Abgasmanipulation bei BMW Unternehmensspitze gesteht Diesel-Fehler ein

BMW hatte Tausende Fahrzeuge mit einer falschen Abgassoftware ausgestattet. Auf der Hauptversammlung gestand Unternehmenschef Harald Krüger den Fehler erstmals öffentlich ein - und klagte über die Konkurrenz.

BMW-Chef Harald Krüger
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BMW-Chef Harald Krüger


BMW-Chef Harald Krüger und Aufsichtsratschef Norbert Reithofer haben eine Panne bei der Abgasreinigung eines Dieselmotors eingeräumt, aber jede Absicht bestritten. "Uns ist vor einigen Jahren ein Fehler unterlaufen", sagte Krüger am Donnerstag auf der BMW-Hauptversammlung in München: Bei 11.700 BMW-Fahrzeugen der 5er und 7er Baureihe sei eine falsche Software aufgespielt worden. Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte im März den Rückruf der Autos wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung angeordnet.

Reithofer betonte, der "handwerkliche, menschliche Fehler" habe nicht dazu geführt, dass die Abgaswerte auf dem Prüfstand niedriger gewesen wären als auf der Straße. Krüger sagte: "Mit einer gezielten Manipulation von Motorsteuerung und Abgasreinigung hat das nichts zu tun." BMW hatte im Abgasskandal, der durch VW im Herbst 2015 ins Rollen kam, stets behauptet, keine Betrugssoftware in Fahrzeugen verbaut zu haben.

Abgasprobleme beim 320d

Ein erster Verdacht, auch BMW könnte illegale Abschalteinrichtungen eingesetzt haben, kam durch Tests der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf: Die Überprüfung eines BMW 320d hatte Ende 2017 ergeben, dass die Abgasreinigung ab einer Drehzahl von 2500 Umdrehungen pro Minute offenbar heruntergeregelt und ab 3500 Umdrehungen komplett ausgeschaltet wurde. Die Stickoxidwerte des Wagens waren im normalen Straßenbetrieb bis zu sieben Mal höher als auf dem Prüfstand.

BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich hatte die Messungen der DUH damals als "unseriös und an den Haaren herbeigezogen" bezeichnet. Die DUH habe den Wagen nicht wie ein normaler BMW-Fahrer bewegt, sondern "durch gezielte Schaltvorgänge" in Randbereiche gezwungen. Die Vorwürfe Fröhlichs muteten merkwürdig an, Drehzahlen um die 2500 Umdrehungen pro Minute sind bei Beschleunigungsvorgängen absolut üblich.

Hardware-Nachrüstung für BMW nicht sinnvoll

BMW wartet laut Krüger jetzt auf die Genehmigung der Behörden, um die korrigierte Software aufzuspielen. Harte Regulierungen seien heute populär, klagte der Firmenchef. BMW aktualisiere die Software seiner Euro-5-Dieselautos ab Baujahr 2011, halte aber eine Hardware-Nachrüstung für technisch nicht sinnvoll. Einen Seitenhieb teilte der BMW-Chef gegen VW aus. "Zur Wahrheit gehört auch: Das Handeln einiger Hersteller hat der gesamten Branche geschadet", sagte Krüger.

Auch das späte Eingeständnis von BMW, bei der Abgasreinigung einen "Fehler" gemacht zu haben, dürfte das Vertrauen der Kunden in die Aufrichtigkeit der Autoindustrie und deren Dieselmodelle nicht stärken.

ene/dpa



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taste-of-ink 17.05.2018
1.
"(...) Drehzahlen um die 2500 Umdrehungen pro Minute sind bei Beschleunigungsvorgängen absolut üblich." DAs mag für einen Downsizing-Benziner vielleicht zutreffen, für das vorliegende 2-Liter-Diesel-Aggregat ist die Aussage einfach nur falsch! Diese Drehzahl erreicht man bei dem Motor erst bei Autobahngeschwindigkeiten ab vielleicht 160 km/h. Bei normaler Fahrweise und Beschleunigung und in der Stadt erreiche ich diese Drehzahl nicht. Selbst wenn ich mit Kick-Down/Vollgas beschleunigen würde, würde ich mich nur für sehr kurze Zeit in dem Drehzahlbereich bewegen. Gerade in der Stadt habe ich Tempo 50 bereits nach wenigen Sekunden erreicht.
willhelm.schmitz 17.05.2018
2. Tja......
.... natürlich nicht mit Absicht, natürlich nur ein Versehen.... und natürlich ist eigentlich VW der Hauptschuldige, weil nur die ein schlechtes Bild auf die deutsche Automobilindustrie werfen..... So einfach ist das Weltbild der deutschen Spitzenmanager... Im Prinzip sollten die deutschen Autokäufer sich immer vor Augen halten, von welchen Strolchen sie ihre Autos so kaufen. Aber leider gibt es immer noch genug Unverbesserliche, denen der staatlich legitimierte "Beschiss" von VW und Co nichts anhaben kann, denn sonst würden die deutschen Automobilkonzerne nicht von Absatzrekord zu Absatzrekord rennen...... Das erinnert mich an die Geschichte mit den Fliegen....
smartphone 17.05.2018
3. Kochen alle(?) nur mit Lügen-Wasser
Also eines ist klar erkennbar, dass das höhere Management von den selben Consultern falsch beraten, Intern vor lauter Silokarriere man vergessen hat Wartungs- Entsorgungsklappen am Silo zu installieren.... im übrigen gibt es noch andere Skandalplätze . die EU 540/2014 Norm besagt, das sog Klappenauspuffe verboten, ein KFZ max 70 dB in JEDEM Beriebszustand nur absondern darf. Das Lärm-Problem betrifft durchgängig alle highend- KFZ udn nich tnur Tim WIeses Lamborghini. Dann nochwas , werden an der Grenze alle LKW zurückgeschickt mit manipulierter AdBlue-Abschaltung ?? ....
DerBlicker 17.05.2018
4. die Käufer sind eben klüger
Zitat von willhelm.schmitz.... natürlich nicht mit Absicht, natürlich nur ein Versehen.... und natürlich ist eigentlich VW der Hauptschuldige, weil nur die ein schlechtes Bild auf die deutsche Automobilindustrie werfen..... So einfach ist das Weltbild der deutschen Spitzenmanager... Im Prinzip sollten die deutschen Autokäufer sich immer vor Augen halten, von welchen Strolchen sie ihre Autos so kaufen. Aber leider gibt es immer noch genug Unverbesserliche, denen der staatlich legitimierte "Beschiss" von VW und Co nichts anhaben kann, denn sonst würden die deutschen Automobilkonzerne nicht von Absatzrekord zu Absatzrekord rennen...... Das erinnert mich an die Geschichte mit den Fliegen....
Sie wissen ganz genau, dass die Diesel der Franzosen , Italiener Amerikaner, Koreaner und Japaner viel dreckiger sind. Italien z.B. unternimmt nur nichts gegen die dreckigen Diesel von FiatChrysler. Die aktuellen Euro 6 dtemp Diesel der deutschen Hersteller sind die saubersten und sparsamsten und stärksten Diesel der Welt, das zeigen alle aktuellen Tests, warum soll man dann woanders kaufen? Die Vergangenheit interessiert niemand.
smartphone 17.05.2018
5. Kochen alle(?) nur mit Lügen-Wasser
Also eines ist klar erkennbar, dass das höhere Management von den selben Consultern falsch beraten, Intern vor lauter Silokarriere man vergessen hat Wartungs- Entsorgungsklappen am Silo zu installieren.... im übrigen gibt es noch andere Skandalplätze . die EU 540/2014 Norm besagt, das sog Klappenauspuffe verboten, ein KFZ max 70 dB in JEDEM Beriebszustand nur absondern darf. Das Lärm-Problem betrifft durchgängig alle highend- KFZ und nicht nur Tim WIeses Lamborghini. Dann nochwas , werden an der Grenze alle LKW zurückgeschickt mit manipulierter AdBlue-Abschaltung ?? ....
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