BMW-Museum Staunen über Vorgestern

In einer Woche wird das umgebaute und vergrößerte BMW-Museum in München eröffnet. Um den Altmetalltempel zum Start aufzupeppen, wird dort erstmals die futuristische Studie BMW Gina gezeigt. Der Roadster mit der fulminanten Form ist allerdings schon sieben Jahre alt.


Vier Jahre lang wurde die bisherige "Museumsschüssel" von BMW umgebaut und erweitert, am 21. Juni wird der neue Bau eröffnet. Endlich kann auch BMW - wie bereits Mercedes in Stuttgart oder Audi in Ingolstadt - seine Markenhistorie in angemessenem Rahmen ausbreiten.

Auf 5000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind rund 125 Fahrzeuge plaziert, gegliedert ist das Ganze in 25 Bereiche und wer fleißig herumspaziert, trifft sie alle wieder, die BMW-Typen, die Geschichte schrieben wie der legendäre Roadster BMW 507, der füllige "Barockengel" oder die Alltagssportwagen der wilden 02er-Baureihe.

Zur Neueröffnung des Werksmuseums gleich am Unternehmenssitz unweit des Olympiageländes wollte BMW aber auch etwas ganz Besonderes zeigen. Auf der Suche danach tauchten offenbar einige Mitarbeiter ins geheime Magazin ab - und kamen mit der Studie Gina wieder hervor.

Das Kürzel Gina, so teilt BMW jetzt mit, stehe für "Geometrie und Funktionen in N-facher Ausprägung". Weil das kein Mensch kapiert, hier der Versuch, das Forschungsfahrzeug in einem Satz zu beschreiben: Das Auto verfügt nicht wie üblich über eine Blechkarosserie, sondern über eine nahezu fugenlose Außenhülle aus einem Textilgewebe, das über eine Unterkonstruktion gespannt ist.

Insgesamt sind es nur vier große Textilstücke, aus denen die komplette Karosserie gebildet wird. Das hat zur Folge, dass beim Öffnen der Türen mehrere Falten in der Oberfläche entstehen - in etwa so, als ob man eine Tischdecke anlupft. Werden die Türen wieder geschlossen, spannt sich auch die Textilhaut wieder glatt über den Unterbau. BMW feiert dieses System als "bahnbrechend". Ebenso die Tatsache, dass die ausgeschalteten Scheinwerfer von Textilgewebe verhüllt sind. Der Stoff öffnet sich erst, wenn zum Beispiel das Abblendlicht eingeschaltet wird.

Sieben Jahre in der Versenkung

Das Wunderlichste am BMW-Gina-Konzept aber ist die Tatsache, dass es bereits aus dem Jahre 2001 stammt. Damals aber wurde der Wagen als geheime Kommandosache behandelt und folglich nicht gezeigt. Spätere Studien wie etwa das Konzeptauto CS1 aus dem Jahr 2002 oder die Fertigungstechnik der Motorhauben der aktuellen BMW-Z4-Modelle gehen jedoch auf das Gina-Projekt zurück, erklären die Münchner.

Wahrscheinlich hätte das Auto nie jemand außerhalb der BMW-Design- und Entwicklungsabteilung zu Gesicht bekommen, wenn nicht gerade jetzt zur Museumseröffnung ein spezieller Auto-Kick nötig gewesen wäre, der ein bisschen moderner aussieht als die allermeisten anderen Exponate. Andererseits: Für eine sieben Jahre alte Studie ist ein Museum eigentlich der perfekte Ort, um die Zukunft abzuwarten.

jüp



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