BMW-Studie Vision Future Luxury Jetzt kommt's dicke

BMW steht im Öko-Ranking an der Spitze. Doch nach den Elektroautos i3 und i8 geht es wieder Richtung Oligarchen-Prunk. Die Bayern bauen den Riesen-SUV X7, in Peking wurde eine pompöse Limousine enthüllt. Was will der Konzern eigentlich?

BMW

Im inoffiziellen Öko-Ranking der Autoindustrie steht BMW derzeit an der Spitze. Das Elektroauto i3, der Hybrid-Sportwagen i8 und dann auch noch ein familienfreundlicher Frontantriebs-Van namens 2er Active Tourer - fehlt bloß noch, dass der Vorstand in Latzhose und Birkenstock-Schuhen die nächsten Quartalszahlen verkündet. Jetzt jedoch legen die Bayern eine rasante Kehrwende hin. Auf der Autoshow in Peking enthüllte BMW die Studie einer riesigen Luxuslimousine und vor wenigen Tagen verkündete Vorstandschef Norbert Reithofer, dass es künftig auch einen BMW X7 geben wird, eine Art Super-SUV, made in USA.

Kann so viel Gegensätzlichkeit gutgehen? Lässt sich ein Image derart dehnen, ohne Schaden zu nehmen? "Das funktioniert durchaus, denn BMW steht für teure, technisch hochwertige und hedonistische Autos", sagt Stephan Urlings, Diplompsychologe und Geschäftsführer des unabhängigen Marktforschungsinstituts Rheingold. "So lange BMW diesen Prinzipien treu bleibt, können die Autos sehr groß oder sehr klein sein, das Image wird darunter nicht leiden."

"Wir wollen das eine tun, ohne das andere zu lassen", sagt Hildegard Wortmann, die Leiterin des globalen Produktmanagements bei BMW. Die Marke könne für beide Extreme gleichzeitig stehen: progressive Autos mit Elektroantrieb und Carbonkarosse sowie Luxusliner nach alter Väter Sitte. Man dürfe nämlich bei allem Hype um die neuen Modelle die angestammten Kunden nicht vergessen. Es sei an der Zeit gewesen, "auch im Luxussegment mal wieder ein Statement zu machen", sagt Wortmann. "Wir sind weltweit die Premiummarke Nummer eins, und das wollen wir natürlich auch bleiben."

Warum nicht auch einen BMW 9er bauen?

Dazu braucht es offenbar auch Typen mit Zwölfzylindermotor und einer Karosserie im Format eines Oligarchen-Egos - so wie das Messeauto aus Peking. Zum Antriebskonzept der Studie gibt es keine Informationen, der Wagen, der - von den gegenläufig angeschlagenen Türen und einigen Aerodynamik-Kapriolen einmal abgesehen - als Stilvorlage für den nächsten 7er oder einen möglichen 9er gelten kann, punktet vor allem mit Ambiente und Ausstattung.

Das beginnt beim Materialkonzept namens "milled volumes". Diese "gefrästen Volumen" werden aus einem Materialverbund herausgearbeitet, der wie Blätterteig aus mehreren Schichten besteht. Je nachdem, welche Oberfläche und Funktion an welcher Stelle des Interieurs benötigt wird, werden die darüberliegenden Schichten abgetragen. Das sorgt für optische Klarheit, spart Gewicht und vermeidet Fugen.

Dazu gibt es zwei Bildschirme im Cockpit und ein neues Head-up-Display, das nicht mehr allein die Frontscheibe als Projektionsfläche nutzt, sondern wichtige Informationen direkt in die Umgebung projiziert. Auch der Beifahrer erhält ein Display, das per Gestensteuerung bedient wird. Der Fond ist als eine Art Separée gestaltet, mit tiefen Leder-Einzelsitzen. "Personal Space" nennen die BMW-Designer das Konzept, zu dem Holzflächen mit eingearbeiteten Lichtlamellen ebenso gehören wie ausklappbare Tische, große Bildschirme in den Rückenlehnen der Vordersitze und zwei Tablet-Computer zur Steuerung der Komfortfunktionen.

Es ist noch Platz im Club der 200.000-Euro-Autos

Über die konkrete Zukunft des futuristischen Prunkwagens aus Peking gibt es noch keine weiteren Pläne. BMW-Planerin Hildegard Wortmann sagt jedoch, dass sie im Preissegment zwischen 150.000 und 250.000 Euro durchaus noch Platz für einen BMW sieht. "Zumal das ein Segment ist, in dem wir weltweit eine wachsende Nachfrage und viel Bewegung registrieren."

Die Nachfrage nach SUVs ist schon jetzt immens, jeder vierte weltweit verkaufte BMW ist ein X-Modell. Da wirkt es nur logisch, dass BMW das Angebot nach oben ausbaut - mit dem X7. Der Riesen-SUV soll 2017 auf den Markt kommen, mit drei Sitzreihen, bis zu sieben Sitzplätzen und daher deutlich länger als fünf Meter. Das Konkurrenzmodell Mercedes GL misst 5,12 Meter und wiegt rund zweieinhalb Tonnen.

Der größte BMW-SUV aus dem dann größten BMW-Werk

Etwa dieses Format wird wohl auch der dann größte SUV von BMW haben, von dem sich die Münchner vor allem in den USA, in China und in Russland beste Absatzchancen erhoffen. Gebaut werden soll das Trumm im Werk in Spartanburg im US-Staat South Carolina. In den nächsten Jahren werden dort 730 Millionen Euro investiert, um die Jahreskapazität von derzeit 300.000 auf 450.000 Fahrzeuge aufzustocken - es wird dann die größte BMW-Fabrik sein.

Angesichts dieses Gigantismus - größter SUV, größte Fabrik, größtes Wachstum - wirkt das groß inszenierte "project i" eher wie ein PR-Feuerwerk. Zumal BMW auch bei dem elektrischen Vorzeigeauto keinen Millimeter vom Prinzip des automobilen Hedonismus abweicht. Der BMW i3 ist zwar ein Kleinwagen mit Elektroantrieb, aber er kostet so viel wie zwei konventionell angetriebene Kompaktautos, und er verbreitet eine Aura, die leicht von oben herab Dominanz und Status demonstriert. "Es wird nicht wenige i3-Besitzer geben, bei denen in der Garage auch noch ein 7er steht", sagt Marktforscher Stephan Urlings. Das zeige einerseits die Schlüssigkeit des Konzepts, und andererseits, dass "BMW ganz sicher nicht sehr ökologisch ist".

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
women_1900 24.04.2014
1.
Na was will der Konzern wohl? Protz- und Prunkautos verkaufen, mit finanziert von den Käufern der kleineren KFZs und damit die CO2 Bilanz nicht ganz so katastrophal ausschaut, sollen die "dummen" Kunden die E-Autos kaufen. Damit die Oligarchen auch die Protzautos kaufen können, funktioniert doch unsere Frau Merkel wunderbar. Die deutschen Steuerzahler sichern das Geld der Oligarchen, war mit Zypern so, ist in der Ukraien so + wird auch so bleiben. Eine üppige Spende der Familie Quandt an die CDU sichert die Handlungs- und Denkweise unserer Regentin.
reitensamos 24.04.2014
2. Ist doch offensichtlich
Was der BMW-Konzern will? Mehr Gewinn, überschaubare Dividenden, keine Steuern zahlen. So einfach ist das.
awoth 24.04.2014
3. Das Nummernschild
kenne ich schon: M-XX 6666 Au weia! Welche Würschtl müssen sich bloss mit sowas aufwerten??
barstow 24.04.2014
4. Was der Konzern will?
Geld verdienen, und das geht am besten im Luxussegment
smolnyj39 24.04.2014
5.
sieht geil aus. zu zeit nicht in meinem Budget, aber in 10 Jahren lege ich mir so einen zu.
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