Cadillac in Europa Comeback der Unverzagten

Lassen sich klobige US-Autos in Europa verkaufen? Die General-Motors-Marke Cadillac ist offenbar davon überzeugt. Obwohl die Firma in der Alten Welt schon mehrfach scheiterte, nimmt sie nun einen weiteren Anlauf. Allerdings mit vergleichsweise bescheidenen Zielen.

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Walter Tillmann

Es wirkt geradezu demütig, was Cadillac in Europa plant: Die US-Marke will mit 40 Händlern und kaum 20 Mitarbeitern im Autogeschäft mitmischen. Ambitionierte Firmen treten anders auf. Wolfgang Schubert, der neue Chef von Cadillac Europa, gibt sich dennoch zufrieden. Cadillac, die Luxusmarke des GM-Konzerns, probiert mal wieder einen Neustart in der alten Welt. Seit den zwanziger Jahren ist Cadillac mit Unterbrechungen in Europa präsent - durchschlagenden Erfolg hatte die Marke noch nie.

Zuletzt hatten es Cadillac mit der holländischen Kroymans-Gruppe als Generalimporteur versucht - und erneut Schiffbruch erlitten. Denn vor knapp zwei Jahren ging Kroymans Pleite und Cadillac stand gänzlich ohne Vertrieb da. Diesmal versuchen es die Amerikaner wieder in Eigenregie.

Dass Cadillac so eisern am europäischen Markt festhält, ist wohl weniger kaufmännisch als vielmehr mit dem Image zu begründen. "Das Europaengagement dient auch der Markenpflege", sagt Europachef Schubert. "Man kann in China oder Russland praktisch kein Auto verkaufen, wenn man nicht auch in Europa auf dem Markt präsent ist."

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Natürlich soll diesmal, wie bei jedem Neustart zuvor auch, alles besser werden. Schubert erklärt den Unterschied zu früher so: In der Vergangenheit seien die Autos auf Halde produziert und mit aller Macht in den Markt gedrückt worden; nun aber gebe es keine Stückzahlvorgaben mehr. "Gebaut werden nur noch die Autos, die wir auch verkaufen können", sagt Schubert. Er nennt das "pull" statt "push" und hofft, dass er auf diese Weise ruinöse Rabattschlachten vermeiden kann.

Parallel dazu wurde eine ausgesprochen schlanke Organisation aufgebaut. "Weil wir keine separaten Import- und Vertriebsgesellschaften in den einzelnen Ländern haben, müssen wir auch keinen Wasserkopf mitschleppen", sagt Schubert. "Mit nicht einmal 20 Leuten organisieren wir von Zürich aus das Geschäft in ganz Europa." Das schaffe eine Kostenbasis, bei der man schon mit kleinen Stückzahlen Gewinne machen könne.

In ganz Europa wird es nur 40 Cadillac-Betriebe geben

Kleine Stückzahlen - das ist das entscheidende Stichwort. Zu den besten Zeiten des Cadillac-Importeur Kroymans wurden in Deutschland rund 500 und in Europa etwa 3000 Cadillac-Modelle pro Jahr verkauft, damals waren allerdings auch noch die GM-Marken Hummer und Corvette inkludiert. Außerdem hatte das Händlernetz in Deutschland 26 und in Europa etwa 160 Betriebe. Jetzt ist Hummer eine chinesische Marke, Corvette gehört wieder zu Chevrolet und das Händlernetz ist dramatisch ausgedünnt. "In Deutschland planen wir mit etwa einem Dutzend Standorten, in ganz Europa mit rund 40 Betrieben", sagt Schubert.

Das kleinste Problem dürfte die aktuelle Modellpalette von Cadillac sein, denn die Autos sind allesamt noch recht frisch. Die meisten Modelle gab es bislang in Deutschland offiziell noch gar nicht zu kaufen. Neben dem Geländewagen-Giganten Escalade und dem nagelneuen Crossover-Modell SRX ist das vor allem die CTS-Baureihe. Letztere wird mit V6-Motoren mit 276 oder 311 PS angeboten, oder in einer Power-Version mit V8-Motor und 564 PS; als Karosserievarianten sind Limousine, Kombi und Coupé verfügbar.

"Mercedes wird uns als Wettbewerber nicht einmal wahrnehmen"

In Format und Preis liegen die Amerikaner mit der CTS-Baureihe auf einem Niveau mit BMW 5er, Audi A6 oder Mercedes E-Klasse. Die Ausstattung ist umfangreich, die Verarbeitung ordentlich, und auch das auf dem Nürburgring abgestimmte Fahrwerk kann sich sehen lassen. Trotzdem bleibt Schubert zurückhaltend. "Wir sind in Europa so klein, dass uns Mercedes als Wettbewerber nicht einmal wahrnehmen wird."

Dabei mangelt es den Autos nicht an einem gewissen Faszinationspotenzial - selbst wenn sie im doppelten Sinne überaus spitz positioniert sind. Das Coupé CTS-V etwa, 80.490 Euro teuer, ist nämlich einerseits extrem kantig und extrovertiert designt und es tritt andererseits als Nischenmodell in einer Marktnische an: als sehr sportliches Luxuscoupé in der oberen Mittelklasse. Dort tummeln sich Autos wie BMW M6, Mercedes-AMG E 63 oder Audi RS5 - stärkere Konkurrenten kann man sich kaum aussuchen. Und dennoch setzt sich der Cadillac mit einem Sprintwert von 3,9 Sekunden von 0 auf 100 und 308 km/h Höchstgeschwindigkeit in diesen Kategorien gleich an die Spitze.

Hoffen auf jene, die ein Original-US-Auto fahren wollen

Schuberts Hoffnung sind "die paar Handvoll Kunden mit einer Affinität zu den USA, die auch ein amerikanisches Auto fahren wollen." Das typisch amerikanische wolle man in Zukunft wieder betonen, eine Anbiederung an europäische Kunden, wie es vor Jahren schon mal Strategie war und was dann zu Cadillac-Typen mit Dieselmotor führte, soll es fortan nicht mehr geben.

So bleibt die Hoffnung auf den europäischen Hang zum "American Way of Drive". Schubert jedenfalls setzt auf dieses Merkmal. "Die Kooperation von Chrysler und Fiat hat ja zur Folge, das Chrysler-Modelle in Europa als Lancia verkauft werden. Ich kann mir vorstellen, dass dann viele potenziellen Kunden lieber zu einer echten US-Marke wechseln werden."

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
axelkli 21.10.2010
1. ..
Ich finde Cadillac klasse. Es ist jedoch schade, daß die richtig amerikanischen Limousinen SLS und DTS (der Obama-Caddy)nicht offiziell importiert werden. Ich konnte den DTS kürlich in den USA als Mietwagen fahren. Ein Traum, American Way of Drive at its best.
hardybayer 21.10.2010
2. Frage
Was ist eigenlich klotzig? Selbst schonmal Ami Auto Besitzer gewesen? Oder nur Nachbabbler?
axelkli 21.10.2010
3. pardon
ich meinte natürlich den STS und der von Obama genutzte Wagen sieht nur wie ein DTS aus, unterm Blech steckt ein Kompakt-LKW-Chassis.
FoxhoundBM 21.10.2010
4. Böse, böse Amis
Wie könnt ihr es wagen, in Zeiten von CO²-Schwindel und Political Correctness noch richtige Autos anzubieten ... Wer die Ironie findet, darf sie behalten. Wurde eh Zeit, endlich wieder ein paar Hingucker. Den CTS hab ich schon gefahren, tolles Auto.
piazzarini 21.10.2010
5. Verbrauch zu viel? Design?
Zuerst muss man die Jungs von Spiegel loben, dass sie sich überhaupt über ein US Marke Gedanken machen. Andererseits herrschen da auch gewisse Grundvorstellungen und so ist es nicht verwunderlich, dass Tom Grünweg 15 Liter viel findet. Ich halte dies für ein Automobil mit weit über 500 PS absolut gerechtfertigt, es gibt etliche 4-Zylinder mit 150 PS die im Schnitt 10 Liter verbrauchen, 70 PS Fahrzeuge mit 7 Litern, und nun solte man mal den Wert in Relation setzen. Dann könnte man eigentlich jubeln.... Das Design polarisiert absolut, bietet aber auch viel Spannung und nicht das Zäpfchen-Design der Anderen, und zudem innovative Formen, zum Glück. Und... die Verarbeitung ist auf europäischem Niveau, vielleicht nicht Audi-like aber sicherlich auf MB oder BMW Niveau. Einfach mal ausprobieren, nur toll, ich würde ´nen Cadillac fahren, nur... wo ist mein Händler? Hoffen wir, dass es genug selbstbewusste Unternehmer gibt, die nicht nur auf die günstige Leasingrate schauen sondern Ihrem Charakter Ausdruck verleihen wollen. Hätt ich das Geld, würd´ich Caddi fahren.
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