BMW-Studie Das Ufo vom Planeten (Ehr-)Geiz

BMW hat sich vorgenommen, den alten Gegensatz von spritgierigem Sportwagen und sparsamem Vernunftauto zu eliminieren. Wie das funktionieren könnte, zeigt die IAA-Studie Vision Efficient Dynamics. Ein Hybridantrieb soll den Flachmann sehr schnell und zugleich sehr genügsam machen.


Rekuperation, Start-Stopp-Automatik, rollwiderstandsreduzierte Reifen, bedarfsgerechte Steuerung der Nebenaggregate - solche Appetitzügler in Sachen Spritverbrauch sind bei BMW unter dem Label Efficient Dynamics mittlerweile in fast allen Modellen Standard. Kleiner Schönheitsfehler: Alle diese Spartechniken wurden nachträglich in schon existierende Modelle implantiert. "Deshalb wurden wir immer wieder gefragt, wie ein Auto aussehen würde, das komplett nach den Idealen von Efficent Dynamics entwickelt ist", sagt Designchef Adrian van Hooydonk.

Jetzt gibt es darauf eine Antwort. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt wird die Studie Vision Efficent Dynamics stehen - eine Art Korksandalen-kompatibler Supersportwagen. "Die große Frage für alle Autohersteller ist doch, wie auch bei geringerem Spritverbrauch weiterhin die Freude am Fahren garantiert werden kann", fasst van Hooydonk die aktuelle Problemstellung im Hause BMW zusammen.

Mit 4,60 Meter Länge hat das futuristische Konstrukt ungefähr die Länge des 3er BMW, reicht der Limousine mit einer Höhe von 1,24 Metern aber kaum bis ans Fenster. Und statt herkömmlicher Türen verfügt das Showcar über spektakuläre nach oben schwingende Flanken. Aufgepasst Mercedes: Auch so kann ein Flügeltürer aussehen.

Sportwagen mit Dreizylinder-Diesel

Van Hooydonk will von derartigen Vergleichen nichts wissen. Weder der neue Mercedes-AMG SLS noch der Audi R8 müssen einen weiteren deutschen Renner im Rückspiegel fürchten. Das IAA-Schaustück von BMW sei keineswegs der Vorbote des lange kolportierten M1-Comebacks, sondern "eine Vision, die unsere künftige Richtung aufzeigen will".

Während das auffällige Design die flüchtigen Blicke der Messebesucher einfangen soll, wollen die Bayern mit der Technik nachhaltiger beeindrucken und haben deshalb ein Hybridpaket geschnürt. Kombiniert werden gleich zwei Elektromotoren sowie ein neuer Dreizylinder-Dieselmotor, wie er vielleicht bald im Mini oder im BMW 1er zum Einsatz kommen wird. Nach dem Prinzip des Downsizings geschrumpft und dafür aufgeladen, kommt er bei nur 1,5 Litern Hubraum auf 163 PS und 290 Nm und wäre damit schon alleine stark genug für die Flunder.

Mit Hilfe der beiden Stromer jedoch, die gleichzeitig noch den Allradantrieb möglich machen, steigt die Systemleistung auf 356 PS, und das maximale Drehmoment klettert auf schwindelerregende 800 Nm. So beschleunigt der 2+2-Sitzer in 4,8 Sekunden auf Tempo 100; und über die Höchstgeschwindigkeit erfährt man nur so viel, als dass bei Tempo 250 der Vortrieb abgeriegelt wird.

Genug Saft für 50 Kilometer

Während die Studie damit - wie praktisch jeder BMW - als Stammgast auf der linken Spur taugen würde, sähe man den Sprinter an der Tankstelle nur selten. 3,76 Liter würde die Flunder im Normzyklus verbrauchen, hat BMW ausgerechnet; das kommt einem CO2-Ausstoß von 99 g/km gleich. Selbst ein VW Golf Blue Motion kann da nicht mithalten, vom hauseigenen Kleinwagen Mini ganz zu schweigen.

Auf weiten Strecken führe der Renner sogar noch sparsamer. Denn während konventionelle Hybridmodelle wie der ebenfalls in Frankfurt enthüllte BMW 7er gar nicht oder der BMW X6 Hybrid nur auf kurzen Strecken elektrisch fahren können, reicht der Saft der Studie für mehr. Die Batterie, zusammengesetzt aus 98 Lithium-Polymer-Zellen, speichert genug Energie für 50 Kilometer und kann nicht nur beim Bremsen, sondern auch an der Steckdose geladen werden. Legt man den üblichen Strommix in der EU zugrunde, kommt der Plug-In-Hybrid im Elektromodus auf einen CO2-Ausstoß von lediglich 50 g/km.

Nur der Antrieb alleine reicht für einen derartigen Minimalverbrauch allerdings nicht aus, doziert Hooydonk. Auch Form und Konstruktion müssten effizient sein - also windschnittig und leicht. Vor diesem Hintergrund verweist BMW (zum vielleicht letzten Mal) den gern bemühten Technologietransfer aus der Formel 1 in die Serienentwicklung: Vor allem bei der Aerodynamik der über weite Stellen transparenten Karosserie mit selbst tönenden Scheiben aus Polycarbonat seien Erfahrungen aus dem Motorsport eingeflossen. Mit ähnlichen Kniffen wie bei Formel-1-Rennwagen wurde der Luftwiderstand auf einen rekordverdächtigen cW-Wert von 0,22 gedrückt. Integrierte Spoiler und Finnen, Luftleitkanäle und ein Aircurtain, der sich wie ein Vorhang aus Luft vor die Räder legt um Verwirbelungen zu verhindern machen es möglich.

Allerdings lassen sich weder das gesamte Auto noch seine Details in Gänze in die Großserie übertragen. Doch wird man einige Lösungen - wie zum Beispiel den Dreizylindermotor - durchaus schon bald auf der Straße sehen. Und auch der Technologietransfer aus der Formel 1 wird sich womöglich beschleunigen - schließlich haben die Renningenieure nach dem angekündigten BMW-Rückzug aus der Königsklasse bald mehr Zeit für andere Dinge.



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moordruide 10.08.2009
1. Elektroautos
Was wirklich gut ist, setzt sich auch ohne Staatsknete durch. Alles andere ist Blödsinn, staatlich gefördert.
Galaxia, 10.08.2009
2. Konkurrenz für den Golf
Zitat von sysopVerkehrsminister Tiefensee will binnen zehn Jahren eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen bringen - nur kosten darf es nichts: Im "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" sind keine Anreize für Ökoauto-Käufer vorgesehen. Soll der Staat alternative Antriebe stärker fördern?
Zumindest ab 2010 wird es in den USA Realität mit dem Elektroauto für den Massenmarkt auf US Highways. Ein Beispiel der neue Konkurrenz für den Verbrennungsmotor betrieben Golf. http://solveclimate.com/blog/20090807/nissan-scores-200-million-biggest-ever-electric-car-grid-project Surprise: Nissan’s Electric Cars to Be Made in the USA http://solveclimate.com/blog/20090623/surprise-nissan-s-electric-cars-be-made-usa Deutsche Bank: Electric Cars Could Wipe Gas Cars off the Map http://solveclimate.com/blog/20080409/deutsche-bank-electric-cars-could-wipe-gas-cars-map Wielange verschlafen Deutsche Automobil Hersteller noch den Trend der Zukunft?
Fastjack 10.08.2009
3. Ach,
es wird doch nichts verschlafen. Alles ein Interessenkonflikt. Hierzulande wird durch Mineralölsteuer, Ökosteuer und KfZ-Steuer doch ein Mammutanteil des Staatshaushaltes generiert. Da ist es doch nachvollziehbar, wenn man mit der Einführung von E-Fahrzeugen in der Masse ein wenig vorsichtig ist ;). Und die E-Fahrzeuge deutscher Hersteller verkaufen sich auch im Ausland.
Calex 10.08.2009
4.
Zitat von GalaxiaZumindest ab 2010 wird es in den USA Realität mit dem Elektroauto für den Massenmarkt auf US Highways. Ein Beispiel der neue Konkurrenz für den Verbrennungsmotor betrieben Golf. http://solveclimate.com/blog/20090807/nissan-scores-200-million-biggest-ever-electric-car-grid-project Surprise: Nissan’s Electric Cars to Be Made in the USA http://solveclimate.com/blog/20090623/surprise-nissan-s-electric-cars-be-made-usa Deutsche Bank: Electric Cars Could Wipe Gas Cars off the Map http://solveclimate.com/blog/20080409/deutsche-bank-electric-cars-could-wipe-gas-cars-map Wielange verschlafen Deutsche Automobil Hersteller noch den Trend der Zukunft?
Elektroautos sind nur dann sinnvoll, wenn die Herstellung des Stromes auch ohne die Verbrennung fossiler Brennstoffe auskommt. Alles andere ist Augenwischerei. Und da die Ölmultis an ALLEN hiesigen Automobilherstellern finanziell beteiligt sind wird dies wohl auch so schnell keine REALITÄT werden.
Hovac 10.08.2009
5. Wiederholung
Zitat von CalexElektroautos sind nur dann sinnvoll, wenn die Herstellung des Stromes auch ohne die Verbrennung fossiler Brennstoffe auskommt. Alles andere ist Augenwischerei. Und da die Ölmultis an ALLEN hiesigen Automobilherstellern finanziell beteiligt sind wird dies wohl auch so schnell keine REALITÄT werden.
Immer das gleiche- Langweilig und falsch, sie sind auch ohne Ökostrom sinnvoll.
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