Bugatti Veyron 16.4 Vitesse: Wumms!

Von Tom Grünweg

Bugatti Veyron 16.4 Vitesse: Extremist auf Rädern Fotos
Bugatti

Der Bugatti Veyron hat 1200 PS, bei Vollgas ist der 100-Liter-Tank nach zwölf Minuten leer, und mit der Wärme des Motors könnte man 40 Einfamilienhäuser heizen. Wie macht man so ein Auto noch krasser? Man kappt das Dach. Ein Bericht aus der Pilotenkanzel des extremsten Roadsters der Welt.

DER ERSTE EINDRUCK: Na prima. Da sitzt man zum ersten Mal im stärksten, teuersten und schnellsten Auto der Welt, und der 16-Zylinder-Motor klingt beim Anlassen wie ein Audi TT. Und wenn man im siebten Gang mit weniger als 1000 Touren durch den Vorort rollt und die Leistungsanzeige links neben dem Drehzahlmesser bei 40 PS steht, hört sich das Zwei-Millionen-Euro-Teil fast wie ein Elektroauto an.

War's das schon? Natürlich nicht. Ein Gasstoss reicht, um sich in eine andere Welt zu katapultieren. Der Hinterkopf knallt gegen den Sportsitz aus Karbon, und jedes Autotest-Koordinatensystem fällt in sich zusammen wie ein Kartenhaus: Schon im ersten Gang geht es über 100 km/h, wer beim Überholen nicht aufpasst, hat schnell 250 auf dem Tacho - und im Heck tobt dabei die Hölle.

Luxus? Laufkultur? Kann man vergessen, wenn die 16 Kolben bei mehr als 6000 Touren durch die Zylinder fliegen und die vier Benzinpumpen so viel Sprit fördern, dass der 100-Liter-Tank bei Vollgas schon nach zwölf Minuten leer wäre. Der Krawall ist infernalisch - und noch spektakulärer wird das Klanggewitter, wenn man den Gasfuß etwas lupft und der Veyron mit einem gewaltigen Fauchen den Überdruck der Turbos ausbläst wie ein Wal die Luft beim Auftauchen.

DAS SAGT DER HERSTELLER: Der Vitesse ist die letzte Evolutionsstufe des Bugatti Veyron und mit einem Spitzentempo von 410 km/h der schnellste Roadster der Welt. Er basiert auf dem Modell Super Sport, mit dem Testfahrer Pierre Henri Raphanel im Sommer 2010 mit 431 km/h einen Geschwindigkeitsweltrekord für Serienfahrzeuge aufstellte. Die 300 Coupés der Veyron-Baureihe sind ausverkauft, von den 150 Roadsterversionen sind noch 81 zu haben.

Nach Schätzungen von Verkaufschef Stefan Brungs wird in drei Jahren der allerletzte offene Veyron ausgeliefert - eine neue Variante wird es nicht mehr geben. Stattdessen laufen bereits die Arbeiten an einem Nachfolger, und der wird eher in Richtung Luxuslimousine gehen, wie bereits die Studie Galibier andeutete. Grünes Licht aus der Konzernzentrale in Wolfsburg gibt es aber noch nicht. Bugatti verkaufte bislang die meisten Autos in den USA, in den Golfstaaten, Russland und China - und zwölf Fahrzeuge auch in Deutschland.

Wer jetzt einen Veyron Vitesse bestellt, braucht 400.000 Euro für die Anzahlung und ein wenig Geduld. Denn die Lieferzeit liegt bei etwa einem Jahr. Allerdings gibt's zum Zeitvertreib eines der edelsten Modellautos überhaupt: Eine 1:8-Kopie des Wunschwagens, die wie das künftige Fahrzeug lackiert, beledert und bereift ist. Die Warterei auf den Bugatti schränkt die Mobilität der meisten Kunden natürlich kein bisschen ein. Laut Brungs besitzen Bugatti-Besteller im Schnitt noch 32 andere Autos in der Garage.

DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Wie nah Genie und Wahnsinn bei diesem Auto beieinander liegen. Eben noch fasziniert von der schier unglaublichen Leistung und dem brachialen Vortrieb des Bugatti, hat man in der Sekunde darauf Angst vor der eigenen Courage - und den lokalen Sicherheitsbehörden. Denn so mühelos, wie der Zweitonner beschleunigt und so sauber er dank Allradantrieb in wirklich jeder Kurve in der Spur bleibt, ist der limitierende Faktor beim Veyron nie das Fahrzeug, sondern immer der Fahrer. Und der fühlt sich am Steuer wie ein Dilettant, den die erste Spritztour an die ersten Fahrstunden erinnert.

Nicht minder auffällig ist die entspannte Leichtigkeit, mit der sich die Rakete auf Rädern bewegen lässt. Man sitzt in einer Luxusoase, selbst bei weit über 200 km/h weht im offenen Auto nur ein laues Lüftchen und auf einen Schaltruck der famosen Doppelkupplung wartet man vergebens. Einsteigen, anschnallen, losfahren - während man bei manch anderem Sportwagen eine Einweisung braucht, könnte jeder Fahrschüler den Bugatti bewegen. Weltrekordler Pierre Henri Raphanel sagt es so: "Um einen Bugatti zu fahren, braucht man nur zwei Dinge. Einen Führerschein und die Kleinigkeit von zwei Millionen Euro."

DAS MUSS MAN WISSEN: Der Veyron markiert in fast jeder Disziplin den Superlativ. Er hat mit acht Liter Hubraum und 16 Zylindern den aktuell größten Pkw-Motor. Es gibt kein Serienauto mit mehr als 1200 PS oder 1500 Nm Drehmoment. Kein anderer Roadster fährt 410 km/h und kein anderer Wagen kostet mehr als 1,69 Millionen Euro netto. Allein die deutsche Mehrwertsteuer auf den Preis würde für 20 VW Polo reichen.

Was man dagegen gar nicht wissen will, ist der Verbrauch: Nach offiziellem Zyklus sind es 23,1 Liter, doch das dürfte von der Realität weit entfernt sein. Daneben gibt es noch jede Menge spektakulärer Zahlen, mit denen man sich zum Wortführer beim Benzingespräch aufschwingen kann. Zum Beispiel die 3700 Kilo Luft, die der Wagen bei voller Leistung innerhalb einer Stunde zieht (das ist mehr, als ein Mensch pro Monat zum Atmen braucht); oder die über 800 kW Abwärme in den Kühlern des 490 Kilo schweren Motors, mit denen man 40 Einfamilienhäuser heizen könnte; oder die lediglich 1820 Kilometer Laufleistung, auf die ein Bugatti durchschnittlich im Jahr kommt.

DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Wie verdammt schmal selbst eine gut ausgebaute Teststrecke wird, wenn man mit 200 km/h aus der Steilkurve schießt und dann mal eben auf weit mehr als 300 beschleunigt. Wie entspannt man zehn Minuten später über die Landstraße zurück zum Hotel rollt, und wie angespannt man dabei nach der richtigen Route sucht. Denn was bitte wäre peinlicher, als aus so einem Auto nach dem Weg zu fragen, nur weil es trotz zwei Millionen Euro Kaufpreis und mehr als fünf Jahren Entwicklungszeit nicht für ein Navigationssystem gereicht hat?

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insgesamt 192 Beiträge
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1. Jetzt aber wiklich :-)
Fritz.A.Brause 08.06.2012
Mehr als 30PS braucht doch wirklich niemand und der Wagen ist total unnötig und viel zu schwer noch dazu. Ach ja und bestimmt auch eine Kompensation für zu klein geratene Genitalien. Hmmm. Ob ich es wohl geschafft habe, die Quintessenz der sicher noch folgenden Schmähkommentare in nur zwei Sätzen vorwegzunehmen?
2.
icke 08.06.2012
Bugatti-Fahrer sind ebend auch nur Menschen, wie du und ich. Denen ist ein mobiles Navi ala TomTom sicherlich auch nicht peinlich... der Anblick würde mir allerdings schon ein Grinsen hervorlocken. :)
3. Kreidezeit
Fackus 08.06.2012
Zitat von sysopDer Bugatti Veyron hat 1200 PS, bei Vollgas ist der 100-Liter-Tank nach zwölf Minuten leer, und mit der Wärme des Motors könnte man 40 Einfamilienhäuser heizen. Wie macht man so ein Auto noch krasser? Man kappt das Dach. Ein Bericht aus der Pilotenkanzel des extremsten Roadsters der Welt. Bugatti Veyron 16.4 Vitesse: Ausfahrt im extremsten Roaster der Welt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,837466,00.html)
Erinnert mich an die Saurier oder Ammoniten. Die sind jeweils ausgestorben, nachdem sich die grössten und merkwürdigsten entwickelt hatten. Aber dann gings ganz schnell ....
4. neee, also echt,
nein_zur_vds 08.06.2012
...da hab ich die Bestellung doch schon fast auf den Weg gebracht und dann seh ich das mit dem fehlenden Navi... Da fahr ich dann doch weiter den TT... ;)
5.
homer25 08.06.2012
Zitat von Fritz.A.BrauseMehr als 30PS braucht doch wirklich niemand und der Wagen ist total unnötig und viel zu schwer noch dazu. Ach ja und bestimmt auch eine Kompensation für zu klein geratene Genitalien. Hmmm. Ob ich es wohl geschafft habe, die Quintessenz der sicher noch folgenden Schmähkommentare in nur zwei Sätzen vorwegzunehmen?
Vor ihrer "30" fehlt eine "1". Sicher, 1200 PS sind definitiv zuviel, und alle 12 minuten 100 Liter Tanken, kann sich sicher auch nicht jeder leisten. Aber mal ehrlich, mit einer 30PS krücke, das kann man vieleicht in der Stadt bringen. Aber wenns weiter weg sein soll, und Komfortabler, dann müssen es schon ein paar pferde mehr sein. Eine Urlaubsreise von 400km oder mehr will ich nciht in einer 30 PS krücke machen. Solche Autos sind dazu eindeutig nicht gebaut.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Bugatti
Typ: Veyron 16.4 Vitesse
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: 16-Zylinder-Benziner mit vier Turboladern
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb: Allrad
Hubraum: 7.993 ccm
Leistung: 1200 PS (883 kW)
Drehmoment: 1500 Nm
Von 0 auf 100: 2,6 s
Höchstgeschw.: 410 km/h
Verbrauch (ECE): 23,1 Liter
CO2-Ausstoß: 539 g/km
Gewicht: 1.990 kg
Maße: 4462 / 1990 / 1199
Preis: 2.011.100 EUR


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