Autotest Bowler EXR-S: Der Rest kann sich vom Acker machen

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Autogramm Bowler EXR-S: Dieses Monster war mal ein Range Rover Fotos
Charlie Magee

Der Brite Drew Bowler hat den Geländewagen Range Rover Sport in ein Monster verwandelt. Sein EXR-S ist unverschämt brachial und bewegt sich hart an der Grenze der Straßenzulassung. Wie betäubt steigt man aus dem Auto aus - und will sofort wieder einsteigen.

Der erste Eindruck: Will ich da wirklich einsteigen? Ich bin schon das Übergeschoss Bugatti Veyron gefahren, und im Race-Touareg von VW saß ich auch. Aber dieser Bowler EXR-S macht mir ein bisschen Angst. Der Wagen ist eine Art Range Rover für Rambos. Drinnen sieht es aus wie in einem Domina-Studio. Stahlkäfig, Schalensitze, extrabreite Hosenträgergurte. Irgendwie hatte ich mir den ultimativen Geländewagen für Menschen, die sonst schon alles haben, ein bisschen anders vorgestellt.

Das sagt der Hersteller: "Wir wollen gar keinen Luxus-SUV bauen", erklärt Drew Bowler, der Mann hinter dem Projekt, "wir wollen unseren Kunden auch auf der Straße ein echtes Rallye-Gefühl vermitteln." Bowler ist ein alter Hase im Rallye-Zirkus und seit 30 Jahren dabei - aber nach eigener Auskunft mittlerweile zu feige, um ein erfolgreicher Pilot zu sein. Statt Rallye-Autos zu fahren, baut er sie nun lieber. Sitz seiner Firma ist der Ort Belper in England.

Sein Spezialgebiet sind Marathon-Rallyes wie das Rennen Dakar, für die er den EXR konzipiert hat. Der Name ist Programm: EXR steht für Extreme Rallye. Allerdings will sich Bowler nicht mehr nur auf den Motorsport konzentrieren, sondern auch auf die Straßen ausbrechen. So bekommt der EXR noch der Zusatz S. Das Auto basiert, wie alle Rennwagen vorher auch, auf Komponenten des Allrad-Herstellers Land Rover. Als Basis für den EXR-S dient der Range Rover Sport.

Das ist uns aufgefallen: Wie krass sich der Bowler von jedem anderen Geländewagen unterscheidet. Das Gebrüll des V8-Benziners wird weder von Dämmmatten noch einer Elektronik unterdrückt. Das Anfahren gleicht einer Explosion: Von 0 auf 100 geht es in 4,2 Sekunden. Da haben sogar Turbo-SUVs wie der BMW X6M, der Porsche Cayenne Turbo S oder der Mercedes ML 63 AMG das Nachsehen.

Dabei ist der EXR-S auf dem Papier gar nicht so viel stärker als der Range Rover Sport. Bowler hat den fünf Liter großen Kompressor-Block nicht getunt, sondern stattdessen einige Restriktionen ausgebaut. Statt 510 PS wie im Serienmodell stehen jetzt 557 PS im Fahrzeugschein, das maximale Drehmoment klettert von 625 auf 700 Nm.

Die brachiale Beschleunigung verdankt der Wagen in erster Linie einer Radikaldiät: Während der Range Rover Sport mit Lack und Leder und allem erdenklichen Luxus 2,6 Tonnen auf die Waage bringt, hat Bowler seinen Boliden radikal abgespeckt - um rund 700 Kilogramm. Innen gibt es nicht viel mehr als die beiden Schalensitze und einen Überrollkäfig, die Fenster sind aus Plexiglas und die Karosserie besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Dadurch wiegt der EXR-S weniger als 1,9 Tonnen.

Entsprechend heftig ist der direkte Vergleich: Wechselt man vom Range Rover Sport in den Bowler, fühlt es sich an, als ob man zuvor einen Bleianker mitgeschleift hätte. Wo das Original stampft und schnauft wie ein Hafenschlepper, sprintet der Bowler leichtfüßig und fast spielerisch davon. Fast vergisst man, dass dies kein Sportwagen, sondern im Prinzip ein rasender Hochsitz ist.

Das muss man wissen: Extrem wie die Fahrleistung ist auch der Preis für den EXR-S. Umgerechnet rund 230.000 Euro stellt Bowler für das Auto in Rechnung. Dafür gibt es ein Monstrum, das von einem knappen Dutzend Mitarbeitern in Handarbeit montiert wird. Im Augenblick braucht Bowlers Truppe pro Auto noch sechs Wochen. Wenn alles rund läuft, mehr Mitarbeiter an Bord sind und die Firma in eine neue Werkstatt umgezogen ist, soll die Produktionszeit auf eine Woche sinken. Dann will Bowler rund 50 Fahrzeuge pro Jahr bauen - etwa ein Drittel für die Rallye und zwei Drittel für die Straße.

Die Kundschaft für beide Modelle dürfte sich überschneiden, vermutet Bowler. Denn das größte Interesse am EXR-S hat er bei den Rallye-Piloten registriert, die ihren Dienstwagen von der Piste auf die Straße mitnehmen wollen. Unter dem knappen Dutzend an Vorbestellungen gibt es aber auch schwerreiche Interessenten aus den Golfstaaten und aus Moskau. Selbst ein usbekischer Kartoffelbauer steht auf Bowlers Kundenliste. "Dessen Äcker sind so groß, dass er ein schnelles Auto braucht, wenn er sie an einem Tag alle abfahren möchte", erzählt der Brite.

Aus Mitteleuropa hält sich die Nachfrage noch in Grenzen. Doch Bowler weiß von zahlreichen Interessenten in den USA und glaubt auch an einen Markt in Deutschland. Die Paragrafen der Straßenverkehrszulassung jedenfalls hat er schon genau studiert und ein paar Schlupflöcher für seinen Brutalo-Geländewagen gefunden.

Das werden wir nicht vergessen: Die Erleichterung nach dem Ende der Testfahrt. Die Hände sind feucht, die Knie weich, der Rücken schmerzt und in den Ohren hallt das Motordröhnen nach. Ein klares Urteil über den Wagen lässt sich in diesem Zustand nicht finden. Mein Gefühl sagt mir, ich sollte noch eine Runde drehen. Also bitte: Sperrt mich wieder in den Käfig, schnallt mich fest - und lasst mich weiterfahren!

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insgesamt 135 Beiträge
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1. Jetzt noch....
Jonny_C 31.12.2012
...vergitterte Fenster, einen Kuhfänger (äh Personenschutzbügel) und ein MG auf dem Dach und fertig ist das perfekte Fluchtfahrzeug wenn die Zombies angreifen. Mal sehen in welchem Film man den Wagen zuerst sieht ? Guten Rutsch !
2. Geil
badduck 31.12.2012
sowas in der Art: "Dessen Äcker sind so groß, dass er ein schnelles Auto braucht, wenn er sie an einem Tag alle abfahren möchte" würde ich meiner Frau wahrscheinlich auch erzählen, wenn ich mir so eine Kiste kaufe:-)
3. Na und?
ernestonrw 31.12.2012
Was ist jetzt nochmal so toll an der Karre?Dass ein usbekischer Kartoffelbauer begeistert ist?Ja nee,is klar,ich wäre es auch,wenn ich vorher einem Ochsenkarren gelenkt hätte. Ach so,dass mit den16 L/100km glaube ich nicht.
4. durchgeknallt
limubei 31.12.2012
mannomann was fürn sch...........
5. Hmm...
zaci 31.12.2012
Zu dem Preis kann man auch einen BMW X6 M auch bei G-Power oder einen MB ML63 bei Brabus vorfahren. Das wird mit Sicherheit nicht teurer aber man mit Sicherheit schneller. Viel schneller...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Bowler
Typ: EXR-S
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V8-Kompressorbenziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 4.999 ccm
Leistung: 557 PS (410 kW)
Drehmoment: 700 Nm
Von 0 auf 100: 4,2 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 16,0 Liter
CO2-Ausstoß: 381 g/km
Gewicht: 1.875 kg
Maße: 4400 / 1998 / 1720
Preis: 230.000 EUR


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