Can-Am-Freizeitfahrzeuge: Schmutzige Spielchen

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In aller Regel haben vor allem Kinder im Sandkasten großen Spaß, doch mancher teilt die Freude an staubig-matschigen Spielereien auch noch als Erwachsener. Dann etwa wird mit Fahrzeugen wie dem Outlander oder dem Commander der kanadischen Firma BRP richtig Gas gegeben.

Can-Am Freizeitfahrzeuge: Ab in den Matsch Fotos

Nico Wiesel ist ein Dreckskerl. Seine Jacke trägt eine dicke Schlammkruste, seine Hände fühlen sich vor lauter Sand an wie Schmirgelpapier, die Haare sind nass und strähnig, und im Bart klebt Matsch. Trotzdem grinst der Thüringer, denn er saut sich gerne ein - und bekommt auch noch Geld dafür. Wiesel ist nämlich Quad-Rennfahrer und treibt fast täglich schmutzige Rasereien in Kiesgruben, an Baggerseen oder auf Truppenübungsplätzen irgendwo in Europa. Er sitzt auf einem Fahrzeug, das kaum höher ist als das Bobby-Car aus Kindertagen aber fast so viel Kraft hat wie ein Motorrad, und pflügt damit so schnell durch Matsch und Modder, dass Sand und Steine nur so aufspritzen.

Zwar können hierzulande, anders als etwa in den USA, nicht viele Quad-Piloten mit diesem Sport tatsächlich Geld verdienen. Aber als Freizeitvergnügen wird die Quad-Fahrerei immer beliebter. Immer mehr Männer nutzen solch ein All Terrain Vehicle (ATV), um damit durch Sandlöcher zu pflügen. So hat sich auch in Deutschland ein Markt für diese Fahrzeuge entwickelt, die man sogar gelegentlich auf der Straße sieht. Rund 25.000 Modelle werden in diesem Segment pro Jahr verkauft.

Einer der größten Anbieter solcher Fahrzeuge ist die kanadische Firma BRP. Sie ist ein Ableger des Bombardier-Konzerns, der vor 90 Jahren mit der Erfindung des Schneemobils groß wurde und diese Technik mittlerweile auch aufs Wasser, auf die Straße und eben in den Schlamm übertrug. Unter der Marke Can-Am bauen die Kanadier weder die billigsten und auch nicht die meisten dieser Fahrzeuge - sondern sie reklamieren für sich die Technologieführerschaft auf diesem Feld.

Asiatische Hersteller setzten eher auf Massenware, die es oft schon für wenige tausend Euro im Baumarkt gibt. Und für etablierte Fahrzeughersteller wie Honda oder Suzuki läuft das ATV-Geschäft eher nebenher.

"In fast allen Segmenten und auf fast allen Märkten gehören wir zu den drei größten Anbietern", sagt die deutsche BRP-Sprecherin Antonie Glaser. Konkrete Produktions- oder Verkaufszahlen nennt sie nicht, was Zweifel an der vollmundigen Selbstdarstellung aufkommen lässt. "Wir sind ein Unternehmen in Privatbesitz", sagt Glaser, und das habe sich eben eine gewisse Verschwiegenheit auferlegt.

Ein Mini-Motorrad mit Ballonreifen und 71-PS-Motor

Bestseller bei den Can-Am-Quads ist das Modell Outlander, den Wiesel in einer getunten Rennversion mit 800 Kubik und 71 PS fährt, die 14.099 Euro kostet. Für die Homologation und damit die Straßenzulassung verlangt BRP weitere 1000 Euro. Aber schon das für einen Preis von 11.299 Euro auch nicht gerade günstige Standardmodell Outlander Max mit Doppelsitz und 650-Kubik-Motor kommt auf 60 PS, die mit den 326 Kilo Leergewicht leichtes Spiel haben.

Man sitzt auf dem 2,40 Meter langen und 1,20 Meter breiten Outlander wie auf einem zu niedrig geratenen Motorrad, nimmt Tank und Motor zwischen die Knie und krallt sich an den Lenker. Kaum gibt man Gas, greifen die winzig kleinen aber sehr breiten Räder mit ihren groben Stollen im Dreck. Die Schlammklumpen spritzen auf und unter ohrenbetäubendem Brüllen kommt der Outlander in Fahrt. Bei optimalem Grip und ebener Strecke würde ihn der Zweizylinder-Direkteinspritzer der BRP-Tochter Rotax aus Österreich in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 treiben und danach bis 125 weiter stürmen lassen. Das aber ist Theorie, denn in der Realität sind die Dinger meist auf 62 km/h limitiert.

Von solchen Geschwindigkeiten rät Quad-Profi Wiesel Novizen allerdings dringend ab. Während die Automatik die Gänge sortiert, führt er Anfänger schön langsam durchs Gelände, kurvt sorgfältig um jedes Wasserloch und nimmt sogar die verführerischen Sprungkuppen im Kriechgang. Erst nach der dritten Runde dreht er auf. Schnell lernt man dann, dass man ein Quad nicht nur mit dem Lenker steuern kann. Sondern Spaß macht es vor allem, wenn man die Richtung mit Hilfe von Gas, Bremse und Gewichtsverlagerungen wechselt. Falls man das Quad dabei einmal festfahren sollte, genügt ein Druck auf den AWD-Schalter, und der Outlander wird zum Allradler. "Dann kann man zwar nicht mehr so gut driften, kommt aber in schwerem Gelände leichter voran", sagt Wiesel.

Auch für Nicht-Motorradfahrer gibt es ein passendes Gefährt

Wem das Quad zu fremd und unbequem ist, dem bieten die Kanadier seit einiger Zeit auch ein sogenanntes Side-by-Side-Vehicle namens Commander. Es nutzt zwar weitgehend die gleiche Technik, aber man sitzt nicht auf, sondern in dem Fahrzeug, hat den Sozius neben sich, greift zu einem konventionellen Lenkrad und bestimmt das Tempo per Pedal. "Alle, die nicht vom Motorrad kommen, fühlen sich darin besser aufgehoben", sagt Wiesel. Trotzdem darf man das quietschgelbe Mobil (Preis ab 14.499 Euro) nicht mit einem Geländewagen verwechseln. Er ist nicht nur deutlich kleiner und deshalb sehr viel handlicher, sondern mit bis zu 85 PS wühlt sich das Fahrzeug auch dort noch durch, wo selbst eine Mercedes G-Klasse kapitulieren würde. Und vor allem ist er rundherum offen - vor allem für Matschbrocken. Kein Wunder also, dass Einweiser Wiesel nach ein paar Runden aussieht wie ein Wattwurm mit Schutzhelm.

Auf schmierig-schmutzigen Terrain machen die Fuhren tatsächlich jede Menge Spaß. Für den Alltag auf der Straße taugen Commander und Outlander eigentlich gar nicht. Der Stauraum ist zu gering und der Spritverbrauch recht hoch.

"Es gibt gewerbliche Kunden, die unsere Fahrzeuge mit Schneepflug, Transportkorb oder Anhängerkupplung etwa auf Baustellen oder zum Hausmeisterservice gewerblich einsetzen", sagt BRP-Frau Glaser, "aber eigentlich geht es um den Freizeitwert, und der dienstliche Einsatz ist meist nur ein Alibi fürs Finanzamt." Diese Einstellung teilt offenbar auch Quad-Profi Wiesel. Er rollt seinen Outlander schließlich in den Anhänger, klopft sich den Schmutz von den Klamotten und steigt für den Heimweg in eine bequeme Großraumlimousine.

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Toller Werbeartikel
thomaswalter 12.08.2011
... und so herrlich unkritisch. Was muss man tun, dass der Spiegel über unsere Firma auch mal so verkaufsfördernd schreibt?
2. Kein Spaß...
bergläufer 12.08.2011
Zitat von sysopIn aller Regel*haben vor allem*Kinder*im*Sandkasten großen Spaß, doch mancher teilt die Freude an staubig-matschigen Spielereien*auch noch als Erwachsener. Dann etwa*wird mit Fahrzeugen*wie dem Outlander oder dem Commander der kanadischen Firma BRP richtig Gas gegeben. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,779729,00.html
... ist es, wenn einem bevorzugt in eigentlich dafür gesperrten Waldgebieten diese Freizeit- Quadfahrer gänzlich unsportlich als Fußgänger/Wanderer vom Weg drängen und alles niederwalzen, was ihnen unter ihre Räder kommt. Und leider ist dies dank der Quads der neue Trend!
3. Überrascht
cor 12.08.2011
Ich bin wirklich schwer überrascht. Dieser Artikel ist seit 4h online und noch keiner der Ökos hat sich beschwert, dass hier zum Vergnügen Sprit verblasen und die Umwelt belastet wird. So was geht doch nicht in Eurer Welt!
4. Der Meckerer
cor 12.08.2011
Zitat von bergläufer... ist es, wenn einem bevorzugt in eigentlich dafür gesperrten Waldgebieten diese Freizeit- Quadfahrer gänzlich unsportlich als Fußgänger/Wanderer vom Weg drängen und alles niederwalzen, was ihnen unter ihre Räder kommt. Und leider ist dies dank der Quads der neue Trend!
Ah, da ist er ja, der Meckerer. Danke. Sie haben mein Bild vom SPON-Forum wieder zurechtgerückt!
5. .
kathokalypse 12.08.2011
Zitat von bergläufer... ist es, wenn einem bevorzugt in eigentlich dafür gesperrten Waldgebieten diese Freizeit- Quadfahrer gänzlich unsportlich als Fußgänger/Wanderer vom Weg drängen und alles niederwalzen, was ihnen unter ihre Räder kommt. Und leider ist dies dank der Quads der neue Trend!
Es gibt nur wenig was ähnlich viel Spaß macht, wie mit einem Quad durch's Gelände zu fahren. Hatte vor einigen Jahren in Ägypten das Vergnügen durch die Wüste zu fahren, es war unglaublich genial Ich weiß zwar nicht, in welchen Waldgebieten Sie ihre Erholung suchen, aber hier im Teutoburger Wald kam mir noch nie ein Quad entgegen. Und als Mountainbiker bin ich häufig dort. Vom Weg drängen bzw. diesen und den umliegenden Wald komplett zerstören machen andere (Förster und Forstbetriebe, die mit SUVs und v.a. Harvestern durch den Wald gondeln - und dann uns noch vorwerfen, den Wald zu schädigen). Und das trotz des Nadelöhrs, den der Teuto durch seine geringe Breite darstellt - oder vielleicht gerade deswegen.
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Fahrzeugschein
Hersteller: BRP
Typ: Can-Am Outlander Max 650
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Zweizylinder-Benziner
Getriebe: Stufenlose Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 650 ccm
Leistung: 60 PS (44 kW)
Von 0 auf 100: 10,0 s
Höchstgeschw.: 125 km/h
Kofferraum: 105 Liter
Preis: 11.299 EUR

Schnellcheck

Can-Am Outlander

Einsteigen: ...weil man mit dem Ding auch als Erwachsener endlich mal wieder im Sandkasten spielen darf.

Aussteigen: ...weil ein Quad ein überflüssiges und teures Spielzeug ist - und Mountain-Bike-Fahren sportlicher.

Umsteigen: ...aus Trekking-Stiefeln, vom Fahrrad oder aus hartgesottenen Geländewagen.



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