Brabus E V12 One of Ten Der böseste Benz

Die Firma Brabus aus Bottrop bringt sich zur IAA mit einem Superlativ in Stellung. Der Mercedes-Tuner stellt dort die schnellste Limousine der Welt vor, eine zum Rennwagen umgerüstete E-Klasse mit V12-Motor, 800 PS und 370 km/h Spitze. Zehn Modelle sollen gebaut werden.


"Nein, hier wird kein neuer James-Bond-Film gedreht." Immer wieder muss Ulrich-Joachim Gauffrés neugierige Passanten im Landschaftspark Duisburg-Nord zum Weitergehen auffordern, während er einen mattschwarz lackierten Boliden in Position bringt. Dabei hätte Geheimagent 007 an diesem Auto sicher seine Freude. Denn was der Entwicklungschef des Tuners Brabus hier kurz vor der offiziellen Weltpremiere auf der IAA in Frankfurt präsentiert, ist laut Brabus nicht weniger als "die schnellste Limousine der Welt". Und mit einem Nettopreis von 498.000 Euro noch dazu eine der teuersten.

Allerdings würde der E V12 One of Ten, so der sperrige Name des auf zehn Exemplare limitierten Viertürers, wohl nicht so recht zum Image des britischen Gentleman passen. Während Mister Bond auf die stilsichere Eleganz von Aston Martin setzt, zieht Brabus hier ganz andere Register: Böse und brachial sieht die Limousine aus, als Batmobil wäre der Wagen eher geeignet.

Das liege an den Wünschen der handverlesenen Kundschaft, die neben sportlicher Höchstleistung auch eine unverwechselbare Optik verlange, sagt Gauffrés. Das glanzlose Tarnkappenschwarz des Vorführwagens etwa war der Wunsch eines Scheichs, der das Messestück nach den letzten Testfahrten direkt übernehmen wird. Noch wichtiger als die Geltungssucht der PS-Elite aber ist die Aerodynamik, die Gauffréy und sein Team zu einigen Kunstgriffen zwang. "Nur mit hoher Motorleistung sind solche Geschwindigkeiten nicht zu erreichen", hat der Brabus-Entwickler bei diversen Rekordfahrten und bei der Arbeit im Windkanal gelernt.

Deshalb trägt der E V12 nicht nur tiefe Schürzen, breite Schweller und weit aufgeblasene Kotflügel. Zum ersten Mal bei einem aktuellen Auto mit Straßenzulassung sind zudem die Hinterräder in voll verkleideten Radhäusern versteckt. Mit demselben Trick, mit dem Autohersteller sonst bei Spritsparstudien den Verbrauch senken, drücken die Brabus-Techniker den Luftwiderstand und erhöhen zugleich die Fahrstabilität. "Schließlich hebt ein Jumbo-Jet bei solchen Geschwindigkeiten längst ab", sagt Brabus-Chef Bodo Buschmann.

Damit der böse Benz auf der Überholspur auch hält, was das Design verspricht, hat Brabus den hauseigenen Zwölfzylinder-Motor unter die Haube gequetscht. War das von 5,5 auf 6,2 Liter Hubraum aufgebohrte Aggregat schon bislang alles andere als schwächlich, wurden nun mit einem völlig neuen Ansaugsystem und gleich vier Ladeluftkühlern für die beiden Turbo noch ein paar Kraftreserven mobilisiert. "Bisher war bei 730 PS definitiv Schluss", räumt Gauffrés ein, "aber jetzt haben wir die doppelte Kühlleistung und kommen so auf 800 PS." Gleichzeitig erreicht die Drehmomentkurve mit 1420 Nm derartige Höhen, dass mit Rücksicht auf das ohnehin schon verstärkte Getriebe die Maximalkraft auf 1100 Nm limitiert werden musste.

Macht nichts, auch damit hat der Starfighter aus Bottrop mehr als genug Kraft für atemberaubende Spurts. Schon bei den eher vorsichtigen Fotofahrten drückt es einen so tief in die Ledersessel, dass man sich den Kickdown lieber gar nicht erst vorstellen möchte: Eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 3,7 Sekunden erlebt man sonst nur auf dem Rummelplatz, Tempo 200 nach gerade einmal 9,9 Sekunden schafft nicht einmal ein Düsenflieger beim Start. Und wo selbst ausgewachsenen Sportwagen die Luft ausgeht, würde diese Rakete auf Rädern munter weiter beschleunigen. Nach 23,9 Sekunden könnte man die 300-km/h-Grenze durchbrechen und erst jenseits von 370 km/h endet der Vortrieb.

Drei der zehn Extrem-Limousinen sind bereits verkauft

Während solche Zahlen bei Vollgas-Fans der Gasfuß zu kribbeln beginnt, stehenn im Beipackzettel zwei weitere Daten, die erschreckend klingen: Schon auf dem Prüfstand braucht der Brabus 15,7 Liter Benzin auf 100 Kilometer und kommt auf einen CO2-Ausstoß von 372 g/km. Bei nur zehn Autos, so argumentiert Firmenschef Buschmann, sei das eine statistisch zu vernachlässigende Größe. Die Kunden wird es ohnehin kaum stören. Sie haben erstens mehr genug Geld und sitzen zweitens mitunter direkt an der Ölquelle.

Überhaupt muss sich Buschmann offenbar keine Sorgen um den Absatz machen. "Noch nie haben wir so viele Zwölfzylinder-Modelle verkauft wie in diesem Jahr", sagt er. Auch der E V12 kommt bei passionierten Schnellfahrern mit großem Finanzrahmen angeblich bestens an. Zwar gab es bis Freitagmorgen noch kein offizielles Foto, und schon gar keine technischen Daten, doch reichten ein paar Gerüchte, um die ersten beiden Exemplare in den Orient zu verkaufen. Das berichtet Buschmann am Morgen vor dem Fototermin - nur um am Nachmittag zu widerrufen. "Jetzt sind bereits drei Autos weg."

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