Verkaufsstart BMW i3 Wendig, fix und ein wenig filzig

Der BMW i3 ist das erste Elektroauto in Großserie aus Deutschland. Beim Verkaufsstart treffen typische BMW-Kunden auf das unkonventionelle Modell mit Hanf in der Türverkleidung. Wie kommt der E-BMW bei Bankdirektoren an? Ein Besuch bei der Vorab-Premiere.

Ralph Nitz

Von


Hamburg - Die Rede von Erik Santer klingt wie aus dem Lehrbuch. "Ich habe meine Diplomarbeit noch auf einer Adler Triumph geschrieben", sagt der Chef der BMW-Niederlassung Hamburg. Heute tippe jeder auf dem PC. Der Mann im schwarzen Anzug philosophiert über alte Farbfilme von Kodak, den verpassten Sprung in die Gegenwart und neue Konkurrenten wie den US-Autobauer Tesla. Es ist Freitagabend, Santer hat ein paar hundert Gäste eingeladen, die zwischen glänzenden Neuwagen an Sektkelchen nippen und Brotscheiben in Pesto dippen. Fast pastoral redet der Kaufmann auf sie ein.

Dabei wird doch nur ein neues Auto präsentiert. Oder?

Beim Elektroauto BMW i3 ist einiges anders als bei herkömmlichen deutschen Modellen: Türverkleidungen bestehen aus gepresstem Hanf, die Passagiere sitzen auf recycelten Plastikflaschen, als Extra gibt es mit Olivenblättern gegerbtes Leder. Von diesem Samstag an stehen i3-Modelle bei 46 BMW-Händlern in Deutschland. Sie feierten am Freitag die Markteinführung. Seit Monaten bereitet die Konzernzentrale den Händlerstart mit einer großangelegten Werbekampagne vor; die Höhe des millionenschweren Marketingbudgets verrät sie nicht. Nun wird es ernst; das Auto muss aus der schönen Werbewelt zum Kunden. Was denken die potentiellen Käufer?

M ist bei BMW das Anti-i

"Da ist ja gar kein Motor drin", scherzt ein Gast im dunklen Anzug bei der Vorstellung in Hamburg, als er einen Blick unter die kurze Fronthaube wirft. Ein kleines schwarzes Loch nimmt gerade eine Handtasche auf. Beim i3 arbeitet der 170-PS-starke Elektromotor im Heck und bringt die Kraft direkt an die Hinterräder. "Von Null auf 60 km/h ist der i3 so schnell wie ein M3", schwärmt Santer die Beschleunigung in weniger als vier Sekunden. M ist bei BMW so was wie das Anti-i. PS-strotzende Kraftwerke mit fetten Achtzylindermotoren und Turbolader.

Im Betriebshof des Autohauses steht das Elektroauto zu Probefahrten bereit. Erhard Mohnen, Direktor der Commerzbank in Hamburg steigt ein. Auf dem Rücksitz begrüßt ihn der Product Genius, ein von BMW für den i3 geschaffener neuer Verkäufer-Typ mit Spezialwissen. Gregor Timm, 28 Jahre, trägt blaue Hose und weißes T-Shirt. Seine Haare gelt er in kesser Tolle zur Seite, zuletzt arbeitete er für Mini als Verkäufer.

"Sind Sie schon mal E-Auto gefahren?", fragt er den Bankdirektor. Mohnen schüttelt den Kopf, startet das Auto und drückt beherzt das Gaspedal durch. Ihm entfährt ein "Wahnsinn", das so beeindruckt klingt als stünde er gerade vor den Niagarafällen. "Unglaublich", steigert er sich, leichte Wangenröte im Gesicht. "Jetzt den Wendekreis von unter zehn Metern genießen", sagt Timm und fordert Mohnen zum Umdrehen auf. "Ich bin überrascht von der Wendigkeit", formuliert der Banker. Timm kontert im Marketingsprech: "Ah, Sie sind elektrisiert!"

Interieur wie "gepresste Filzpantoffeln"

So wie Mohnen geht es den meisten an dem Abend. Nur wenige wundern sich über das nachhaltige Interieur, das sie als "gepresste Filzpantoffeln" abstempeln oder über den für einen Kompaktwagen sehr hohen Preis. 34.950 Euro kostet der BMW i3 mindestens, im Showroom von Santer steht aber ein Modell, das mit Reichweitenverlängerer auf 51.220 Euro kommt. Dennoch sei der i3 beim BMW-Händler bis Mitte nächsten Jahres ausverkauft. 50 feste Bestellungen liegen der BMW-Niederlassung in Hamburg vor und 200 Reservierungen. Nach Angaben von BMW haben weltweit etwa 9000 Menschen den Wagen blind gekauft oder reserviert.

Angesichts dieser Zahlen erscheint BMWs Ziel von 30.000 bis 40.000 jährlich verkauften Autos erreichbar. Oder ist es nur ein großer Hype, der schnell verpufft?

Händler müssen BMW die i3-Modelle nicht abkaufen

"Das ist alles ein großes Experiment", sagt der Autoexperte der Beratungsfirma Bearing Point Anton Weig. Niemand wisse derzeit genau, wohin die Reise in der Autoindustrie geht. Selbst in der BMW-Zentrale in München gab es für die Elektrostrategie nicht nur Unterstützer, sondern Zweifler, die nicht an die batterieelektrische Zukunft glaubten. Um die Skepsis der Händler zu brechen und den Wagen massiv in die Showrooms zu pushen, setzt BMW auf neue Vertriebswege. Den i3 können Kunden sich als ersten BMW online oder per Telefon bestellen. Ausgeliefert wird nach wie vor im Autohaus.

Für die 46 ausgewählten Händler gelten ebenfalls veränderte Vertragsbedingungen. Sie müssen dem Hersteller nicht wie üblich das Fahrzeug abkaufen und auf eigenes Risiko vertreiben. Bis zum Verkauf bleibt der i3 im Eigentum der Zentrale.

Der Chef der Hamburger BMW-Niederlassung Santer bezeichnet den Verkauf des i3 als "Spaßgeschäft". Eine doppeldeutige Aussage, die auf geringe Verkaufserlöse für die Händler deutet. Die sollen deutlich unter denen von Modellen wie Einser oder Dreier liegen.

Santer formuliert es diplomatisch: Das i-Geschäft sei "ein kleines Pflänzchen, das sprießt."

Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 219 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jostis 16.11.2013
1. Nicht fertig
Wenn man an die interna von BMW rankommt dann stoppt jeden Tag mehrmals die Produktion im Werk weil Fehler noch reichlich vorhanden sind. Hier in der Schweiz kann man zur Vorstellung garkein Auto fahren weil jeder Händler nur eins hat. War für eine Mini Vorstellung für einen Premium Hersteller
seikor 16.11.2013
2. so ein Quark...
Zitat von sysopRalph NitzDer BMW i3 ist das erste Elektroauto aus Deutschland. Beim Verkaufsstart treffen typische BMW-Kunden auf das unkonventionelle Modell mit Hanf in der Türverkleidung. Wie kommt der E-BMW bei Bankdirektoren an? Ein Besuch bei der Vorab-Premiere. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/bmw-i3-so-reagieren-kunden-beim-verkaufsstart-des-elektroautos-a-933949.html
Deutschland hat schon viele Elektroautos produziert, das im Artikel beschriebene ist das erste von BMW... VW Golf Citystromer, Cityel, Colenta, Hotzenblitz, Twike... fahrzeuge [elweb] (http://elweb.info/dokuwiki/doku.php?id=fahrzeuge) Wahrscheinlich fangen bei dem Autor des Artikels "Autos" erst bei "BMW" an? Alles drunter sind Platikschüsseln mit Rädern? Zur Erinnerung: "Automobil" bedeutet selbst bewegliches Fahrzeug. Ich freu mich schon auf die ganzen Hetzkommentare jener, die weder in einem Elektroauto saßen, noch je eines gesehen haben, aber eines ganz genau wissen: völlig unmöglich, dass das Elektroauto eine Person von A nach B bringt, weil ja... völlig unmöglich, sich in ein Auto zu setzen, dass nur (!) 100km am Stück fahren kann... das verbietet schon der Energieerhaltungssatz... /stammtischgelaberAn /ausblend. Währenddessen fahr ich gemütlich und streßfrei mit meinem Elektroauto auf dem Land von einem Dorf ins andere...
t.h.wolff 16.11.2013
3.
Zitat von sysopRalph NitzDer BMW i3 ist das erste Elektroauto aus Deutschland. Beim Verkaufsstart treffen typische BMW-Kunden auf das unkonventionelle Modell mit Hanf in der Türverkleidung. Wie kommt der E-BMW bei Bankdirektoren an? Ein Besuch bei der Vorab-Premiere. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/bmw-i3-so-reagieren-kunden-beim-verkaufsstart-des-elektroautos-a-933949.html
Nicht nur das Interieur erinnert an gepresste Filzpantoffeln.
mischpot 16.11.2013
4. Das Phallus Symbol
soll wohl der Schaltknüppel sein. Vielleicht ist der ja abnehmbar und Batteriebetrieben. LOL
raber 16.11.2013
5. Stolzer Preis für kleines deutsches Elektroauto
Lieber spät als nie. Nun auch ein deutsches Elektroauto. Abwarten wie alles verläuft. Da wird ein stolzer Preis verlangt. SPON schreibt "die Beschleunigung in weniger als vier Sekunden" und im Fahrzeugschein steht 7,2 s. Erstaunlich wie auf die Details aufgepasst wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.