ADAC-Test Jede 5. Brücke verfehlt Qualitätsstandards

Deutschlands Infrastruktur zerbröckelt. Der schlechte Zustand vieler Verkehrswege zeigt sich nun auch in einem ADAC-Brückentest.

Brüchiger Fahrbahnbelag auf einer Brücke: Marode Infrastruktur in Kommunen
ADAC

Brüchiger Fahrbahnbelag auf einer Brücke: Marode Infrastruktur in Kommunen


Schwerin/Lübeck - Das Fundament undicht, die Träger verrostet: Viele kommunale Brücken in Deutschland sind laut eines Tests des ADAC in miserablem Zustand. Bei der Untersuchung von 30 Brücken in zehn deutschen Städten mit 100.000 bis 250.000 Einwohnern fielen sieben durch. 19 Brücken, also fast zwei Drittel, wurden mit "ausreichend" bewertet. Nur vier Brücken erhielten von den Testern ein gutes Urteil.

Die häufigsten Mängel im Test waren beschädigte oder undichte Fugen sowie Rost an tragenden Teilen der Konstruktion. Dieses Problem ist besonders gefährlich, weil dadurch die Standsicherheit beeinträchtigt werden kann. Laut ADAC sei den Stadtverwaltungen zwar zugutezu halten, dass sie die erforderlichen Prüfungen weitgehend regelmäßig durchführen, um die Sicherheit zu gewährleisten - für die nötigen Reparaturen fehle jedoch oft Geld und Personal.

Diese Beurteilung deckt sich mit einem Bericht der staatlichen Förderbank KfW: Demnach haben deutsche Kommunen im vergangenen Jahr dringend notwendige Investitionen in die Infrastruktur in Höhe von 118 Milliarden Euro unterlassen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte vor Kurzem zwar angekündigt, eine Milliarde Euro bis zum Jahr 2017 in die Sanierung maroder Brücken zu stecken, doch diese Summe ist für Brücken auf Autobahnen und Bundesstraßen gedacht.

Katastrophale Zustände in Lübeck

Mit dem Urteil "mangelhaft" und "sehr mangelhaft" schnitten im ADAC-Test folgende Brücken ab:

  • Boxbergknoten über der B3 in Heidelberg (Baujahr 1969)

  • Bimbachbrücke in Erlangen (1968)

  • Die Brücken in der Wismarschen Straße (1964) und Stadionstraße (1974) in Schwerin

  • Hüxtertorbrücke (1899), Sandbergbrücke (1964) und Rehderbrück (1935) in Lübeck

Geprüft und benotet hat der ADAC in den Kriterien Bauwerkszustand, Sanierungsmanagement, Verwaltungsmanagement und Ausstattung des Verkehrsraumes. Um besonders gut abzuschneiden, wie zum Beispiel die Dreeschbrücke in Schwerin, müsse vor allem der Bauwerkszustand gut, sowie hohe und stabile Geländer, sehr breite Fahrstreifen und ausreichend breite Geh- und Radwege vorhanden sein. Zudem müssten die vorgeschriebenen Prüfungen absolviert und alle wichtigen Unterlagen - etwa zur Statik - vorliegen.

Transparenz beim ADAC

Dem Tester ging es in den vergangen Monaten wie den Brücken - die Strukturen des ADAC sind marode. Nachdem bekannt geworden war, dass die Abstimmungsergebnisse bei einem Auto-Preis gefälscht wurden, kamen fast täglich neue Skandale des Automobilklubs ans Licht. Auch die Qualitätstests wurden infrage gestellt, vor allem, weil der ADAC oft Produkte beurteilte, die er selbst verkaufte. Bei der Aufarbeitung der Vorwürfe geht der Verein weiterhin noch zögerlich vor.

Anders bei dem Brückentest, wo der ADAC nun Wert auf Transparenz legt: Der Name des Ingenieurbüros wird offengelegt, zudem sei das Notensystem in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) festgelegt worden. Alle Urteile, so der ADAC, habe der Qualitätsmanagement-Dienstleister DGQ überprüft.

cst/dpa



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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
ralfrichter 02.06.2014
1. Ein Skandal
da wird der Autofahrer als Melkkuh missbraucht,Mineralölsteuer,Kfz-Steuer,Mehrwertsteuer ect....,da kommen Milliarden zusammen,nichts wird für die Straße getan und dann kommen immer noch Mautdebatten hoch... Wenn diese Bundidos mal besser Haushalten würden und das Geld ihrem Zweck zuführten,hätten wir absolut keine Probleme...
ricson 02.06.2014
2.
Tja das bekommt man halt wenn Kommunen sich vorallem untereinander einen Wettbewerb um die niedrigste Gewerbesteuer geben. Man kann nicht sparen am Ende zahlt man sonst immer drauf. Die Kosten für die Sanierung sind jetzt wahrscheinlich hoeher als es gelegentliche kleinere Reparaturen gewesen wären.
prince62 02.06.2014
3. Der Autofahrer merkt es erst ziemlich spät, der Verfall beginnt viel früher.
Zitat von ralfrichterda wird der Autofahrer als Melkkuh missbraucht,Mineralölsteuer,Kfz-Steuer,Mehrwertsteuer ect....,da kommen Milliarden zusammen,nichts wird für die Straße getan und dann kommen immer noch Mautdebatten hoch... Wenn diese Bundidos mal besser Haushalten würden und das Geld ihrem Zweck zuführten,hätten wir absolut keine Probleme...
Der Autofahrer kriegt ja erst was mit, wenn der Zerfall schon ziemlich weit fortgeschritten ist, als Hobbyrennradfaher merkt und spürt man es schon, wenn es erst anfängt, die dann über Jahre hilf- und hirnlosen Reparaturversuche mit einfach draufgeschmiertem Asphalt machen das ganze dann eher schlimmer und sollen den Zerfall wohl nur optisch verleugnen, es ist alles noch viel viel schlimmer und wer es nicht glauben will, einfach auf das Fahrrad setzen und mal über das Land fahren.
tksuper 02.06.2014
4. Da frage man sich doch,
was passiert mit den aber Milliarden Kfz-Steuern, und den noch mehr Milliarden aus der Benzinsteuer. Auch so. Habe ich vergessen. Die braucht der Staat für die Wahlversprechen der Parteien, und der Rest wandert solidarisch in den Süden Europas. Deshalb jetzt also, noch die PKW Maut. Der Deutsche Kfz. Besitzer lässt sich ja so trefflich schröpfen.
mimas101 02.06.2014
5. Tja
Ich bin gerade damit beschäftigt die vielen Nullen hinter einer 1 aufzuschreiben, die für die ECU-Geld-Rettung stehen. Da kann ich jetzt keinen Kommentar schreiben. ;)
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