Abgasaffäre Bosch hat Schummelsoftware nicht nur an VW geliefert

Die Abgasaffäre ist noch lange nicht ausgestanden: Nach SPIEGEL-Informationen hat Zulieferer Bosch nicht nur VW mit verbotenen Abschaltvorrichtungen versorgt, sondern auch andere Hersteller.

Bosch-Logo
DPA

Bosch-Logo


Der Technologiekonzern Bosch soll im großen Stil Motorsteuerungen produziert haben, die eine Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung enthalten. Demnach könnten sämtliche Steuerungsgeräte für Pkw mit 1,6- bis 2,8-Liter-Motoren verschiedener Hersteller betroffen sein, die der aktuellen Emissionsnorm Euro 6 unterliegen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 17/2016
Macht, Mord und Moral - Die erstaunlich aktuelle Welt des William Shakespeare

Das Verkehrsministerium, das derzeit rund 60 Diesel-Pkw verschiedener Autobauer untersucht, geht dabei Hinweisen eines Informanten nach. Diese Woche mussten Verantwortliche von Bosch im Ministerium zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Das Unternehmen möchte sich "wegen sensibler rechtlicher Rahmenbedingungen" nicht äußern.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wird dessen ungeachtet am Freitag eine Untersuchung veröffentlichen, die er nach Bekanntwerden der VW-Abgasaffäre in Auftrag gegeben hatte (mehr dazu später auf SPIEGEL ONLINE). Darin wird VW vorgeworfen, illegale Abschalteinrichtungen in seinen Dieselmodellen verwendet zu haben.

Auch BMW, Opel und Mercedes schalten ab

Die anderen Hersteller hätten eine Software verwendet, die bei Unterschreitung bestimmter Außentemperaturen angeblich zum Schutz des Motors die Reinigung giftiger Stickoxidabgase abstellt. Bei BMW- und Mercedes-Modellen sollen die Systeme bei rund 10 Grad gestoppt worden sein, bei Opel bereits bei 17 Grad, was die Hersteller für zulässig halten (SPIEGEL 16/2016).

Nach entsprechender EU-Verordnung ist es allerdings illegal, wenn eine Abschalteinrichtung "die Temperatur ermittelt", um die Funktion eines "Emissionskontrollsystems zu deaktivieren". Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hält diese Praxis der Autokonzerne für "vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge" und verweist darauf, dass die Europäische Umweltagentur Stickoxide in der Atemluft für den vorzeitigen Tod von Tausenden Menschen pro Jahr verantwortlich macht.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

insgesamt 439 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Shamander 22.04.2016
1.
Und wer zahlt am Ende die Zeche ? Der einfache Arbeiter der morgen auf der Straße steht weil seine Chefs sich ein paar Millionen an Boni sichern wollen.
mrotz 22.04.2016
2.
na und? Wird Zeit die Abgasnormen auf den Prüfstand zustellen.
he.ro.lito 22.04.2016
3. Schummeln?
Es ist keine "Schummel"software, sondern Betrugssoftware! Gestern habe ich hier gelesen, dass die Amerikaner eher Klartext sprechen.
bluecharge 22.04.2016
4. Temperaturgesteuerte
..Abschaltfunktionen sind für den Motor überlebensnotwendig. Wenn im Abgasreinigungssystem kritische Temperaturen erreicht werden, müssen Gegenmaßnahmen greifen. Sonst kann es zum Brand kommen. Insofern ist der betreffende Absatz im Artikel falsch. Hier wird im Artikel zu wenig differenziert. Bezogen auf Außentemperaturen darf natürlich auch die Abgasreinigung zurückgefahren werden, allerdings erst bei sehr niedrigen Temperaturen wo der Motor quasi beim Start um jede Umdrehung kämpft.
Trollfrühstücker 22.04.2016
5. Und ist's auch Wahnsinn...
...so hat es doch Methode. Die deutsche Vorzeigeindustrie gibt dem Begriff "organisierte Kriminalität" ein ganz neues Gesicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.