BMW i8 Spyder: Der Öko-Rambo

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Sportwagen riechen normalerweise nach Gummi und Benzin, sie sind laut und hemmungslos brachial. Der BMW i8 Spyder kommt anders daher: Seine Entwickler preisen ihn als leise, sparsam, ökologisch korrekt. Der Faktencheck.

BMW i8 Spyder: Leise, sparsam, ökologisch korrekt Fotos
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Tesla Motors hat es vorgemacht: Am besten genießt man einen elektrischen Sportwagen offen. Denn dann hört man wirklich, dass man nichts hört. Benoit Jacob sind solche unmittelbaren Erfahrungen sympathisch. Er ist Designchef der neu gegründeten BMW-Marke i, unter deren Logo die Bayern künftig ihre Elektroautos verkaufen wollen. Läuft alles nach Plan, dann fährt das kompakte Stadtauto i3 Ende nächsten Jahres vor, und der Plug-In-Hybrid-Sportwagen i8 folgt Anfang 2014. Jacob jedoch kreiert schon weitere Modelle, etwa einen offenen Ökorenner. Ende April wird BMW den i8 Spyder auf der Autoshow in Peking zeigen, SPIEGEL ONLINE konnte das Auto schon jetzt in Augenschein nehmen.

Im Vergleich zum i8 Coupé wurde der weitgehend aus Karbon gefertigte offene Wagen auf 4,48 Meter gestutzt und zum reinen Zweisitzer gemacht. Die Frontscheibe ist flacher, trotzdem sitzen die Passagiere nicht voll im Fahrtwind, dafür sorgt eine Spoilerlippe auf dem Scheibenrahmen, die den Wind über die Köpfe der Insassen leitet. Ein Notverdeck für Regentage gibt's natürlich auch.

Ähnlich sind sich Coupé und Spyder durch die Karosserie, die wirkt, als sei sie aus mehreren, übereinander liegenden Schichten geformt. Und Flügeltüren hat das offene Auto auch wieder. Allerdings sind die nicht mehr aus Glas, sondern aus Karbon und damit schon deutlich näher an einem Serienmodell. Jacob: "Viele Details dieses Auto nehmen das fertige Fahrzeug vorweg."

Das gelte insbesondere für den Innenraum, sagt der Designer. Das vornehme Ambiente, die auf ein Minimum reduzierten Bedienelemente und vor allem das Infotainment-Konzept werden ziemlich genau so in Serie gehen. Das heißt: i8-Fahrer können zwischen drei Szenarien für die komplett animierten Instrumente auf dem iPad-großen Monitor hinter dem Lenkrad wählen. Wechselt man per Knopfdruck in den sparsamen Eco-Pro-Modus, haben die Anzeigen einen blauen Farbton und informieren vor allem über Verbrauch und Reichweite. Lässt man es dagegen sportlicher angehen, sieht man alles in einem feurigen Orange.

BMW setzt nun auch auf das Konzept des Reichweitenverlängerers

Unter der Aluminium-Plattform im Wagenboden ist nicht nur ein Elektromotor - der 131 PS starken E-Maschine an der Vorderachse stellen die Bayern noch einen Dreizylinder-Turbo-Benziner mit 223 PS im Heck zur Seite. Der lädt während der Fahrt als Generator den Akku und hilft bisweilen beim Beschleunigen: Wenn beide Motoren mit voller Kraft arbeiten, geht der i8 mit 354 PS und 550 Nm zu Werke und schnellt damit in weniger als fünf Sekunden auf Tempo 100. Das Spitzentempo liegt bei 250 km/h.

Das sind echte Sportwagenwerte, doch beim Verbrauch fährt der i8 in einer ganz anderen Liga. Was zum Teil auch an der aktuell gültigen Berechnungsmethode des Durchschnittsverbrauchs liegt. In die nämlich fließt unter anderem ein, dass der Wagen bis zu 30 Kilometer weit rein elektrisch fahren kann. Und so ergibt sich schließlich ein Normwert von drei Litern je 100 Kilometer - nicht einmal ein Mini ist derzeit so sparsam. In der Realität läge der Verbrauch aber weit über diesem Wert.

Um die aufwendige Antriebstechnik möglichst effizient einzusetzen, entwickelt BMW ein besonders cleveres Navigationsystem. Dank seiner Hilfe weiß der i8 nicht nur den kürzesten oder schnellsten Weg zum Ziel, sondern er plant die Fahrt auch automatisch so, dass es immer dort elektrisch vorwärts geht, wo es besonders drauf ankommt: in der Stadt zum Beispiel oder im Stau. Außerdem experimentieren die Entwickler mit einer sogenannten Intermodalen Navigation, die den BMW-Fahrer durchaus auch auffordert, lieber die S-Bahn oder den Bus zu nehmen. Und selbstverständlich kennt die Elektronik alle freien Ladesäulen innerhalb des Aktionsradius.

An Bord sind auch zwei elektrisch angetriebene Tretroller

Weil es bis zu zwei Stunden dauert, ehe die Akkus wieder voll sind, hat sich Jacob für den Freiraum hinter den Sitzen einen Gag ausgedacht: Was aussieht wie die Zylinderbänke eines potenten Motors, sind zwei elektrische Tretroller, deren in Karbon gepackte Akkus während der Autofahrt geladen werden. "So geht die Fahrt auch dann weiter, wenn der Weg für das Auto zu Ende ist."

Der i8 Spyder hätte durchaus das Zeug, gegen Fahrzeuge wie den offenen Audi R8 oder den Mercedes SLS Roadster anzutreten. Doch dazu werde es vermutlich nicht kommen, sagt Jacob, der nicht recht an eine Serienumsetzung glaubt. BMW nämlich geht es nicht um möglichst viele unterschiedliche i-Modelle. Stattdessen soll die Studie zeigen, wie das Design des Autos reift und wie weit vor allem das Interieur schon entwickelt ist. Jacob: "Um das zu zeigen, ist ein offenes Auto nun mal ideal."

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Sauteures Spassmobil...
gl1945 01.04.2012
....und reines "Schonwetter-Auto" von BMW! "ich fahr im Regen...." Brauchen wir das?
2. 30 km ist zuwenig
founder 01.04.2012
In einigen Modellregionen Chinas wird es bald die Zulassungsvorschrift 50 km rein elektrisch geben. Die Konfiguration ist komplett unbrauchbar. Statt den riesigen Diesel würden da 20 kW genügen. Den gewonnenn Platz könnte man für einen größeren Akku nutzen.
3. Aprilvera***ung
hubertrudnick1 01.04.2012
Zitat von sysopBMWSportwagen riechen normalerweise nach Gummi und Benzin, sie sind laut und hemmungslos brachial. Der BMW i8 Spyder kommt anders daher: Seine Entwickler preisen ihn als leise, sparsam, ökologisch korrekt. Der Faktencheck. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,824830,00.html
Das ist nur eine Aprilvera***ung, sicherlich wäre es mal bei vielen übergewichtigen Deutschen angebracht öffter zu Fuß zu gehen, oder Sport zu treiben. Aber wer sein Auto liebt, der schiebt es dann durch die Straßen. Tretroller, eine gute Idee. HR
4. leider wahrscheinlich doch kein aprilscherz
hyho 01.04.2012
.... ich bin fast sicher, daß die - und die bmwler sind nicht die einzigen - wirklich so verbohrt sind, so ein konzept für sinnvollen fortschritt zu halten. durchblick in die heute uns fordernden notwendigkeiten, hier im straßenverkehr, sieht anders aus.
5.
wakaba 01.04.2012
Zitat von sysopBMWSportwagen riechen normalerweise nach Gummi und Benzin, sie sind laut und hemmungslos brachial. Der BMW i8 Spyder kommt anders daher: Seine Entwickler preisen ihn als leise, sparsam, ökologisch korrekt. Der Faktencheck. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,824830,00.html
i ist "Greenwashing" um die absolut irre Umweltkatastrophe Autokonzern aus der Schusslinie zu nehmen. Carbon, speziell die verwendeten Harze, sind ein Umweltgift. Bisphenol A (http://de.wikipedia.org/wiki/Bisphenol_A) i ist die Förderung nihilistischens Verhaltens der Konsumenten: Ich will alles, sofort, auf Kredit und ohne Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft. Wo BMW, ist der kleine, einfache, aerodynamische, tiefe, sportliche, sortenreine Blech-Wagen mit einem anständigen Fahrwerk? Ach ja - der wurde 1937 als 328 gebaut und 1976 als 2002. Danach Makulatur.
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