Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Elektromobilitätsgesetz: Bundestag beschließt Vorfahrt für E-Autos

Künftig mehr Vorteile für E-Autos: Bundestag beschließt Elektromobilitätsgesetz Zur Großansicht
REUTERS

Künftig mehr Vorteile für E-Autos: Bundestag beschließt Elektromobilitätsgesetz

Der Bundestag hat das Elektromobilitätsgesetz verabschiedet. Damit können Städte und Gemeinden nun E-Autos bevorzugen. Viele Großstädte haben jedoch bereits angekündigt, die Privilegien nicht einzuführen.

Berlin - Neue Privilegien sollen in Deutschland mehr Elektroautos auf die Straße bringen. Dieses Ziel verfolgt das Elektromobilitätsgesetz, das der Bundestag verabschiedet hat. Den Städten und Gemeinden wird damit das Recht eingeräumt, kostenlose Parkplätze für E-Autos zu reservieren und ihnen die Nutzung von Busspuren zu erlauben.

Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridmotoren gelten als umweltfreundliche Alternative zum Pkw mit Verbrennungsmotor. Bis zum Jahr 2020 sollen deshalb nach dem Willen der Bundesregierung eine Million E-Autos über die deutschen Straßen rollen - bislang sind es lediglich gut 125.000. Noch immer stehen den Plänen jedoch hohe Anschaffungskosten, geringe Reichweite und eine kaum ausgebaute Infrastruktur zum Wiederaufladen im Weg.

Knackpunkt Kaufprämie

Neben der Nutzung von Busspuren und den kostenlosen Parkplätzen sieht das Gesetz auch spezielle Kfz-Kennzeichen vor, damit die neuen Privilegien nicht von den Falschen genutzt werden. Eine staatliche Förderung für den Kauf solcher Fahrzeuge ist hingegen nicht vorgesehen.

Die Opposition hält das Gesetz darum auch für nicht ausreichend. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Stephan Kühn, sagte, eine verstärkte Nachfrage könne nur durch Marktanreize gelingen, etwa durch eine Kaufprämie. Kühn sagte, in Ländern mit einer Kaufprämie sei die Nachfrage nach Elektroautos bis zu 20-mal höher als in Deutschland. Er warb deshalb für einen Kaufzuschuss in Höhe von 5000 Euro. Gegenfinanzieren könne man dies mit einer höheren Kfz-Steuer für Autos mit starkem CO2-Ausstoß.

"Ein Gesetz, das draußen so gut wie niemand braucht"

Das jetzt beschlossene Gesetz steht auch deshalb in der Kritik, weil es nicht verpflichtend für die Kommunen ist. Die meisten Großstädte sind nämlich nicht bereit, ihre Busspuren tatsächlich für Elektroautos zu öffnen. So hatten sich etwa Hamburg und München bereits dagegen ausgesprochen. Eine Freigabe der Busspuren wird dem Vernehmen nach in gerade einmal zwölf deutschen Kommunen ernsthaft geprüft. "Wir machen also ein Gesetz, das draußen so gut wie niemand braucht", sagte Thomas Lutze von der Partei Die Linke.

Zudem ist die Nutzung der Busspuren umstritten. So würden auch unter Umweltaspekten wenig sinnvolle SUV oder großmotorisierte Limousinen mit Plug-in-Hybrid von den Vorteilen profitieren, nur weil sie die im Gesetz vorgesehene Reichweite rein elektrisch zurücklegen können. Die Linke warnt, dadurch würde der Busverkehr in den Innenstädten ausgebremst. Verkehrsstaatssekretär Norbert Barthle (CDU) betonte hingegen, in Norwegen habe man mit der Freigabe der Busspuren gute Erfahrungen gemacht.

smh/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. die E-Mobils
spon-facebook-10000216344 06.03.2015
erkennt man daran, daß die Fahrer wie gebannt auf die Reichweitenanzeige starren, besonders an extremen Wintertagen, wenn die Batterien schön durchgefroren sind. Und bevor so etwas flächendeckend über uns gestülpt wird, sollten die GutmenschBonzen erst mal für eine funktionierende Infrastuktur mit Ladesäulen alle 100 Meter mit einem Universalanschluss für alle Stromanbieter und Fahrzeuganbieter sorgen.
2. Super Sache!
Frank Zi. 06.03.2015
Super! Dann kann ich demnächst endlich mit meinem Porsche Panamera S E-Hybrid über die Busspur an den ganzen Umwelt vergiftenden Autos vorbeifahren! Wurde auch Zeit endlich umweltfreundlichen Fahrzeugen Privilegien wie in England (Befreiung von Londoner Citymaut) oder Norwegen (Busspurbenutzung) zu gewähren.
3. Alles eine Preisfrage
lattifix 06.03.2015
Einen sehr gut ausgestatteten Benziner bekomme ich für 20k€ vom Asiaten um die Ecke. Ein vergleichbares E-Mobil (die Reichweite würde mich nicht so stören) kostet gerne gleich mal 10.000 Euro mehr. Mein KIA c'eed hat nach acht Jahren gerade mal 68.000 km runter und brauchte bis jetzt nur einmal neue Bremsen. Alleine bei diesem Alter hätte ein E-Mobil schon mal 'nen neuen Akku gebraucht - schließlich hätte ich das Teil trotz geringer Entladung und wider besseren Wissens abends an die Steckdose gehängt. Mein Eindruck ist, dass die Hersteller entweder die Akku-technik noch nicht im Griff haben, oder ihnen Neuentwicklungen schlichtweg zu teuer sind. Bleiakkus sind zu schwer und Li-Ionen teuer & "brandgefährlich". Brennstoffzelle ist eine schöne Idee, aber hier sind Versorgung und Sicherheit auch ein Problem...
4. Wie wäre es damit,
krise0815 06.03.2015
erstmal zugeparkte Parkplätze für Elektroautos bevorzugt zu räumen ? Und an der Ladesäule aufzudrucken, was das kostet? Ich schlage 500 Euro vor. Stattdessen ein Wischwaschi-Gesetz. Weltfremd.
5. wieder mal
and_over 06.03.2015
geistiger Dünnschiss aus Berlin. Das einzig sinnvolle innerstäditsche Individualverkehrsmittel, wenn's über Fahrradentfernungen hinausgeht, ist und bleibt das motorisierte Zweirad. DAS sollte man mal fördern.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Facebook

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
Fotostrecke
Elektroautos im Aufwind O: Modelle und Meilensteine


Aktuelles zu