Bugatti Galibier: Das ist der "Gipfel des Automobilbaus"

Aus Frankfurt berichtet Tom Grünweg

Bugatti sucht den richtigen Weg in die Zukunft. Da die versprochenen 300 Veyron bald verkauft sind, macht sich die VW-Tochter Gedanken über ein neues Modell. Eine erste Idee ist der 16C Galibier. Die Chancen stehen gut, dass der Viertürer tatsächlich in Serie geht.

Bugatti Galibier: Leicht und luxuriös Fotos

Es war ein Studienreigen ohnegleichen: Als Volkswagen vor elf Jahren die Marke Bugatti übernommen und mit der Wiederbelebung begonnen hatte, präsentierten die Niedersachsen einen Design-Entwurf nach dem anderen. Ganze sieben Jahre und ein halbes Dutzend Showcars später kam dann tatsächlich der Veyron auf die Straße. Vier Jahre später ist die Laufzeit des 1001-PS-Renners beinahe wieder um. Denn mehr als 300 Autos sollen im französischen Molsheim nicht gebaut werden. "Davon sind 250 Fahrzeuge bereits verkauft", sagt Markenchef Franz-Josef Paefgen. Allerhöchste Zeit also, sich Gedanken über einen Nachfolger zu machen.

Pünktlich zur Feier des 100. Firmengeburtstags rollte Paefgen daher kurz vor der IAA in Frankfurt am Stammsitz das neue Modell ins Rampenlicht. Der 16C Galibier hat so manchen überrascht. Denn statt eines neuerlichen Spitzensportlers gibt es nun eine exklusive Hochleistungslimousine. Benannt nach einem spektakulären Alpenpass und einer Variante des Type 57, mit dem Ettore Bugattis Sohn Jean die Marke in die Moderne geführt hat, soll das 5,36 Meter lange Prunkschiff nicht weniger als den "Gipfel des Automobilbaus" markieren. Denn gleichgültig, in welchem Segment Bugatti antritt: "Kein anderes Auto in dieser Klasse darf schneller oder stärker sein als unseres", bringt Paefgen die Positionierung der Marke auf den Punkt.

Auf den ersten Blick erinnert der Galibier ein wenig an einen aufgeblasenen Porsche Panamera im Smoking. Wie der viertürige Sportwagen aus Zuffenhausen trägt auch der neue Bugatti-Entwurf einen schier endlos langen Bug und macht danach einen runden Rücken. Allerdings finden sich daran alle typischen Designmerkmale der Franzosen: Der Kühlergrill zwischen den riesigen LED-Scheinwerfern wahrt die Form des Hufeisens, die längs geteilte Motorhaube erinnert an die Gründerzeit und die über Dach und Heck läuft eine eigenwillige Kammlinie.

Acht Liter Hubraum und Bio-Ethanol

Dazu gibt es einen luxuriösen Innenraum, der vor allem mit seiner schlichten Noblesse besticht: Wo in anderen Protzmodellen der Krieg der Knöpfe droht, wurde das Design hier auf das wesentliche reduziert: Zwei große Rundinstrumente in der Mittelkonsole, ein riesiger Bildschirm und ein paar Regler für die Klimatisierung - viel mehr muss gar nicht sein.

Auch unter dem Blech, Verzeihung: dem blau schimmernden Sichtkarbon sowie den Türen und Kotflügeln aus Aluminium, ist der Galibier ein waschechter Bugatti: Wie der Veyron bekommt er deshalb Allradantrieb, er bremst mit neuen Karbon-Keramikscheiben, und er fährt mit einem auf Bio-Ethanol umgerüsteten W16-Motor, der mit seinen acht Litern Hubraum so ziemlich jedes Auto in den Schatten stellt - nur die Dodge Viper hat ein noch größeres Triebwerk.

Die Idee zu diesem Auto geisterte den Franzosen schon lange durch den Kopf. "Bereits vor dem Veyron haben wir oft an einen Viertürer gedacht", sagt Paefgen und erinnert an Studien wie den EB218. "Denn in den aufstrebenden Märkten im Osten, in Russland, China oder Indien sind Zweitürer nur schwer zu verkaufen." Und während die Superreichen in der alten Welt ihre Millionen stärker zusammenhalten, rechnet die Branche dort weiterhin mit einem wachsenden Maß an zahlungskräftiger Begeisterung.

Mit Welttournee auf Kundenjagd

Wie groß die tatsächlich ist, will Paefgen nun ausloten. Deshalb schickt er den Wagen auf eine große Reise und lässt rund um die Welt anfragen, wie sich die möglichen Kunden die Zukunft von Bugatti wünschen. "Wir wollen wissen, ob sie diesen Wagen kaufen würden, wie viel Leistung er haben müsste und was er kosten dürfte." Erst dann wird entschieden, wie es damit weitergehen soll. Doch das Echo auf die Jungfernfahrt war für Paefgen so überwältigend, dass er dem Votum der Hautevolee gelassen entgegen sieht.

Nur wie lange es noch dauern wird, kann und will Paefgen noch nicht sagen. "Die Entscheidung werden wir nach der Welttournee im Frühjahr fällen", sagt der Bugatti-Chef. "Aber auch wenn wir für die Studie schon alles durchgerechnet haben, brauchen wir für die Entwicklung die Hilfe des Konzerns. Um das alleine zu stemmen, ist unser Team zu klein." Dumm nur, dass die Kollegen der anderen Marken gerade selbst genug zu tun haben. Vor 2013 ist deshalb kaum mit der Markteinführung zu rechnen.

Diese noch etwas ungewisse Zukunft ist ein Grund, weshalb Paefgen auf die Präsentation des Galibier bei der IAA verzichtet hat. "Bevor wir das Auto einem breiten Publikum zeigen, wollen wir sicher sein, dass es auch tatsächlich so kommt", sagt der Markenchef und erinnert an seine Zeit als Audi-Chef: "Was wir dort als Studie gezeigt haben, ist heute fast alles auf der Straße." Nicht umsonst hat er den Bau dieses Autos bei seinen alten Zulieferern in Ingolstadt in Auftrag gegeben, Sie beherrschen nicht nur die Karbon-Fertigung, sondern haben auch einen fahrfähigen Antrieb realisiert. Showcars nur um des Effekts willen zu zeigen und danach auf Nimmerwiedersehen wegzusperren, sei nicht sein Ding, sagt Paefgen: "Wir wollen schließlich Autos bauen und keine Skulpturen."

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