logistikschlacht. Die Firma hat insgesamt 60 Motorräder, 50 leichtere 800er Modelle und 10 Boxer-Enduros, für die Veranstaltung aufbauen lassen und ins Land gebracht. Der Tross der Begleitfahrzeuge, der sich hinter den Teilnehmern, den südafrikanischen Guides und den Medienvertretern durchs Land wälzt, ist riesig: Ärzte, BMW-Videomannschaften, Abschleppfahrer, Gepäcktransporteure und Offizielle.

Tomm Wolf hat Kompromisse eingehen müssen: "Am liebsten mag ich immer noch die Touren mit ein oder zwei Leuten, bei denen man morgens nicht weiß, wo man abends ankommt." Nur an einem Punkt hat er nicht mit sich handeln lassen müssen: "Da waren BMW und ich uns hundert Prozent einig - die GS Trophy ist kein Rennen für Profis. Von der Trophy muss der normale GS-Fahrer zu Hause träumen können und sagen - eh, das könnte doch ich sein."

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30 Jahre BMW GS: Jubiläum für einen Klassiker
Deshalb wird die Trophy auch nicht wie ein Rennen ausgefahren. Die Gewinner werden auf den Etappen während zwanzig Sonderprüfungen ermittelt. Bei denen zählt nicht purer Speed, sondern Team-Geist, Geschicklichkeit, Kombinationsgabe und Navigationskönnen bringen die Punkte zum Sieg.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. BMW gegen die Welt
mischaman 28.11.2010
Ich bin Anfang der 70er kreuz und quer mit einer BMW 750 (damals das schwerste Moto)durch Europa und zweimal nach Afrika gefahren. Gutes, zuverlässiges Motorrad! Daß ich inzwischen seit vielen Jahren 'ne 600derter Honda fahre hat mehrere Gründe: ist viel billiger in Allem (Anschaffung, Unterhalt, Ersatzteile, etc.) - aber macht genauso viel Spaß!
2. Es war einmal...
mainzelmännchen 1 28.11.2010
...die Zeit der tollen GS und der Abenteuer: Vor mehr als zwanzig Jahren, als man noch allein mit einer R80GS (oder einer ölkühlerverschandelten R100GS) hinter den eisernen Vorhang touren konnte - ohne riesige Begleittrosse. Vielleicht kommt sie wieder.
3. Pr
plattenputzer 29.11.2010
Alles in allem eine Riesen-PR-Scheiße, die BMW da aufzieht. Die GS ist wirklich ein Mopped, mit dem man um die Welt kommt. Aber dieses betreute Kindergarten-Sandbuddelspiel? Da war es doch ein ganz anderes Kaliber, mit ner 30 Jahre alten XT 500 an der echten Paris-Dakar teilzunehmen und sogar anzukommen, wie es tatsächlich vor'n paar Jahren ein paar Hobbyschrauber hinbekommen haben. Das ist der Stoff, aus dem Legenden gestrickt werden.
4. ...
gummiball2 29.11.2010
Das Geld sollte BMW vielleicht in die Dakar-Rally stecken. Aber die wissen wohl, dass die gegen die KTMs keine Chance haben. Dann doch lieber solche Rennen, wo mit Sicherheit eine BMW als erste durchs Ziel kommt. Denkt sich einer.
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Zum Autor
Jochen Vorfelder ist passionierter Motorradfahrer. Er berichtet seit Jahren über die Bike-Szene und betreibt das Blog Moto1203. In der Rubrik Schräglage berichtet er für SPIEGEL ONLINE regelmäßig über die neuesten Zweirad-Entwicklungen. Alle bisher erschienen Schräglage-Folgen

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