Car-2-Go in Hamburg Smart-Sharing rund um die Alster

Das Daimler-Carsharing-Projekt Car-2-Go läuft recht erfolgreich in Ulm und Austin im US-Staat Texas. "Das Projekt ist ausgereift, jetzt wird es in größerem Stil eingeführt", sagt Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Ab März 2011 startet Car-2-Go auch in Hamburg.

Von Jürgen Pander

Jürgen Pander

"Hamburg ist weltweit die erste Millionenstadt, in der Car-2-Go eingeführt wird", frohlockte Christoph Ahlhaus, der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt. Und Anja Hajduk, grüne Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt erklärte, Car-2-Go zeige, dass der Verzicht auf ein eigenes Auto möglich sei, ohne sich bei der persönlichen Mobilität einschränken zu müssen. Das neuartige Konzept des Daimler-Konzerns - eine Mischung aus Carsharing und Autoverleih - ist politisch in der Hansestadt offenbar hochwillkommen.

Ein Grund ist sicher der, dass Hamburg zur "European Green Capital 2011" erkoren wurde, doch bislang kaum ökologische Ansätze in der Verkehrspolitik zu erkennen sind. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der lokale Verkehrsverbund HVV plant, zum 1. Januar 2011 die Fahrpreise um mehr als drei Prozent zu erhöhen. In dieser Situation kommt jede Initiative gelegen, die den Anschein einer grünen Mobilitätsoffensive erweckt - und damit auch Car-2-Go.

Das Smart-Sharing in Hamburg soll folgendermaßen funktionieren: Für einmalig 29 Euro kann man sich registrieren lassen und erhält dann einen kleinen Aufkleber auf dem Führerschein. Wird der an das Lesegerät hinter der Windschutzscheibe eines Car-2-Go-Smart gehalten, kann das Auto geöffnet werden und die Fahrt beginnen. Abgerechnet wird pro Minute so lange, bis der Wagen abgestellt wird und der Fahrer sich wieder ausloggt. Der Preis pro Minute Autobesitz wird 29 Cent betragen, eine Stunde kostet 14,90 Euro. Enthalten sind in diesem Betrag sämtliche Kosten für Sprit, Versicherung und sogar die Parkgebühren. Die werden direkt von der neugegründeten Car-2-Go Hamburg GmbH an die Stadt gezahlt.

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Smart Fortwo: Plötzlich wieder ganz vorne
Die Car-2-Go Hamburg GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Car-2-Go GmbH, die eine hundertprozentige Daimler-Tochterfirma ist, und der Europcar Autovermietung GmbH. Europcar hält an der Hamburger Car-2-Go-Betreibergesellschaft 75 Prozent, 25 Prozent gehören Car-2-Go. Bei insgesamt sechs Europcar-Stationen im Stadtgebiet können sich künftige Car-2-Go-Nutzer registrieren lassen, zudem übernimmt der Autoverleiher die Telematik-Auswertung der Autos, die Rechnungsstellung an die Nutzer und das Flottenmanagement der 300 Autos, mit denen das Geschäft in Hamburg gestartet werden soll.

Spezielle Carsharing-Autos mit robusten Sitzen und Solardach

Bei den Leih-Smarts handelt es sich um den gerade erst neu vorgestellten Typ Smart Car-2-Go Edition. Es sei das erste "speziell für Carsharing konfigurierte Serienauto der Welt", erklärt Robert Henrich, der Geschäftsführer von Car-2-Go. Von einem normalen Smart unterscheidet sich das neue Modell durch besonders strapazierfähige Sitze, robustere Fußmatten, einen großen Touchscreen auf dem das Leihmenü schnell und einfach bedient werden kann sowie einem Solardach mit bis zu 100 Watt elektrischer Leistung. So produziert der Smart beim Parken im Sonnenlicht Strom und lädt seine Batterie auf; zudem wird ab einer bestimmten Temperatur der Innenraum mit dem Solarstrom gekühlt - im Sommer ein netter Service für die Nutzer.

A propos Elektrizität. Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber betont, dass Car-2-Go nicht nur eine neue Art der urbanen Mobilität sein soll, sondern auch ein wesentlicher Hebel, um den Stadtverkehr zu elektrifizieren. In Hamburg, so Weber, werde es schon bald auch Elektro-Smarts in der Car-2-Go-Flotte geben - vorausgesetzt, der Aufbau einer Ladeinfrastruktur kommt zügig voran.

Abgestellt werden dürfen die Autos nur innerhalb des "Ring 2"

Ganz so flexibel, wie es die Protagonisten versprechen - "ein Auto zu jeder Zeit und an jedem Ort" - wird Car-2-Go in Hamburg übrigens nicht sein. Damit sich die 300 Autos nicht irgendwann in den Randbezirken verlieren, dürfen sie nach Ende einer Leihphase ausschließlich innerhalb des Ring zwei abgestellt werden. Das ist, ganz grob gesagt, der Hamburger Innenstadtbereich und umfasst eine Fläche von rund 65 Quadratkilometer.

Ob Car-2-Go tatsächlich, wie von den Verkehrsplanern erhofft, den Autoverkehr in der City insgesamt vermindert und zu einem wahrhaft intelligenten Mix der einzelnen Mobilitätsarten führt, soll in begleitenden Studien überprüft werden. Stadtentwicklungs-Senatorin Hajduk sagt, man sei sehr daran interessiert zu erfahren, welche bisherigen Mobilitätsformen durch Car-2-Go künftig substituiert würden. Selbst wenn es eine leichte Zunahme der Autofahrten insgesamt gäbe, sei ein positiver Effekt nicht ausgeschlossen. Hajduk: "Es könnte erstmals in breiteren Bevölkerungsschichten zur Normalität werden, sich überhaupt ein Auto mit anderen zu teilen."

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
2591149 18.10.2010
1. Super!
Ich kann es kaum erwarten bis das auch nach Berlin kommt. Ohne Auto sind Großeinkäufe unmöglich. Am Parkplatz muss man sich dann nur entscheiden, ob man weiter zahlt oder riskiert, dass das Auto weg ist, wenn man wieder aus dem Laden kommt. Mein Vorschlag an Car-2-Go: eine niedrigere Standgebühr. Also abstellen, Zündung aus, absperren und weniger zahlen bis man zurück kommt. Dabei bleibt das Auto reserviert. 9 Euro für eine halbe Stunde parken wäre mir zu viel und ohne zu wissen, ob ich wieder heim komme, starte ich keinen Großeinkauf.
RuK 18.10.2010
2. Flinkster
funktioniert in Köln schon lange Zeit und braucht keine monatliche Gebühr. Der definitiv bessere Ansatz.
Austinite 18.10.2010
3. Sorry, HH
"Hamburg ist weltweit die erste Millionenstadt, in der Car-2-Go eingeführt wird", frohlockte Christoph Ahlhaus, der Erste Bürgermeister 1.) sorry, aber Austin hat mit 1.750 Mio genausoviel EW wie HH 2.) ist demnächst (2012) Formel1 Austragungsort 3.) und hat das deutlich bessere Wetter :-) Schöne Grüße aus immer noch 28 Grad im Schatten!
Hercules Rockefeller, 18.10.2010
4. So ein Quatsch!
Wenn die Autos immer an einen festen Ort zurück gebracht werden müssen bzw. nach abstellen nicht sicher ist, ob man überhaupt noch dort weg kommt, weil zwischenzeitlich der Wagen von anderen Nutzern gebraucht wird, wer ist dann eigentlich die Zielgruppe? Rechnerisch ist ab 8 Minuten Fahrt der Bus günstiger. Nun frage ich mich, in welcher Innenstadt man heutzutage derart freie Fahrt hat, dass man in acht Minuten nennenswert weit kommt und auch noch einen Parkplatz findet? Das mag am Sonntag funktionieren, ansonsten aber ist das doch eine Illusion. Und teuer, meine Herren! In Amerika bekomme ich für 13 Dollar einen ganzen Tag lang einen 4-sitzigen Mittelklassewagen. In Deutschland bekommt man dafür 2 Sitze und kann gerade eine Stunde damit etwas anstellen. Auch für die Umwelt völliger Quatsch, denn wenn man mal Abends mit Freunden zum Essen will, braucht man bei car2go zwei Autos, während man sonst solche Fahrten in einem Wagen macht. Wocheneinkäufe sind auch nur solo zu erledigen, so viel passt nicht in den Smart. Daimler zockt hier doch nur Subventionsgelder ab und versucht krampfhaft, seinem Dauerflop Smart eine Berechtigung zu geben. Wenn den schon kein Kunde kaufen will, kauft Daimler eben bei sich selbst und lässt sich das auch noch vom Staat bezahlen. Daimler täte besser daran, wenn es für 5€ am Tag Smarts rausgeben würde, die der Nutzer dann nur noch versichern und betanken muss.
alex_d 18.10.2010
5. Gebe meinen "Vorschreibern" recht.
5 Euro pro Tag ist etwas heftig wenig, oder? Ich sehe wohin Sie wollen, denke aber mit 5 Euro pro Nutzung wäre es besser. Sagen wir 5 Euro die Stunde. Tanken und Versicherung werden dann monatlich abgerechnet. Bzw gibt es bei Langzeitnutzung andere Tarife. Hier in Stuttgart beispielsweise würde so ein Wagen sicherlich mindestens 5 mal genutzt werden. Für nur 5 Euro pro Tag würde ich mir den Wagen vermutlich dauermieten.
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