Fehlerhafte Elektronik Britische Behörde warnt vor explodierenden Hoverboards

Hoverboards stehen in diesem Jahr auf vielen Wunschzetteln ganz oben. Doch einige der Rollbretter mit Elektromotor sind brandgefährlich: In Großbritannien warnen die Behörden, eine Handelskette startet eine Rückrufaktion.

Abgebranntes Hoverboard: "Überhitzen, entflammen oder explodieren"
London Fire Brigade

Abgebranntes Hoverboard: "Überhitzen, entflammen oder explodieren"


Es gibt eine ideale Mobilitätslösung für Leute, die zu bequem zum Laufen sind und nichts mit Skateboards anfangen können: Hoverboards. Ein Brett mit Elektromotor, links und rechts ein Rad. Das Beschleunigen, Bremsen und Lenken funktioniert durch Gewichtsverlagerung. "Selbstausgleichende Elektroroller" lautet ihre korrekte Bezeichnung, aber das klingt natürlich nur halb so gut wie "Hoverboard". Die Teile wiegen rund zehn Kilo, und man bekommt sie ab 300 Euro.

Eigentlich ein ideales Weihnachtsgeschenk - gäbe es da nicht Horrorgeschichten wie die von Paul Hodkinson.

Der Großvater aus der Grafschaft Kent im Südosten Englands hatte seinen Enkeln Hoverboards fürs Fest besorgt. Um sie mit vollem Akku unter den Weihnachtsbaum stellen zu können, lud er eines an der Steckdose in seiner Küche auf. Hodkinson sagte der "Daily Mail", dass anschließend zuerst "Funken sprühten wie bei einem Feuerwerk" und das Gerät dann "wie eine Bombe explodierte". Fotos zeigen das abgefackelte Hoverboard und die rußgeschwärzte Küche des Briten. Er und seine Frau konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, der Schaden an ihrem Haus beläuft sich auf 25.000 Pfund.

Eine Frau aus dem US-Bundesstaat Louisiana und ihr zwölfjähriger Sohn hatten noch mehr Pech - beim Aufladen ging ihr Hoverboard ebenfalls in Flammen auf, das Feuer breitete sich im ganzen Haus aus. In Alabama berichtete unterdessen ein Mann, ihm sei sein Elektrobrett bei der Fahrt unter den Füßen verglüht. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in Florida.

15.000 Hoverboards beschlagnahmt

Trifft die Besitzer selbst Schuld an den Unglücken, weil sie die Hoverboards falsch ans Netz angeschlossen hatten? Offenbar nicht: Die britische Verbraucherschutzbehörde NTS hat in Importhäfen kürzlich mehr als 17.000 angelieferte Hoverboards untersucht - mit dem Ergebnis, dass fast 90 Prozent der Bretter als "unsicher" einzustufen seien. Unter anderem wurde die Qualität der Verkabelung, der Ladegeräte und der Akkus beanstandet. Zudem sei auf den Sicherungstrennschalter in den Geräten kein Verlass. Laut NTS besteht deshalb das Risiko, dass die Hoverboards "überhitzen, entflammen oder explodieren". Die Gerät wurde nach den Tests vom Zoll beschlagnahmt.

Die Behörde machte anschließend keine Angaben dazu, von welchen Herstellern die betroffenen Hoverboards stammten. Sie sprach jedoch eine offizielle Warnung an Konsumenten aus und forderte sie dazu auf, vor allen bei Produkten aus Übersee vorsichtig zu sein. Zusätzlich verwies die NTS auf ihre Verbraucher-Hotline.

Die große britische Handelskette Halfords hat unterdessen eine Rückrufaktion gestartet und das Hoverboard "Air Runner" vom Markt genommen.

cst

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meinmein 06.12.2015
1.
Unsere Reissäcke können zum Glück nicht umfallen, die sind alle TÜV-geprüft.
monolithos 06.12.2015
2.
Erstens sollte man selbst die Briten nicht für so dumm halten, irgendetwas "falsch ans Netz" anzuschließen. Die Benutzung eines Steckers in einer Steckdoese dürfte auch auf der Insel hinreichend zur Allgemeinbildung gehören und auch an britischen Steckdosen dürfte man nichts falsch anschließen können. Zweitens dürfte das Problem der Akku sein und nicht das Board selbst. Damit verlagert sich das Problem auf alle Geräte, in denen Akkus mit dieser Technologie (ich tippe auf Lithium-Polymer-Akkus, nicht zu verwechseln mit Lithium-Ionen-Akkus) verbaut sind, allen voran Elektrofahrräder, denen schon so manche Garage zum Opfer gefallen ist.
frankasten 06.12.2015
3. Na, eben 300 Euro..
davon verbleiben vielleicht 80.- EUR in den Teilen und der Montage. Die Differenz zu 300.- EUR geht in Transport, Importzölle und in die nächsten Yachten des Großhändlers und des Herstellers in PRC. Ein Fahrrad für 80.- EUR bekommt man nur gebraucht, selbst "Baumarkträder kosten ab 120.- aufwärts und schauen natürlich auch genau so aus, nein natürlich eher so, wie wenn der Gegenwert von 50.- EUR während der Herstellung aufgewandt wurde. Also man bekommt beim Hoverdingens bestenfalls den Gegenwert von 100.- EUR. Da sollte man schon mal nachschauen, was drinnen ist. Wenn das nicht hilft....weil da Elekt- rik/ronik aufzufinden ist, die man nicht versteht....draußen aufladen/ausprobieren/abfackeln mit Hochjagen des LiPo-Akkus hat auch Unterhaltungswert und Silverster steht vor der Tür. Und anschließend das Geld wiederholen, vielleicht noch gekoppelt mit einem Versicherungsschaden, falls doch noch mehr kaputt gegangen ist, als nur das Hoverdingens. Danach mal das Geld durchzählen und das reicht ggf. sogar schon für einen Kleinroller mit Puffpuffmotor hinten dran. Wie schön.
crazy_swayze 06.12.2015
4.
To hover bedeutet schweben, ergo hat ein Hoverboard keine Räder. Dieses Ding da ist alles, nur kein Hoverboard.
funnyone2007 06.12.2015
5.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/WDR-warnt-vor-gefaehrlichen-Elektronik-Produkten-im-Online-Handel-3014735.html
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