Fuhrpark der Bundesregierung Elektrolimousinen? Nein, Spritschlucker

Die Bundesregierung gibt sich gern als Vorreiter der neuen Mobilität, setzt in der Praxis vor allem durstige Wagen der Oberklasse ein. Plug-in-Hybride wären eine mögliche Alternative - allerdings nur auf dem Papier.

Angela Merkel an Bord eines Dienstwagens
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Angela Merkel an Bord eines Dienstwagens


Im Fuhrpark der Bundesregierung gibt es bisher kaum umweltfreundliche Autos, derzeit fahren insgesamt nur 2,1 Prozent der Fahrzeuge elektrisch. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Vor zwei Jahren hatte die Bundesregierung beschlossen, dass künftig mindestens 20 Prozent der Fahrzeuge in ihrem Fuhrpark E-Autos sind. In zwei Drittel der Ressorts wird dieses Ziel aber derzeit verfehlt.

Den höchsten Anteil an Fahrzeugen mit Elektromotor hat das Auswärtige Amt mit 44,4 Prozent - allerdings umfasst dessen Fuhrpark nur 27 Fahrzeuge, von denen zwölf über einen Elektromotor verfügen. Das Bundesinnenministerium kommt einschließlich seines Geschäftsbereichs mit nur 0,6 Prozent auf den niedrigsten Anteil, hier fahren nur 81 von 13.795 Fahrzeugen elektrisch.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Stephan Kühn sprach von "peinlichen Zahlen". Wenn Deutschland zum Leitmarkt für die Elektromobilität werden solle, müsse die Bundesregierung selbst zum Vorbild werden. Angesichts der industriepolitischen Bedeutung der Elektromobilität für den Automobilstandort Deutschland seien die Zahlen ein "Armutszeugnis", kritisierte Kühn. "Damit die Elektromobilität in Fahrt kommt, brauchen wir jetzt eine Beschaffungsoffensive für öffentliche Flotten und Fuhrparks."

Plug-in-Hybride keine echte Alternative

Vor allem Plug-in-Hybride sollten bisher die Fuhrparks umweltfreundlicher machen, allerdings sind sie keine besonders beliebte Alternative: Ende 2017 beschwerten sich zwei Staatssekretäre aus Bundesfinanz- und Verkehrsministerium über ihren Dienstwagen, den BMW 740e iPerformance, beim Hersteller. Deren Fahrer klagten nach Informationen des SPIEGEL darüber, dass die Autos nur kurze Strecken elektrisch zurücklegen können und der Verbrauch des Verbrennungsmotors an Bord exorbitant hoch sei.

Grundsätzlich offenbart die Anfrage ein Problem: Elektrische Fahrzeuge gibt es im vom Bundestag bevorzugten Fahrzeugsegment, der Mittelklasse, nicht. Auch bei den Repräsentationsfahrzeugen der Oberklasse ist das Angebot nicht vorhanden. Marken wie Tesla aber kommen nicht infrage - schließlich muss die heimische Industrie gestärkt werden. Immerhin gibt es in diesen Klassen Plug-in-Hybride, als elektrifizierte Fahrzeuge, die aber offensichtlich nicht nachgefragt werden.

Vielleicht auch, weil sie sich, wie das Beispiel BMW 7er zeigt, im Alltag nicht bewähren. Das liegt einerseits an der Berechnung des Durchschnittsverbrauchs, bei Plug-in-Hybriden ist die Diskrepanz zwischen dem angegebenen Verbrauch und den realen Werten besonders groß, da die Bemessung zugunsten des Elektroantriebs ausfällt. Gleichzeitig sind die Wagen wegen der Elektromotoren schwerer und haben kleinere Tanks, weshalb die Chauffeure ständig nachtanken müssten, hieß es damals.

ene/dpa/AFP



insgesamt 75 Beiträge
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Bin_der_Neue 04.05.2018
1.
Klar - die Zeche zahlen bzw. Mobilitätseinschränkungen hinnehmen sollen schließlich andere. Wetten, dass für Regierungskutschen auch keine Fahrverbote gelten? Und wenn doch, dann werden eben doch neue beschafft - zu Lasten des Steuerzahlers, versteht sich. So eine ganze Flotte neuer, teilweise gepanzerter Oberklasselimousinen - die deutsche Autoindustrie in ihrer weißen Weste würde sich freuen.
Prinzen Paule 04.05.2018
2. Gepanzert
Wenn man gepanzerte Limousinen fährt was bei einigen Politikern wirklich nötig ist wird man um ein Spritverbrauch von 20-30 l nicht um hin kommen. Besser als alles mit dem Hubschrauber zu fliegen der braucht noch mehr :-)
g-tech 04.05.2018
3. Hybride
Da gibt es eben solche und solche. Die Interpretation der Premium-Hersteller ist: a) Leistungssteigerung und b) absurd niedriger Verbrauch auf dem Papier, also Beschönigung des Flottenverbrauchs. Wenn die elektrische Reichweite nur wenige km beträgt, die Autos dafür aber um hunderte kg schwerer werden – was erwartet man denn? Dass das Wunder der NEFZ Verbrauchsmessung Realität wird? Es geht auch anders: Fahrzeuge wie die Hybriden vom Toyota setzen das Konzept konsequent zur Verbrauchsoptimierung ein: Benzinmotor und Getriebe werden im Gegenzug abgespeckt, der Motor läuft im Atkinson Zyklus, bei der ganzen Karosserie wird Gewicht gespart (Dämmung? Gibt es nicht). Das macht das Auto dann wirklich sparsamer. Allerdings sind Fahreigenschaften und Fahrkomfort dann auch, gelinde gesagt, sehr gewöhnungsbedürftig. Sicher nicht das, was Politiker als Reiseautos wollen (und das kann ich auch verstehen, ganz ohne Ironie).
gogo-mani 04.05.2018
4. Der gesamte unterstellte Bereich
über 13000 Fahrzeuge im Innenministerium? Wieviele Autos pro Mitarbeiter?
localpatriot 04.05.2018
5. Zwei Fliegen mit einer Klappe
Die Kanzlerin könnte sich einen Tesla als offizielle Auto kaufen lassen. Made in the USA wuerde das den Ausfuhrueberschuss verringern und in den USA wuerde es bestimmt gut ankommen. Und gleichzeitig - die Umwelt sichern.
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