Deutsche SUVs in den USA Schwer im Kommen

Die US-Autokonzerne erfanden einst den SUV. Heute profitieren vor allem andere Marken von dem Boom - allen voran die deutschen Hersteller. Sehen Sie hier, welche neuen Modelle BMW, Porsche und Co. nun präsentiert haben.

Volkswagen

Aus Detroit berichtet


Im vergangenen Mai kippte der Automarkt. Es war der Monat, in dem erstmals in den USA mehr SUVs und von Geländewagen-Optik geprägte Cross-Over-Modelle verkauft wurden als klassische Limousinen. Insgesamt kletterte der Absatz der auf Komfort und Sportlichkeit getrimmten Allradler 2014 um knapp zwölf Prozent auf 5,3 Millionen Fahrzeuge - das gab es bis dato noch nie in den USA.

Vom SUV-Trend, der ursprünglich aus den USA kommt, profitieren vor allem auch die deutschen Hersteller. Ein Bummel über die gerade stattfindende größte Automesse des Landes - die Auto-Show in Detroit - bestätigt das einmal mehr. Im sogenannten Premiumsegment, wo Ausstattungsoptionen der Hersteller zahlreich und die Brieftaschen der Kunden dick sind, geben BMW und Co. längst den Ton an. Das gute Abschneiden der deutschen Autobauer im vergangenen Jahr mit Zugewinnen zwischen 5 und 15 Prozent liegt vor allem am Erfolg ihrer SUVs.

Bei Porsche macht der Cayenne mehr als ein Drittel der US-Zulassungen aus; von den gut 330.000 BMW-Verkäufen im vergangenen Jahr entfielen fast 110.000 auf die Baureihen X1 bis X6; und bei Mercedes ließen sich sogar 120.000 der insgesamt 330.000 Neuauslieferungen in den USA den SUV-Segment zuordnen. Und offenbar war das erst der Anfang.

Vier neue SUV-Modelle von Mercedes

Auf der Auto-Show in Detroit wird der Trend nämlich weiter befeuert. Audi, bereits jetzt bei einem SUV-Anteil an den US-Verkäufen von 36 Prozent, stellt auf der Messe die maßgeblich für die US-Kunden entwickelte, zweite Generation des Luxus-SUVs Q7 vor. Der 5,05 Meter lange und knapp zwei Tonnen schwere Allradler sei ein "imposantes Auto", umgarnt Audi die nach Größe lechzende Kundschaft; zugleich plaudern die Audi-Verantwortlichen schon über einen noch protzigeren Q8.

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Auto Show: Diese Modelle feiern in Detroit Premiere
Daimler-Chef Dieter Zetsche wiederum erklärte 2015 gar zum "Jahr des SUV". Mercedes wird nämlich gleich vier neue Autos dieses Typus vorstellen, drei davon in den USA. Den Anfang macht jetzt in Detroit das GLE Coupé, ein Konkurrent des BMW X6. Auf der Messe steht neben dem Standardmodell (285 PS) auch gleich die aufgebrezelte AMG-Variante mit einem 585 PS starken 5,5-Liter-V8-Biturbo-Motor.

Die voraussichtlich weiteren Stationen der schwäbischen SUV-Tournee: Im April wird auf der Messe in New York das Tuch von der überarbeiteten Mercedes M-Klasse (die künftige GLE heißen wird) gezogen, im Sommer debütiert der komplett neue GLC (der Nachfolger des GLK) irgendwo in Europa, und gegen Jahresende wird wohl in Los Angeles der überarbeitete GL (dann als GLS) vorgestellt.

VW ist blank - zumindest in den USA

Porsche trumpft in Detroit mit dem Cayenne Turbo S auf, nach Zuffenhausener Lesart "der Spitzensportler unter den SUV". Ein 4,8-Liter-V8-Biturbo-Motor mit einer Leistung von 570 PS bringt das Auto auf Trab. Einzig BMW hält sich bislang zurück. Während der Pressetage in Detroit stand kein einziges SUV auf dem Stand des Münchner Herstellers. Die X-Modelle verkaufen sich auch ohne Promotion prächtig, und in zwei Jahren soll mit dem X7 ein ganz neues SUV-Flaggschiff vor allem in den USA für Furore sorgen.

Wie wichtig große SUV-Modelle sind, weiß auch VW-Chef Martin Winterkorn. Erst vor ein paar Tagen verkündete die Konzernmarke Bentley, dass der künftige Luxus-SUV noch in diesem Jahr unter dem Namen Bentayga (Roque Bentayga heißt ein Monolith auf Gran Canaria) debütieren wird. VW jedoch, die größte und wichtigste Marke des Konzerns, steht in Sachen SUV nach US-Maßstäben bislang blank da.

Deshalb wurde im Sommer eilig eine Taskforce installiert, um den Sturm aufs SUV-Segment zu entfesseln. "Wir beginnen jetzt mit der größten SUV-Offensive von Volkswagen aller Zeiten", kündigt Winterkorn an. Mit Blick auf den US-Markt bedeutet das zweierlei. Erstens wird es vom nächsten Tiguan auch eine für Amerika bestimmte Langversion geben. Und zweitens wird eigens für den US-Markt ein neuer Midsize-SUV entwickelt, der ab Ende 2016 im VW-Werk in Chattanooga (US-Staat Tennessee) gebaut werden soll. Wie man sich das künftige Auto ungefähr vorzustellen hat, zeigt die in Detroit enthüllte Studie Cross Coupé GTE.

Die SUV-Kolosse verhageln die CO2-Bilanz

So sehr die Autobosse aus Deutschland den Erfolg ihrer SUV-Modelle forcieren - das glänzende Geschäft hat auch eine Schattenseite. Denn groß und schwer wie diese Autos nun einmal sind, verderben sie die CO2-Bilanz der Hersteller. Was wiederum zur Folge hat, dass gerade in den SUV-Baureihen auch Varianten mit Plug-in-Hybridantrieb angeboten werden.

Die sollen zum einen die CO2-Bilanz mittels der vollkommen realitätsfernen Verbrauchsberechnungsregel für Hybridantriebe, bei der die erste Akkuladung nicht mitgerechnet wird, positiv frisieren. Zudem werden sie aber sicherlich auch als Ökofeigenblatt herhalten müssen. Denn zu den grünen Bekenntnissen gerade der deutschen Hersteller, die sich nur allzu gern das Mäntelchen der Nachhaltigkeit umhängen, passt die Euphorie beim SUV-Wettrüsten nicht. So betont auch VW pflichtschuldig, das Konzeptauto VW Cross Coupé GTE trage neben einem V6-Benziner zwei Elektromotoren unterm Blech; ein Durchschnittsverbrauch von 3,3 Liter je 100 Kilometer sei möglich, behaupten die Wolfsburger. Rein rechnerisch, vermutlich.

Die Zeiten, in denen man als Deutscher von oben herab über den XXL-Auto-Geschmack der US-Kunden lächeln konnte, sind allerdings vorbei. Zwar zielen viele neue SUVs deutscher Hersteller primär auf den US-Markt. Doch auch in der Heimat dürften die Neuigkeiten aus Detroit gut ankommen. Denn mit einem Wachstum von 20 Prozent allein im vergangenen Jahr ist auch in Deutschland das SUV-Segment der Wachstumsmotor der Pkw-Branche.

insgesamt 237 Beiträge
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ferdi111 15.01.2015
1. SUV..3,3 Liter Verbrauch...
mit 2 Elektromotoren? Na dann bauen wir doch gleich 4, nein...10 E-Motoren ein! Wenn mich nicht alles täuscht, geht dann der Verbrauch dann gegen "NULL" Liter, oder? Ist es so richtig, liebe Autoindustrie und Regierung, so zu rechnen? Ja! Dann bin ich froh, dass ich inzwischen die Rechenkünste dieser Elite endlich kapiert habe. Wer was anderes behauptet, soll sich schämen, pfui! Das ist auch ein weiterer Beweis: Wir sind BESSER als Tiere, weil nur "WIR" so rechnen können! Ja...wir Menschen packen die Zukunft an den Hörnern! Ist das cool...wau!
hamburger62 15.01.2015
2. nicht die USA...
...sondern TOYOTA erfand den SUV. Der TOYOTA RAV4 wurde als TOYOTA Landcruser light ins Leben gerufen und war schon um ersten Jahr ein überraschender Verkaufshit.
Auriv 15.01.2015
3. Der Single Frame...
... von Audi wird 2015 zum ersten Mal grösser sein als das komplette Auto... :)
vrdeutschland 15.01.2015
4. Bei 99ct
der Liter Benzin ist eine nachhaltige Denkweise auch fraglich. Mal schauen, wenn der Fracking Boom sich dem Ende neigt und das Benzin auf einmal wieder in Richtung 1,60 EUR steigt, dann ist das Geheule wieder groß und der Staat würde zuviel Steuern auf das Benzin erheben...
peterbrause 15.01.2015
5. Suv
jedes mal, wenn ich diese Autos sehe frage ich mich, welche Minderwertigkeitskomplexe man haben muss, um sich solch ein protzig-hässliches Auto zu kaufen!
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