BMW i3 im Winter Aus Freude am Frieren

Wenn es kalt wird, sinkt die Reichweite eines Elektroautos dramatisch. Und: Je mehr man heizt, umso weniger weit kommt man. Egal, unser Autor Michael Specht möchte nicht auf seinen BMW i3 verzichten - trotz kalter Finger.

Michael Specht

Kalte Hände, nasses und schmutziges Ladekabel, Schnee auf dem Stecker und zu allem Glück noch weniger Reichweite: Läuft ja bestens, das Abenteuer Elektroauto im Winter.

Manchmal beneide ich sie schon ein bisschen, die Fahrer in ihren Benzin- und Dieselkutschen. Nicht wegen ihrer öligen Motoren und miesen Abgase. Da tun sie mir eher leid. Nein, wegen der wohligen Temperaturen im Innenraum und den nicht beschlagenen Scheiben. Weil ihre Verbrennungsmotoren dermaßen viel Abfallwärme produzieren, dass diese zum offenen Fenster wieder herausgeblasen werden könnte. Nicht umsonst ist der Wirkungsgrad so schlecht.

Ganz anders verhält sich die Sache in einem E-Auto. Alle Energie kommt einzig und allein aus der Batterie. Klar könnte ich auch bei meinem BMW i3 Heizung und Gebläse auf "volle Pulle" stellen, irgendwie wird die Kiste dann schon warm. Aber das geht nur, wenn Restkapazität der Batterie und Fahrtziel in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Denn Winterbetrieb schränkt den Aktionsradius von Elektrofahrzeugen ganz erheblich ein, besonders von jenen aus der "Kreidezeit der E-Mobilität". Dazu gehört zweifellos der BMW i3 aus erster Generation, der 2013 auf dem deutschen Markt startete. So hypermodern sein Design auch ist, seine sommerliche Alltagsreichweite liegt bei 140 Kilometern. Mehr sind auch bei zartestem Umgang mit dem Pedal nicht drin. Die neue Version des E-Mobils kommt laut BMW auf 200 Kilometer.

Sinken die Temperaturen allerdings auf den Gefrierpunkt oder darunter, fühlen sich weder die Lithium-Ionen-Zellen sonderlich wohl, noch die Insassen im Auto. Als Bruttoreichweite zeigt das Display bei gefüllter Batterie dann noch maximal 115 Kilometer an. Und das Einschalten der Heizung wird augenblicklich mit einem Abzug von mindestens 25 Kilometern "bestraft". Bleiben also 90 Kilometer.

Der i3 muss täglich an die Dose

Eigentlich ein Witz. Aber es reicht für den städtischen Bedarf, zwingt allerdings zu mehr Ladedisziplin. Der i3 muss jetzt täglich an die Dose. Je nach Wetterlage gestaltet sich das mal mehr, mal weniger angenehm. Dabei ist das Einstöpseln des Ladekabels noch okay, weil trocken und sauber.

Aufladen im Winter
Michael Specht

Aufladen im Winter

Hat es jedoch über Nacht geschneit und womöglich noch gefroren, und das Auto steht nicht in einer Garage oder geschützt unter einem Carport, sieht die Handhabung schon anders aus. Zwar muss man keine Angst vor einem Kurzschluss oder Stromschlag haben, doch gibt es schönere Morgenrituale, als auf dem Weg ins Büro ein nasses und schmutziges Kabel aufzuwickeln und vorne unter die Haube verfrachten zu müssen. Linderung versprechen gummierte Arbeitshandschuhe aus dem Baumarkt. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, in dieser Situation irgendwie von Nachbarn und Normalautofahrern belächelt zu werden.

Meinen gefütterten Lederhandschuhen - sie liegen wohlbedacht über Nacht auf der Heizung im Flur - kommt ebenfalls eine wichtige Aufgabe zu. BMW hat es leider versäumt, aus welchen Gründen auch immer und anders als bei allen anderen Modellen, für den i3 eine Lenkradheizung anzubieten. Nicht einmal zur Modellpflege nach vier Jahren hat da jemand dran gedacht, obwohl der i3 dieses Feature am nötigsten gehabt hätte. Denn bei Frost ist der Metallkranz unter der Lenkradhülle dermaßen kalt, dass es einem die Wärme förmlich aus den Händen zieht und sie auch nach vielen Kilometern nicht zu ihrer gewohnten Temperatur zurückfinden. Ähnlich muss es früher VW-Käfer-Fahrern ergangen sein.

Handschuhe statt Lenkradheizung im BMW i3
Michael Specht

Handschuhe statt Lenkradheizung im BMW i3

BMW verteidigt das Fehlen dieses Extras mit dem Hinweis, es gebe ja serienmäßig eine Art Standheizung für den i3, aktivierbar über das Smartphone. Stimmt, ich nutze das sogar so oft wie möglich, schon, um kein Eis von den Scheiben kratzen zu müssen. Aber bei diesem Vorwärmen kommt der Strom nur dann aus dem Netz, wenn das dicke Kabel mit Menneke- oder CCS-Stecker verbunden ist. Bei einer normalen Haushaltssteckdose klappt das nicht. Hier muss die Batterie die volle Energie liefern - und hat danach entsprechend weniger Reichweite. Und selbst dann wird das Lenkrad nicht warm, weil die Lüftungsdüsen viel zu weit entfernt liegen.

Den frühen Einstieg in die E-Mobilität nie bereut

Seit vier Jahren fahre ich nun i3. Doch trotz Minimalreichweite und eingeschränkter winterliche Fahrfreude: Den frühen Einstieg in die Elektromobilität habe ich bislang mit keinem einzigen der bislang gefahrenen 45.000 Kilometer bereut. Mögen die Fahrer in ihren Dieseln und Benzinern kurzfristig auch ein paar Grad Temperaturvorteile haben.

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insgesamt 377 Beiträge
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Sandbänker 01.03.2018
1. Ganz toll,
ein "Fahrzeug" mit dem man von Hamburg aus keinen Tagesausflug an Ost- oder Nordsee durchführen kann und im Winter froh sein muss die Küste überhaupt zu erreichen. Aber dafür ist der Autor sicher Eigner eines zusätzlichen, richtigen Automobils und jettet ansonsten in der Weltgeschichte herum um dem Winter zu entkommen?
aurichter 01.03.2018
2. Ja Klasse
Herr BMW i3, jetzt wissen wir Luftverpester wie toll man(n) sich fühlt mit der super fortschrittlichen Elektrokiste mit 90km Reichweite und einer super fortschrittlichen Heizung, die nichteinmal das Lenkrad wärmt noch die Scheiben freihält. Zu guter Letzt bekommt der Stinker noch einen Tritt vor's Schienbein, da fühlt sich der normale Autofahrer, der sich die "moderaten" Anschaffungskosten für diese E-Kisten nicht aus dem Ärmel schütteln, gleich viel wohler. Entspricht in etwa dem Gefühl eines Räucherstäbchen, der über Jahre von Mitmenschen, auch Anti-Raucher-Fetischisten und der Gemeinde Gesundheitsorganisation permanent drangsaliert und an den Pranger gestellt wird. Da freut man sich nun ob dieses Erfahrungsberichtes auf zukünftige E-Mobilität im Winter, auch wenn es für manchen Pendler gerade einmal zur Arbeitsstelle reicht, übernachten kann man dann ja auf Arbeit. Habe echt Mitleid mit Ihnen, da bei dem Neupreis gewisse erforderliche Utensilien zum Fahrzeug erst später in der Aufpreisliste auftauchen und bitter benötigt werden, da ansonsten der Winterbetrieb einem Dejavue mit einem Nachkriegskäfer gleichkommt, bei geöffnetem Seitenfenster den Kopf Hinausstrecken und die Strasse im Blick behalten. Die einzige Botschaft daraus ist vermutlich nur dem deutschen Dieselfahrer das fahren zu vermeiden. Positives bzgl E-Mobilität ist nicht zu erkennen. Frohes zittern noch ;-)
harry2405 01.03.2018
3. Übergangstechnologie
So warm ist es in diesem Tagen in einem Dieselfahrzeug ohne Standheizung nun auch nicht. Eben wegen des - im Gegensatz zum Benziner - höheren Wirkungsgrades dauert es 15 - 20 km, bis es angenehm warm wird. Von einem Wärmeüberschuß, der auch das Öffnen der Fenster bei Minusgraden erlaubt, kann überhaupt keine Rede sein. Dennoch sind die beschriebenen Probleme von E-Autos bei Kälte die reinste Antiwerbung für diese Antriebsart. Sie sind teuer, technologisch bald wieder veraltet und haben eine geringe Reichweite. Das kann nur eine Übergangstechnologie auf dem Weg zur Brennstoffzelle sein.
zimmi0102 01.03.2018
4. Nicht ein einziges sinnvolles Argument für den i3
Es ist schon fast bedauernswert, wie der Autor in Ermangelung irgendeines Arguments zu einem positiven Fazit zum i3 gelangt. Heute Nacht sind es um -10 Grad. Welche Reichweite hat der i3 jetzt noch? 30km, oder vielleicht 50? Aber bitte nur ohne Heizung, Licht etc. Apropos: Ja, der Wirkungsgrad des Dieselmotors ist kleiner als der eines Elektromotors. Aber mal überlegt, woher der Kohlestromer seine Energie bezieht? Ich glaube, dass die regenerative Energie gerade ein bisschen schwächelt ;-)
Der einfache Bürger 01.03.2018
5. Sauber?
Die Herstellung der Akkus und die Entsorgung, die ja irgendwann mal fällig werden, belasten die Umwelt in einem hohen Maße. Ebenso der Strom, der für die Ladung benötigt wird. Er wird bisher überwiegend von Kohlekraftwerken geliefert. Elektrofahrzeuge sind ineffizient und belasten ebenfalls indirekt die Umwelt in einem hohen Maße. Außerdem gehen auch noch die nicht unerheblichen Subventionen zu Lasten der Steuerzahler.
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