Bund der Steuerzahler: Klage gegen Dienstwagen-Regelung

Klassischer Dienstwagen (VW Passat): Welcher Preis ist für die Besteuerung fair? Zur Großansicht

Klassischer Dienstwagen (VW Passat): Welcher Preis ist für die Besteuerung fair?

Viele Angestellte zahlen zu hohe Abgaben auf ihren Dienstwagen - diese Ansicht vertritt der Steuerzahlerbund und klagt deswegen vor dem Bundesfinanzhof. Es geht dabei um die Frage, welcher Preis als Berechnungsgrundlage für die sogenannte Ein-Prozent-Regel genommen wird.

München - Den Ausgang dieses Verfahrens dürften viele Arbeitnehmer mit Spannung erwarten: Vor dem Bundesfinanzhof in München lässt der Bund der Steuerzahler die geltende Besteuerung von Dienstwagen überprüfen. Das oberste deutsche Steuergericht soll klären, ob als Berechnungsgrundlage für die Abgabe wie bisher der Bruttolistenpreis gilt, oder ob stattdessen der tatsächliche Kaufpreis angesetzt werden müsste. Die Betroffenen könnten dabei viel Geld einsparen, wie das Beispiel des Klägers in dem Musterverfahren zeigt.

Der Arbeitnehmer fuhr ein gebrauchtes Auto im Wert von 32.000 Euro als Dienstwagen. Weil er den Wagen auch privat nutzte, setzte das Finanzamt für die Ermittlung des geldwerten Vorteils aber wie bei Dienstwagen üblich den Listenpreis an. Der lag um einiges höher - nämlich bei 81.400 Euro.

Bislang können die Nutzer von Dienstautos den geldwerten Vorteil entweder anhand eines Fahrtenbuchs versteuern oder pauschal mit einem Prozent des Listenpreises pro Monat. Der Arbeitnehmer wählte letzteres Modell. Die Folge: Er musste monatlich 814 Euro für das Auto versteuern.

"Für den Fiskus ist der Ansatz des Bruttolistenpreises ein lukratives Geschäft, denn der Ansatz des höheren Listenwertes führt auch zu einer höheren Steuer für die Steuerzahler", erklärte der Bund der Steuerzahler.

Klage hat wenig Aussicht auf Erfolg

Der Bundesfinanzhof ließ am Donnerstag in einer ersten Stellungsnahmen jedoch keine Zweifel an der geltenden Besteuerung erkennen. Der Senat habe wenig Neigung, den Fall wegen verfassungsrechtlicher Bedenken dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Heger.

Heger wies die Kritik an der Ein-Prozent-Regelung zurück. Angesichts der Kosten für den Unterhalt eines Autos - von der Werkstatt über den Reifenwechsel bis hin zum Benzin - seien auch Belastungen von mehreren hundert Euro pro Monat nicht unrealistisch. Außerdem habe jeder die Möglichkeit, sich der Ein-Prozent-Pauschale zu entziehen, indem er anhand eines Fahrtenbuchs nachweist, wie hoch der private Anteil an der Autonutzung sei. "Das Fahrtenbuch ist nicht unzumutbar", sagte Heger. Eine endgültige Entscheidung wird erst im kommenden Jahr erwartet.

Für die Autohersteller haben Dienstfahrzeuge eine große Bedeutung. In diesem Jahr liegt der Firmenwagenanteil an allen Auto-Neuzulassungen nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) bei mehr als 30 Prozent. Das sind rund eine Million Wagen. Von den rund 43 Millionen Fahrzeugen in Deutschland sind insgesamt rund 3,7 Millionen Firmenwagen.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, dass der Kläger 814 Euro monatliche Steuern für seinen Dienstwagen entrichten musste. Tatsächlich musste er monatlich 814 Euro versteuern. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cst/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Er zahlte monatlich 814 Euro Steuern für das Auto
derdingens 13.12.2012
Nein - er bersteuerte 814 € für das Auto. Bei einem Spitzensteuersatz von 45% (inklusive Reichensteuer) zahlt er also maximal 366,30€.
2. Steuersatz 100%?
noalk 13.12.2012
"Er zahlte monatlich 814 EUR Steuern". Demnach hätte der gute Mann einen Steuersatz von 100%.Richtig ist wohl eher, dass er monatlich 814 EUR versteuern musste.
3. Angaben falsch
Skorpion-4411 13.12.2012
Die Angaben im Artikel, dass 1% des Listenpreises, als Steuern zu bezahlen sind (hier 814 €) stimmt so nicht. Richtig ist die 1% werden dem Monatseinkommen zugerechnet (Steuerwerter Vorteil) und dann von diesem -höheren- Einkommen die Steuer berechnet. Dennoch wurde es Zeit, dass gegen die Festsetzung des Listenpreises der Autohersteller - als Mondpreis den niemand zahlt - geklagt wird.
4. 814 Euro Steuern?
bernd.gf 13.12.2012
Es sind nur 814 Euro nach dem persönlichen Steuersatz monatlich zu versteuern.
5. Vorteile der Dienstwagenregelung unübersehbar
Skorpion-4411 13.12.2012
Natürlich zahlt niemand den Listenpreis bei der Anschaffung eines Neuwagens – eine Firma auf den der „Dienstwagen ja zugelassen wird“ sowieso nicht – von daher ist die Klage durchaus berechtigt. Mal abgesehen davon, dass die hier genannten 814,00€ nicht als Steuer zu zahlen sondern nur mit dem individuellen Einkommensteuersatz zu versteuern sind ist diese Regelung eine versteckte Subvention der Autohersteller, als auch eine deutlich steuerliche Bevorteilung gegenüber den Arbeitnehmern die lediglich 30 Cent je Entfernungskilometer zur Arbeitsstelle bei der Steuer berücksichtigen können. Denn diese Dienstwagenregelung beinhaltet in der Regel - im Vertrag mit dem Arbeitgeber - auch, dass der Arbeitnehmer den Dienstwagen umfänglich privat nutzen kann. Es entstehen ihm auch sonst keine Kosten für Haftpflicht- und Kaskoversicherung, Sprit, Reparaturen, Unfallschäden usw. Für ein Auto der Mittelklasse Listenpreis 42.000 € blieben bei einem Steuersatz von 30% lediglich 126 € / Monat beim Arbeitnehmer; dafür kann man sicherlich ein solches Fahrzeug nicht unterhalten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Steuern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 52 Kommentare
Facebook


Aktuelles zu