Bugatti Veyron Grand Sport Zur Not mit Regenschirm

Einmal im Jahr steigt die Millionärsdichte im kalifornischen Pebble Beach rasant an: Während des Concours d'Elegance kommen gutbetuchte Oldtimerfans zum Altmetall-Gucken an die US-Westküste. Auch edle Neuwagen gibt es zu sehen - etwa den schnellsten Roadster der Welt.

Aus Pebble Beach berichtet


Um den ebenso extravaganten wie seltenen Bugatti Veyron in den Schlagzeilen zu halten und die Manufaktur in Molsheim auszulasten, schickt die nobelste der VW-Töchter den schnellsten Seriensportwagen der Welt jetzt auch oben ohne ins Rennen - als Roadster. Vor der versammelten PS-Elite und den reichsten Auto-Afficionados der Welt präsentierte die französische Marke am Wochenende beim Concours d'Elegance im kalifornischen Pebble Beach den Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport.

Vom Coupé unterscheidet sich der 1001 PS starke Zweisitzer durch ein etwa einen Quadratmeter großes, transparentes Stück Polycarbonat, das über dem Kopf des jeweiligen Kolossalverdieners in einem Karbonrahmen steckt und mit ein paar Handgriffen ausgebaut werden kann. Obwohl die Höchstgeschwindigkeit des offenen Wagens dadurch von 407 auf 360 km/h sinkt, trägt der Irrsinnswagen dennoch den inoffiziellen Titel "schnellster Roadster aller Zeiten". Jedoch sollte man Hochgeschwindigkeitsexzesse mit geöffneter Luke nur bei gutem Wetter wagen. Denn das Dachelement ist so groß und der Kofferraum des Autos so klein, dass die Haube in der Garage bleiben muss.

Dennoch lässt Bugatti die erlauchte Kundschaft nicht im Regen sitzen. In einem maßgeschneiderten Seesack, der dann doch in den Kofferraum passt, steckt ein Notverdeck, das wie ein Regenschirm per Knopfdruck aufgespannt und in die Lücke zwischen der vergrößerten Frontscheibe und den beiden mit einem Überrollschutz ausgestatteten Lufthutzen hinter den Sitzen geklemmt wird. Allerdings ist die kleine Plane nicht sonderlich sturmfest: Mehr als 130 km/h sollte man dem Baldachin nicht zumuten.

Ab März 2009 rollt der offene Veyron auf die Straße

1001 PS, 16 Zylinder, acht Liter Hubraum und ein Sprintwert von 0 auf Tempo 100 in weniger als drei Sekunden machen den offenen Bugatti zu einer außergewöhnlichen Luftnummer. Um die Begehrlichkeit noch weiter zu erhöhen, macht die Marke die Sause nicht nur zu einem teuren, sondern auch zu einem seltenen Vergnügen: Lediglich 150 Exemplare des Grand Sport werden gebaut, die ersten Modelle kommen ab März 2009 unter die Multimillionäre.

Verknappung, das zeigen auch Autos wie der Lamborghini Reventón oder der Mercedes SLR 722, steigert das Interesse ungemein. Während selbst diese extremen Serienmodelle ohne Limitierung durchaus konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt sind, verkaufen sich in ihrer Auflage begrenzte Modelle in dieser Liga fast von selbst. Das hat Bugatti zuletzt vor einem Jahr bei der IAA in Frankfurt gelernt, als die Variante Pur Sang präsentiert wurde: Der unlackierte Wagen (das war der Gag) kostete 300.000 Euro Aufpreis, und die fünf Modelle, so heißt es, seien verkauft gewesen, noch bevor die Präsentation zu Ende war.

Bugatti-Modelle als Anlageobjekte

Wie jeder Supersportler der letzten Jahre fährt allerdings auch der Veyron im heftigen Gegenwind. Denn auch wirklich reiche Menschen blättern die Millionen nicht mehr ganz so leicht aus der Schatulle. Trotzdem feiert Bugatti, wie die anderen Hersteller in dieser Klasse auch, den Veyron als Erfolg. Immerhin liegen im Tresor von Firmenchef Franz-Josef Paefgen angeblich etwa 250 fixe Kaufverträge, von denen erst etwa 150 abgearbeitet sind. Kommen jetzt noch einmal 150 Roadster dazu, ist die Manufaktur in den nächsten Jahren gut beschäftigt.

Außerdem reifen allmählich auch die Ideen für eine Zeit nach dem Veyron. Es gibt Gerüchte über eine Bugatti-Limousine in der Preislage um 700.000 Euro, die Maybach und Rolls-Royce fast schon billig aussehen ließe. Trotzdem wäre der Luxusliner gegenüber dem neuen Roadster ein Schnäppchen.

Kostet schon das Coupé unglaubliche 1,3 Millionen Euro netto, wird der Grand Sport erst ab 1,4 Millionen verkauft – vor Steuern. In Deutschland müsste ein Käufer des offenen Über-Autos knapp 1,7 Millionen Euro hinlegen. Über diesen Preis dürfte der unbekannte Käufer eines anderen Bugatti indes nur müde lächeln: Bei der Auktion in Pebble Beach erzielte ein 70 Jahre alter Bugatti Atalante 57 SC am Wochenende umgerechnet 4,9 Millionen Euro.



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