"Es scheint nicht überall die Sonne, aber wir haben insgesamt eine solide Großwetterlage." Was wie eine Vorhersage für ein durchwachsenes Wochenende klingt, ist in Wahrheit die Marktanalyse von Andreas Renschler, dem Chef des Lkw-Marktführers Daimler.
Den Stuttgartern geht es inmitten eines schwächelnden Nutzfahrzeugmarktes noch vergleichsweise gut. Sie können nämlich die Absatzeinbrüche in Europa, Asien und Südeuropa durch Zuwächse in Japan und in den USA zumindest teilweise kompensieren. Insgesamt aber schaltet die Branche offenkundig einen Gang zurück. In diesem Jahr werden voraussichtlich weltweit 400.000 Nutzfahrzeuge weniger verkauft als noch 2011.
Da kommt die IAA Nutzfahrzeuge (20. bis 27. September), die global größte Fachmesse der Branche in Hannover, gerade recht. Denn hier lässt sich mit zahlreichen Neuheiten prima ablenken von der in manchen Regionen angespannten Situation beim Lkw-Verkauf.
354 Weltpremieren haben Lkw-Hersteller und Zulieferer angekündigt - so viele wie noch nie zuvor. Insgesamt nehmen 1904 Unternehmen am Branchengipfel in Hannover teil. Und bei den meisten steht das Thema Effizienz im Mittelpunkt: Spritsparende, schadstoffärmere und alternative Antriebe sind das alles beherrschende Thema. Außerdem wird auch in der Transportbranche die elektronische Vernetzung immer wichtiger. Unter anderem lassen sich so Ladekapazitäten besser ausnutzen, und auch das spart letztlich Sprit.
Die Umstellung auf die Euro-6-Norm geht voran
"Efficiency around the World" ist der Slogan, mit dem der zum VW-Konzern gehörende Lkw-Hersteller MAN auf dem Messestand in Hannover wirbt. Das ist etwas zu vollmundig formuliert, denn in den USA, wo derzeit das Lkw-Geschäft brummt, ist MAN gar nicht vertreten. Wohl auch deswegen musste das Unternehmen kürzlich ankündigen, die Produktion vorläufig zurückzufahren. Allerdings plant MAN offenbar eine US-Offensive. "Wir schauen uns mit großem Interesse den nordamerikanischen Markt an", sagt Eckhard Scholz vom Mutterhaus Volkswagen Nutzfahrzeuge.
Bei den Lkw wird der Trend zur Sparsamkeit auch vom Gesetzgeber gesetzt: Die Euro-6-Norm ist das große Thema. Sie tritt ab 1.1.2014 für alle in der EU neu zugelassenen schweren Lastwagen und Omnibusse in Kraft und sieht eine deutliche Verringerung der Stickoxide sowie des Partikelausstoßes vor. Unternehmen wie Daimler, Scania oder Volvo stellen deshalb auf der Messe Lkw-Baureihen mit neuen Motoren vor, die dank aufwendiger Filtertechnik deutlich weniger Stickoxide und gesundheitsschädliche Partikel ausstoßen und die Norm bereits jetzt erfüllen.
Für kleinere Transporter und Lieferfahrzeuge wird zudem eine Auswahl von Hybridantrieben geboten. Sie eignen sich vor allem für den Kurzstreckeneinsatz, weil dann das Rekuperationspotential am besten ausgenutzt werden kann.
Um Sprit zu sparen, werden alle Register gezogen
Mehr Effizienz und Sicherheit sollen auch neue Assistenzsysteme bringen. Der Zulieferer Continental zum Beispiel stellt ein Gaspedal vor, das unter bestimmten Fahrbedingungen sanften Gegendruck erzeugt. So wird dem Lkw-Lenker signalisiert, dass er den Fuß vom Gas nehmen kann. Die Steuerelektronik dieses Pedals nutzt unter anderem Navigationsdaten aus, damit auch leichte Gefällstrecken zum Spritsparen genutzt werden. Sodann wird das Überwachungssystem Top-View vorgestellt, das einen 360-Grad-Rundumblick um den Lkw ermöglicht und so das Rangieren sicherer und stressfreier machen soll.
In Richtung Effizienz geht auch die Investition von mehr als zehn Millionen Euro in das Continental-Reifenwerk Hannover-Stöcken. Dort sollen ab dem nächsten Jahr mit Hilfe eines neuen Verfahrens Altreifen runderneuert werden. Bei voller Auslastung sollen dort pro Jahr 180.000 recycelte Bus- und Lkw-Reifen entstehen. Durch die neue Technik können nach Conti-Aussagen allein in diesem Werk pro Jahr 2400 Tonnen Kautschuk und 1600 Tonnen Füllstoffe eingespart werden.
jüp/dpa
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