Studie zur Brennstoffzelle Schlechte Erfolgsaussichten für Wasserstoff-Autos

Aus dem Auspuff tropft nur Wasser, das Auto fährt elektrisch. Fahrzeuge mit Brennstoffzelle haben viele Vorteile. Dennoch bleibt ihnen der große Durchbruch in absehbarer Zukunft verwehrt - sagt eine aktuelle Studie.

Toyota-Brennstoffzelle: Markteinführung für 2015 geplant
Tom Grünweg

Toyota-Brennstoffzelle: Markteinführung für 2015 geplant


Hamburg - Schlechte Aussichten für Autos mit Brennstoffzelle. Obwohl die Kosten für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge drastisch zurückgehen, bleiben die Marktchancen gering. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Beratungsfirma Roland Berger. Bis 2025 könnten die Herstellungskosten für Brennstoffzellensysteme um 80 Prozent auf rund 9000 Euro sinken. Dies genüge aber immer noch nicht für einen Durchbruch am Markt, heißt es in der Untersuchung.

Behalten die Unternehmensberater recht, würde dies einen erheblichen Dämpfer für Unternehmen wie Toyota oder Daimler bedeuten. Schon seit Jahrzehnten forschen die Autobauer an der Alternative zu rein batterieelektrischen Fahrzeugen und haben viele Millionen Euro investiert.

Kostentreiber ist das Edelmetall Platin, das den Preis für ein Brennstoffzellensystem je Fahrzeug laut Roland Berger derzeit auf rund 45.000 Euro hebt. Dabei macht die sogenannte Membran-Elektroden-Einheit (Membrane Electrode Assembly - MEA), die Wasserstoff mittels Platin als Katalysator in elektrische Energie für den Antrieb umsetzt, mit bis zu 45 Prozent je Fahrzeug den größten Kostenanteil aus. Rund 40 bis 70 Gramm pro MEA werden benötigt.

Toyota will 2015 Brennstoffzellen-Autos an Privatkunden liefern

Selbst wenn die Autohersteller den Bedarf an Platin auf 15 Gramm und damit die Stückkosten auf 1000 Euro senken könnten, entfiele laut der Roland-Berger-Studie auf das Metall der größte Kostenanteil. Hinzu komme, dass der Preis für das seltene Platin bei höherer Nachfrage auch stark steigen könnte. Deswegen forschen viele Hersteller bereits an der platinfreien Brennstoffzelle. "Erst wenn der Durchbruch zu platinfreien Systemen gelingt, können diese ein signifikantes Marktpotential erreichen", sagte Studienautor Wolfgang Bernhart. Technisch seien solche Systeme aber noch weit von der Serienreife entfernt.

Erst vor wenigen Tagen hatte der japanische Autobauer Toyota angekündigt, 2015 erste Brennstoffzellen-Fahrzeuge für Privatkunden auf den Markt zu bringen - allerdings zunächst ausschließlich in Kalifornien. Der US-Bundesstaat ist für seine hohe Akzeptanz von alternativen Antrieben bekannt.

Auch Daimler hatte ursprünglich eine "großflächige Markteinführung" der Brennstoffzelle für 2014 angekündigt. Nachdem der Stuttgarter Autobauer aber eine Allianz mit Ford und Nissan eingegangen war, um Kosten zu senken, wurde der Termin auf 2017 verschoben.

Im Vergleich zu batterieelektrischen Fahrzeugen haben Brennstoffzellenfahrzeuge kein Tank- oder Reichweitenproblem. Sie lassen sich ähnlich schnell wie herkömmliche Autos befüllen und kommen mit einer Ladung Wasserstoff um die 500 Kilometer weit. Allerdings gilt die Herstellung von Wasserstoff als sehr energieintensiv und stellt daher ebenfalls ein Problem bei der Durchsetzung der Technologie dar.

mhu/dpa



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insgesamt 112 Beiträge
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wolke4 13.01.2014
1. Forschungsansatz
Zumindest im Ansatz gibt es Ersatzmöglichkeiten für Platin: www.analytik-news.de/Presse/2013/768.html
iglobsne 13.01.2014
2. Wasserstoff u dgl.
wann wird über dieses Thema endlich einmal so berichtet, wie es erforderlich wäre; vorurteilsfrei und nur dem Vernunftgedanken geleitet. Klar ist die Herstellung von Wasserstoff energieintensiv; jegliche Verwendung für die Herstellung von Wasserstoff von bisher nicht verwendeter Enrgie aus Windkraft wäre eine "gute" Energie. Ist die Technik erst mal eingesetzt, wird sie ihren Weg machen; solange nicht Monopole/Lobbyisten und andere Verweigerer und Verzögerer diesen Weg verbauen.
felisconcolor 13.01.2014
3. zumindest in
Deutschland könnte die Wasserstoffherstellung der Windenergie die Steigbügel halten. Bislang verschenken wir ja unseren überschüssigen Strom. Transport und Speicherung von Wasserstoff ist zwar auch noch ein Problem, was sich aber lösen lassen sollte.
torstenb 13.01.2014
4. Nicht ganz richtig
Zitat von sysopTom GrünwegAus dem Auspuff tropft nur Wasser, das Auto fährt elektrisch. Fahrzeuge mit Brennstoffzelle haben viele Vorteile. Dennoch bleibt ihnen der große Durchbruch in absehbarer Zukunft verwehrt - sagt eine aktuelle Studie. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/brennstoffzellen-autos-roland-berger-sieht-keinen-schnellen-erfolg-a-943252.html
Die hier zitierte Menge an Platin (40-70 g) erscheint sehr hoch. Toyota gibt an, 20-30 g in seinem ersten kommerziellen Fahrzeug zu verwenden, und die Aussichten, diese Menge bis 2020 weiter zu verringern, sind recht gut. Jedes Auto mit Katalysator hat zur Zeit 3-7 g Platin. Das haengt von der groesse des Motors und den jeweiligen Abgasrichtlinien ab. Somit ist auch eine grosse Menge an Pt in Umlauf und kann fuer die erste Generationen von Brennstoffzellenautos recycled werden. Dieses Recycling traegt uebrigens auch zum aktuellen Verfall des Platinpreises bei. Zur Zeit braucht man ungefaehr eine Feinunze (31 g) Pt pro Auto (1400 $). Die Kosten von reinem Platin pro Auto werden in Zukunft also 1000 $ oder weniger. Sowohl viele Brennstoffzellenexperten als auch grosse Automobilhersteller wie Toyota, Hyundai, GM und Daimler, sind sich einig, dass man das "Platinproblem" in den Griff bekommen kann.
middleline 13.01.2014
5.
Zitat von iglobsnewann wird über dieses Thema endlich einmal so berichtet, wie es erforderlich wäre; vorurteilsfrei und nur dem Vernunftgedanken geleitet. Klar ist die Herstellung von Wasserstoff energieintensiv; jegliche Verwendung für die Herstellung von Wasserstoff von bisher nicht verwendeter Enrgie aus Windkraft wäre eine "gute" Energie. Ist die Technik erst mal eingesetzt, wird sie ihren Weg machen; solange nicht Monopole/Lobbyisten und andere Verweigerer und Verzögerer diesen Weg verbauen.
Schön wärs. Zunächst einmal geht es im Artikel nur nachrangigt um die Herstellung von Wasserstoff. Berichtet wird vielmehr über die Schwierigkeiten kosetngünstige Brennstoffzellen herzustellen. Kurz: Brennstoffzelle braucht viel Platin -> Platin ist teuer -> Brennstoffzelle ist teuer. Zwei Lösungsansätze: 1. Brennstoffzellen mit weniger Platin. Aber: Witschaftlicher Erfolg -> mehr Autos mit Brennstoffzellen -> mehr Bedarf an Platin -> Platin wird teuer. Der Markt wirds also in diesem Fall nicht richten. 2.Brennstoffzellen ohne Platin: Wäre super, wird erforscht, ist aber noch nixhts markreif. Der Markt wirds also auch in diesem Fall nicht richten. Es geht eben bei alternativen Energien nicht nur um Wunschdenken sondern knallhart um die Grenzen die durch die physikalischen Gesetze vorgezeichnet sind. Eine Batterie ist hat keine so gute Energiedichte wie ein Tank mit Benzin. Nicht weil die Ölscheichs böse oder die Ingenieuere unwillig sind, sondern weil riesige Massen an Speichermaterial rumgefahren werden müssen. Genauso ist die Brennstofftechnik und das Speichern von Wasserstoff problematisch. Allerdings ist das kein Grund schon gleich wieder eine Weltverschwörung zu vermuten.
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